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Von akjumii bis Strawanza: 5 nachhaltige Modelabels aus der Region

Du suchst Alternativen zu Fast Fashion? Trägst gerne Mode mit Haltung? Möchtest lokale Labels unterstützen?

Wir haben mit fünf nachhaltigen Modelabels aus der Region gesprochen. Strawanza, akjumii, SANVT, BARABARA und Wardrobe Circus und  zeigen, dass Stil und Verantwortung kein Widerspruch sind. Von wandelbaren Mänteln, die gleich fünf Kleidungsstücke in einem sind, über zeitlose Essentials statt kurzlebiger Trends bis hin zu Einzelstücken aus über 100 Jahre alten Stoffen – hier wird Mode neu gedacht.

Was alle verbindet: Ausdauer in einem harten Wettbewerb, Haltung aus fester Überzeugung und der Mut, den igenen Weg zu gehen. Die Gründer:innen erzählen von Rebrandings innerhalb von drei Tagen, von der Herausforderung nachhaltiger Materialien – und davon, warum echte Mode immer auch ein Gefühl ist und nicht einfach nur ein Produkt.

Denn während große Ketten auf Masse setzen, bauen diese Labels auf Community, Transparenz und Charakter. Manche produzieren in kleinen Schneidereien in Bayern, andere arbeiten mit Upcycling oder limitieren ihre Kollektionen bewusst. Das Ergebnis: Kleidung mit Geschichte – und Menschen dahinter, die man in München sogar persönlich treffen kann.

Wir stellen euch fünf spannende Brands aus der Region vor und geben euch einen Blick hinter die Kulissen: Wie gründet man ein nachhaltiges Label? Was bedeutet Slow Fashion wirklich? Und warum wird bewusstes Einkaufen gerade wichtiger denn je?

Münchens nachhaltige Mode-Macher:innen – und deine Alternativen zu Einheitslook und Wegwerftrend.

1. Von der Schulbank-Idee zum Kultlabel: Die Strawanza Story

Was ist euer Erfolgsmodell, als regionale Marke zu bestehen?

Beständigkeit durch Authentizität und Community. Bei Strawanza gibt es keine Mode von der Stange – wir möchten ein alpines Lebensgefühl verkörpern, mit dem man sich identifizieren kann. Dass wir uns dabei nie verbogen haben, zeigt unser Weg: Wir sind organisch gewachsen, von den ersten Schritten in unserem Elternhaus bis hin zu unserem Flagship Pop-up Store direkt am Münchner Viktualienmarkt im letzten Dezember. Ich glaube, ein wichtiger Faktor war immer unsere Ausdauer. Wir sind auch dann drangeblieben und haben an die Marke geglaubt, wenn der Hype mal Pause gemacht hat. Durch unsere ‚Social First‘-Strategie pflegen wir außerdem eine echte Bindung zu unserer Community. Ob durch Integration in unseren Content oder direktes Feedback bei Design-Umfragen: Diese Nähe zahlt sich für die Marke Strawanza immer aus.

Was war für euch persönlich die wichtigste Fähigkeit, um als Gründer erfolgreich zu sein?

Da fällt mir spontan vor allem die Anpassungsfähigkeit ein. Also komplexe Situationen und Bedingungen mit bisserl Kreativität ins Positive zu drehen. Wir mussten als extremes Beispiel schon mal innerhalb von nur drei Tagen unsere gesamte Markenidentität aufgrund eines Rechtsstreits ändern. Wir begreifen solche Krisen schon immer auch als Chance, damals haben wir uns für ein starkes Rebranding der Marke entschieden. Außerdem auf jeden Fall, die oben genannte Ausdauer – ohne die geht’s nicht.

Wie hat sich der Markt seit der Gründung 2011 verändert? Was wurde leichter, was wurde schwerer?

Leichter wurde der Zugang: Heute kannst du mit einem guten Reel/TikTok über Nacht tausende Menschen erreichen, wenn du viral gehst und Tools für E-Commerce sind zugänglicher. Zudem sind aber die Werbekosten explodiert. Zur Einordnung: „Früher“ erreichte man mit 18€ 100.000 Leute, heute braucht’s eher 1000€ um 18 Leute zu erreichen. Der bezahlte Push des Algorithmus ist teuer geworden und organisches Wachstum auf Social Media ist harte Arbeit – für die es auch wieder Ausdauer braucht. Man muss heute viel mehr Content-Creator sein als früher, um überhaupt gesehen zu werden. Leichter wurde auch der Zugang zu Textilproduktionen, das war in den ersten Jahren eine große Hürde. Die Märke hier sind etwas transparenter geworden. Der Wettbewerb hingegen ist größer denn je.

Wir alle wünschen uns Innenstädte mit schönen Läden. Wie seht ihr die Zukunft des Einzelhandels? Wo kann man Strawanza in München kaufen?

Wir sind im E-Commerce zuhause. Dennoch arbeiten wir gerne mit dem Einzelhandel zusammen. Ladenflächen sind für uns die perfekte Bühne unserer Textilien, man kann die Stoffe spüren und sich direkt von der Qualität überzeugen. Wir glauben an ein Miteinander von Offline und Online. Für die Zukunft können wir uns gut vorstellen, wieder mit einem festen Einzelhandelspartner in der Münchner Innenstadt präsent zu sein. Strawanza würden wir im Hirmer und Ludwig Beck auf jeden Fall sehen und wir geben uns Mühe, dort bald unsere Kollektionen zeigen zu dürfen. Renommierte Häuser, wo wir derzeit schon präsent sind, sind z.B. das Modehaus Echter in Murnau und Weilheim, sowie das Gewandhaus Gruber in Erding.

Wo wollt ihr in Zukunft noch hin? Was wollt ihr erreichen?

Wir wollen die sympathische Streetwear Brand sein. Wir wollen Strawanza weiter in die Welt raustragen, unser Lebensgefühl haben auch Leute außerhalb Bayerns und Österreichs verdient Unser Ziel ist es, unsere Präsenz im Einzelhandel und auf Online-Marktplätzen in den nächsten Jahren zu verdoppeln und ein kleines Team mit bis zu 20 Leuten aufzubauen. Aber: Wir wollen gesund wachsen. Es geht nicht um Massenware, sondern darum, dass Strawanza das Lieblingsstück im Kleiderschrank bleibt, das man auch nach fünf Jahren noch stolz trägt.

Wo liegt die größte Herausforderung, wenn man mit Bio-Baumwolle arbeiten möchte?

Die größte Hürde ist die Komplexität der Lieferketten und die damit verbundenen Kosten. Eine Produktion mit Bio-Baumwolle allein reicht nicht, denn die gesamte Kette soll fair sein. Das bedeutet höhere Kosten und längere Planungsvorläufe. Die Produktion mit Bio-Stoffen hat oft längere Vorlaufzeiten, demnach sind “schnelle Experimente” manchmal nicht so schnell in die Tat umzusetzen, wie wir es gerne hätten. Wir können und wollen nicht mit „Fast Fashion“ mitspielen, denn wir müssen uns genau überlegen, was wir produzieren, damit nichts im Müll landet und über Jahre hinweg geliebt wird.

Was hat es mit den 15% Recycling auf sich?

Wir setzen noch bei sehr wenigen Produkten auf eine Materialzusammensetzung aus 85% Bio-Baumwolle und 15% recyceltem Polyester. Das recycelte Polyester dient dazu, die Langlebigkeit und Formstabilität der Stücke zu erhöhen, damit sie eben nicht nach drei Wäschen ausleiern. Nachhaltigkeit bedeutet für uns auch Langlebigkeit. Dennoch bauen wir die Kollektionen immer mehr Richtung 100% Bio-Baumwolle um. Kein Polyester ist noch besser als recyceltes Polyester – das ist klar.

Wo werden eure Stücke produziert?

Die neuen Strawanza Kollektionen werden in Europa und dabei zum allergrößten Teil in der Türkei produziert. Alle neuen T-Shirts und Hoodies sind bereits aus 100% Bio-Baumwolle. Fleecejacken und Strickpullover werden von kleinen Nähereien in Osteuropa produziert. Mützen und Stirnbänder werden in Deutschland hergestellt.

Welches Motiv ist euer Bestseller?

Der „Ok Kuhl“-Hoodie, den wir letztes Jahr im Frühjahr veröffentlicht haben, ist zu unserem absoluten Bestseller avanciert. Er vereint vieles: Die Tragbarkeit im Alltag und ein gewisses Augenzwinkern. Er ist eben auch über regionale Grenzen hinweg tragbar und funktioniert nicht nur in Bayern.

Welches Kleidungsstück ist zur Zeit besonders beliebt?

Einen für unsere Verhältnisse krassen Hype durften wir gerade in dieser Wintersaison durch unseren Strickpullover „Herzal“ erfahren. Er war das erste Mal innerhalb von zwei Stunden komplett ausverkauft, über alle Größen hinweg. Auch bei den bisher beiden Restocks waren hunderte Stücke in wenigen Stunden wieder sold out.

Dein Lieblingsspruch?

Hier würde ich gerne ausweiten auf mein Lieblingsprodukt. Das ist zurzeit ein Heavyweight Hoodie mit 400 GSM Grammatur in dunklem Blau, auf dem nur unser Logo mit Siebdruck gedruckt wurde. Der ist täglich tragbar und schreit einfach „Strawanzaaaa“ mit seinem großen Backprint. Als Lieblingsspruch gehe ich schon auf „Ok Kuhl“, einfach, weil wir dem Hoodie so viel zu verdanken haben.

Hier gehts zum Shop: strawanza.de

2. akjumii Atelier: Wo Slow Fashion auf Kunst trifft

Was ist euer Erfolgsmodell, als regionale Marke zu bestehen?

Es ist wahrscheinlich immer ein Zusammenspiel aus Durchhaltevermögen, Ehrgeiz, zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein, Produktinnovation, Glück und vielem mehr. Ich glaube, was uns sehr geholfen hat, ist, uns immer wieder neu zu erfinden und flexibel zu bleiben. Wir haben unsere Marke akjumii immer wieder angepasst – an äußere Umstände, finanzielle Möglichkeiten, den Markt und unsere Wünsche. Was immer geblieben ist, sind unsere Werte: Transparenz, Ehrlichkeit und der starke Wille, Mode zu machen, die gut zu Mensch und Natur ist.

Was war für euch persönlich die wichtigste Fähigkeit, um als Gründer erfolgreich zu sein?

Durchhaltevermögen, Flexibilität und die Freude daran. Und das Privileg, Erfolg nicht nur im Materiellen zu sehen.

Wie hat sich der Markt seit der Gründung 2012 verändert? Was wurde leichter, was wurde schwerer?

Es gibt nun so viele Fair Fashion Labels, bei unserer Gründung waren wir gefühlt eines von wenigen. Gleichzeitig sind Trends immer schneller geworden, der Onlinehandel ist stark gewachsen, plötzlich gibt es Greenwashing und Lieferkettengesetze. Diese Antwort könnte ewig weitergehen, uns gibt es ja schon seit 2012 und da hat sich viel getan, auf dem Markt und bei uns.

Wir haben zu dritt gegründet, drei beste Freund*innen. Beste Freund*innen sind wir immer noch, aber aktiv leite ich akjumii mittlerweile alleine. akjumii ist vom Fair Fashion Label zum Spezialisten für wandelbare Mäntel geworden. Zurzeit konzentrieren wir uns auch immer mehr auf unser Store & Studio in der Reichenbachstr. 36 in München, in dem wir zeigen wollen, was für eine tolle Vielfalt an Independent Brands es gibt und welche tollen lokalen Künstler*innen und dass Austausch und Community mittlerweile unser Zugpferd sind.

Leichter wurde es, nach den Ursprüngen der Rohstoffe zu fragen. Wenn wir früher auf Messen gefragt haben, wo das Rohmaterial herkommt oder wer das Garn produziert hat, fanden uns viele komisch und unverschämt, dies zu fragen; das sei ein Firmengeheimnis. Mittlerweile ist das ganz normal. Diese Entwicklung freut uns sehr, und das ist zum Beispiel etwas, das leichter geworden ist.

Die Dinge, die schwerer geworden sind, haben auch Vorteile. Hier müsste ich eigentlich tiefer einsteigen. Gerne nenne ich zwei Beispiele: Greenwashing ist dazu gekommen. Dadurch müssen wir alles noch detaillierter „beweisen“, was für uns viel Zeit und Geld in Anspruch nimmt. Gleichzeitig finde ich es natürlich genau richtig, dass immer noch genauer nachgefragt wird.
Genauso z. B. mit den Kaufentscheidungen: Diese dauern mittlerweile viel länger als früher. Das ist für die Kasse des Labels manchmal schwierig. Gleichzeitig finde ich es toll, dass bewusster und überlegter eingekauft wird.

Wir alle wünschen uns Innenstädte mit schönen Läden. Wie seht ihr die Zukunft des Einzelhandels? Wo kann man akjumii in München kaufen?

Um heute im Einzelhandel interessant zu bleiben, braucht es mehr als tolle Ware. Wir alle sehnen uns nach Echtheit, wollen erleben. Bei uns im Store & Studio sind die Designer*innen immer wieder selbst anwesend, so kann man die Gesichter und Geschichten hinter den Brands kennenlernen. Ich glaube, das ist wichtig. Einzelhandel, der gut funktioniert, verkauft Gefühle und Wünsche, und das ist stärker denn je.

In München gut einkaufen kann man bei uns im Store & Studio. Bei unseren wechselnden Ausstellungen gibt es immer wieder Neues zu entdecken und du kannst die Menschen hinter den Labels kennenlernen.
Ansonsten mag ich den Hier Store. Melo vom Homegirl steht für Community, das feiere ich. Ich liebe es außerdem, auf den Münchner Flohmärkten, auf Ausstellungen, Pop-ups oder bei den Labels selbst einzukaufen.

Wo wollt ihr in Zukunft noch hin? Was wollt ihr erreichen?

Ich will weiterhin Menschen zeigen, was fernab von Massenware und Fast Fashion möglich ist. Lokales Design stärken. Slow Fashion stärken.
Gerne würde ich meine Upcycling- und Wearable-Art-Kollektionen noch mehr aus dem Kopf in die Tat umsetzen, tolle Events & Ausstellungen konzipieren und kuratieren, Community bilden und ich möchte, dass akjumii monetär noch erfolgreicher ist, um weiterhin das machen zu können, was mir so viel Freude bringt, und die Vielfalt der lokalen Kreativszene zu stärken.

Wo liegt die größte Herausforderung, wenn man mit nachhaltigen Materialien arbeiten möchte?

An den Abnahmemengen oder den Preisen. Würden mehr der großen Häuser damit arbeiten, könnten wir als kleine Labels uns an die Produktionen mit anschließen.

Wenn man das Wort „Polyester” hört, denkt man nicht unbedingt an Nachhaltigkeit. Warum ist es dennoch schwierig, bei manchen Schnittteilen auf Polyester zu verzichten?

Ich denke, es ist durchaus möglich, gerade bei Alltagskleidung. Ich sehe es nur beim Nähgarn als etwas schwierig, da Polyester nun mal sehr reißfest ist, was wichtig ist, um die Nähte stark zu machen und damit die Langlebigkeit eines Produkts zu sichern.

Wo werden eure Stücke produziert?

Unsere wandelbaren Mäntel werden bei der Schneiderei Winkler in Malgersdorf, Bayern, und bei uns im Atelier in München produziert.

Welches Stück ist euer Bestseller?

Der schwarze Yves Coat. Er kann in fünf verschiedene Kleidungsstücke verwandelt werden und besteht aus Basic Vest, Basic Jacket und Woodstock Collar.

Welcher Add-on ist zurzeit besonders beliebt?

Unser Bestseller ist der Woodstock Collar. Aber gerade sind auch die Jacket Fringes sehr gefragt, die leider bald ausverkauft sind. Deswegen suchen wir gerade gute neue Fringes. Die alten hatten wir noch aus unserer Zeit in Indien, es war also Upcycling. Diesmal müssten wir welche produzieren lassen, da wir keine mehr haben. Schauen wir mal, wie die nächsten Fringes aussehen werden und woher wir sie beziehen. Wir sind gerade mit einem Produzenten aus Wuppertal im Gespräch.

Dein Lieblingsspruch?

Oh, den habe ich nicht so recht. Aber bei Ann-Katrin Schmitz habe ich mal gehört: „Irgendwann ist immer jetzt.“ Den finde ich schon sehr gut!

Hier gehts zum Online-Shop: akjumii.com

3. SANVT: Leidenschaft für das langlebige Lieblingsteil

Was ist euer Erfolgsmodell, um als regionale Marke zu bestehen?

Unser Erfolgsmodell basiert auf einem klaren Fokus: langlebige Essentials statt schnelllebiger Trends. Wir entwickeln zeitlose Kleidungsstücke mit hochwertigen Materialien, transparenter Produktion und einer klaren Markenposition. Unsere Kunden vertrauen uns, das ist wohl unser Erfolgsrezept.

Was war für euch persönlich die wichtigste Fähigkeit, um als Gründer erfolgreich zu sein?

Die wichtigste Fähigkeit ist wohl Geduld und Ausdauer. Eine Brand von Scratch zu bauen dauert lange. Oft länger als man denkt.
Gleichzeitig muss man bereit sein, ständig dazuzulernen und Entscheidungen zu treffen, die nicht nur das eigene Leben betreffen, man trägt schon eine gewisse Verantwortung. Für die Firma und natürlich für das Team.

Wie hat sich der Markt seit der Gründung 2018 verändert? Was wurde leichter, was wurde schwerer?

Auf der Angebotsseite ist der Markt deutlich kompetitiver geworden. Immer mehr Marken verkaufen direkt online, und der Wettbewerb um Aufmerksamkeit ist stark gestiegen, besonders seit dem Aufkommen von Ultra Fast Fashion.

Auf der Nachfrageseite wirken sich politische und ökonomische Unsicherheiten auf das Kaufverhalten aus.

Gleichzeitig sind Kunden heute aber deutlich informierter und legen mehr Wert auf Qualität, Materialien und die Herkunft der Produkte. Das kommt Marken zugute, die transparent arbeiten und langfristig denken. Positiv ist zudem, dass SANVT mittlerweile einen gewissen Ruf genießen darf. Die Marke hat sich insbesondere auf dem deutschen Markt gut etabliert und gewinnt auch international zunehmend an Aufmerksamkeit.

Wir alle wünschen uns Innenstädte mit schönen Läden. Wie seht ihr die Zukunft des Einzelhandels? Wo kann man SANVT in München kaufen?

Aktuell verkaufen wir hauptsächlich online, da wir uns Ausgaben sparen und somit unsere Produkte preiswerter anbieten können. Vergangene Pop-Ups in München und anderen Städten waren jedoch ein solcher Erfolg, dass weitere temporäre Stores in verschiedenen deutschen Großstädten für dieses Jahr geplant sind. Gegen Ende des Jahres oder spätestens nächste Jahr haben wir dann auch wirklich unseren ersten permanenten Store in München geplant.

Wo wollt ihr in Zukunft noch hin? Was wollt ihr erreichen?

Unser Ziel ist es, eine der führenden europäischen Marken für hochwertige Essentials zu werden. Dabei möchten wir unsere Kollektion Schritt für Schritt erweitern, jedoch stets mit dem gleichen Anspruch an Qualität, Passform und Nachhaltigkeit.

Diese Ziele beziehen sich zunächst auf die Weiterentwicklung unseres Sortiments und eine damit verbundene Umsatzsteigerung, das sind erstmals typische Ziele für ein kommerzielles Modeunternehmen.

Wir verfolgen jedoch gleichzeitig ein noch viel weitreichenderes Ziel: Wir wollen das Bewusstsein für Nachhaltigkeit in der Bevölkerung stärken, die Modebranche auf langfristige Weise verändern und einen aktiven Beitrag zu einer ökologisch verantwortungsvolleren Welt leisten. Unser Anspruch ist es, Mode und Verantwortung zu verbinden und so einen positiven Einfluss auf Umwelt und Gesellschaft zu haben.

Wo liegt die größte Herausforderung, wenn man mit nachhaltigen Materialien arbeiten möchte?

Die größte Herausforderung ist, nachhaltige Materialien zu fairen Preisen anzubieten und sich gleichzeitig gegen Fast Fashion zu behaupten. Kurzfristige Trends und extrem günstige Preise dominieren nach wie vor einen großen Teil des Marktes.

Unser Ansatz ist ein anderer: Wir wollen langlebige Produkte entwickeln, die viele Jahre getragen werden können. Nachhaltigkeit entsteht für uns nicht nur durch die Materialien, sondern auch durch die Haltbarkeit.

Daraus ergibt sich schon fast ein Zielkonflikt: Wir wollen wachsen und mehr Umsatz generieren, um einen größeren Impact zu erzielen und gleichzeitig unsere Nachhaltigkeitsprinzipien nicht aus den Augen verlieren.

Ihr habt Kleidergrößen für eure Marke revolutioniert. Wie funktioniert euer System? Und wie kommt es bei den Kunden an?

Wir haben unser Größensystem erweitert, um unterschiedliche Körperproportionen abzubilden. Bei den meisten unserer Produkte gibt es verschiedene Längen, sodass Kunden ihre Passform deutlich genauer auswählen können. Beispiel: eine handelsübliches T-Shirt in Medium ist mir meist zu Kurz, ein Shirt Large zu Weit. Bei SANVT trage ich M-Lang – das passt perfekt.

Ergänzt wird unser Serviceteam außerdem durch einen KI-basierten Größenberater. So versuchen wir, Retouren so gering wie möglich zu halten und die Kunden wirklich passend zu versorgen.

Wo werden eure Stücke produziert?

Unsere Produkte werden in Portugal produziert. Dort arbeiten wir mit spezialisierten Familienbetrieben zusammen, die viel Erfahrung mit hochwertigen Stoffen und nachhaltiger Produktion haben.
Die Nähe innerhalb Europas ermöglicht uns außerdem kurze Transportwege und eine enge Zusammenarbeit mit den Herstellern.

Welches Kleidungsstück ist euer Bestseller?

Unser Bestseller ist seit Jahren das „Perfect T-Shirt“. Darauf basiert im Grunde die ganze Marke.

SANVT ist entstanden, weil wir ein wirklich hochwertiges, langlebiges und perfekt sitzendes T-Shirt entwickeln wollten. Bis heute ist es eines unserer meistverkauften Produkte und für viele Kunden der Einstieg in unsere Marke.

Welches eurer Kleidungsstücke ist eurer Meinung nach das absolute Must-have in jedem Kleiderschrank?

Das perfekte T-Shirt ist für uns wahrscheinlich das wichtigste Kleidungsstück im Kleiderschrank. Es ist die Grundlage fast jedes Outfits, egal ob im Büro, in der Freizeit oder unter einem Pullover.

Dein Lieblingsspruch?

„Stil erkennt man daran, dass er nicht auffallen muss.“

Hier gehts zum Online-Shop: sanvt.com

4. BARABARA – Bayerische Handwerkskunst trifft Moderne 

Was ist euer Erfolgsmodell, als regionale Marke zu bestehen?

Herzblut, Pragmatismus, Verbindung.

Was war für dich persönlich die wichtigste Fähigkeit, um als Gründerin erfolgreich zu sein?

Für mich war die wichtigste Fähigkeit, meinen Kundinnen aufmerksam zuzuhören und ihre Bedürfnisse ernst zu nehmen. Genau daraus ist auch mein Produkt entstanden: aus dem Wunsch heraus, etwas Authentisches zu schaffen, das Frauen wirklich unterstützt und ihnen auf Augenhöhe begegnet.

Wie hat sich der Markt seit der Gründung 2021 verändert? Was wurde leichter, was wurde schwerer?

Kundinnen achten heute stärker auf Langlebigkeit und ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis. Meine Produkte sind bewusst als Liebhaberstücke gedacht und richten sich an Menschen, die etwas Besonderes suchen – fernab vom Massenmarkt. Es sind Produkte mit einer Geschichte, mit der sich meine Kundinnen identifizieren können. Sie finden bei uns Freude an Farben, Humor in der Kunst und einen Hauch von Extravaganz.

Wir alle wünschen uns Innenstädte mit schönen Läden. Wie seht ihr die Zukunft des Einzelhandels? Wo kann man BARABARA in München kaufen?

Ich glaube, die Zukunft des Einzelhandels liegt in einer Balance zwischen Erlebnis-Shopping vor Ort und guten Online-Angeboten. Trotz Digitalisierung bleibt das Bedürfnis nach persönlichem Kontakt und Austausch sehr groß – vielleicht wird es sogar wieder stärker. Studien zeigen bereits, wie wichtig analoge Begegnungen für unsere psychische Gesundheit sind. BARABARA findet man in München vor allem bei sorgfältig kuratierten Pop-up-Events in
Concept Stores und Studio Spaces – und je nach Saison auch in anderen Städten. Zusätzlich gibt es einen Online-Store, der aktuell bis Ende Mai pausiert, da ich mich gerade auf Studienreise in Mexiko befinde.

Wo wollt ihr in Zukunft noch hin? Was wollt ihr erreichen?

In Zukunft möchten wir BARABARA weiter als eine Marke wachsen lassen, die Menschen und Orte miteinander verbindet. Besonders wichtig ist uns der Austausch mit gleichgesinnten Gestalterinnen und Gestaltern, Retailern und unseren Kundinnen – daraus entstehen oft die spannendsten Ideen und Kooperationen. Unsere Vision ist ein lebendiges Netzwerk, in dem Produkte, Räume und Begegnungen zusammenkommen. Dinge, die Freude machen, Geschichten erzählen und Menschen langfristig begleiten – als bewusster Gegenentwurf zum schnellen Massenkonsum.

Wo liegt die größte Herausforderung, wenn man mit reiner Merinowolle arbeiten möchte?

Ich sehe die Herausforderung als überschaubar, wenn man sorgfältig recherchiert, wo das Produkt erhältlich ist. Je ökologischer es produziert wird, desto höher sind die Kosten – deshalb sollte der Verkaufspreis dies widerspiegeln und in der Produktbeschreibung transparent kommuniziert werden.

Wo werden eure Stücke produziert?

Unsere Kollektionen decken verschiedene Kategorien ab, weshalb wir mit unterschiedlichen Produktionsstätten zusammenarbeiten. Die Schuhe entstehen in Italien in kleiner Auflage bei einem Familienunternehmen. Mützen und Stirnbänder werden von Seniorinnen im Frankenland handgestrickt, während komplexere Produkte wie Colliers und Strickjacken von einer Firma in Rumänien produziert werden, die ein Team von Handstrickerinnen koordiniert. Einige Produkte fertige ich persönlich „Made-to-Order“ an, ebenso wie sämtliche Prototypen.

Was bedeutet euch die Zusammenarbeit mit MyOma?

Die Zusammenarbeit mit den Seniorinnen von myOma bereitet mir große Freude: Sie haben nicht nur Spaß am Handarbeiten, sondern können sich auch etwas zu ihrer Rente dazuverdienen. Für mich ist es gleichzeitig eine Wertschätzung traditioneller Handwerkskünste, die historisch von Frauen geprägt wurden und heute zunehmend in Vergessenheit geraten.

Welches Kleidungsstück ist euer Bestseller?

Die Charivari-Colliers sind bereits ausverkauft, und die Potholder-Mützen begeistern Menschen jeden Alters und Geschlechts – ein zeitloser Favorit, der Generationen verbindet.

Welches Kleidungsstück ist zur Zeit besonders beliebt?

Derzeit arbeiten wir an einer Serie handgestrickter Mohairjäckchen mit Schleifen sowie an Jacken aus über 100 Jahre alten, handgewebten Leinenstoffen aus dem Alpenraum. Diese Stücke entstehen jeweils als Einzelanfertigungen, da die Stoffe limitierte Fundstücke von Vintage-Märkten sind. Es gab schon ein paar Sneak Previews – die Begeisterung ist groß und beglückend für uns.

Dein Lieblingsspruch?

Enjoy the ride!

Hier gehts zum Online-Shop: bara-bara.net

5. Wardrobe Circus – wenn Mode ein Statement ist

Was ist euer Erfolgsmodell, als regionale Marke zu bestehen?

Man muss nicht überall sein, um gesehen zu werden. Man muss richtig sein. Wardrobe Circus ist keine Marke für jeden – und das ist keine Schwäche, das ist Präzision. Wir arbeiten mit natürlichen Materialien, in kleinen Serien, mit echter Handschrift. Menschen spüren den Unterschied zwischen einem Kleidungsstück, das für sie gemacht wurde, und einer Ware, die für niemanden gemacht wurde. Wir gehören zur ersten Kategorie.

Was war die wichtigste Fähigkeit, um als Gründer erfolgreich zu sein?

Durchhaltevermögen – aber nicht das verbissene. Das elegante. Man muss eine Vision haben, die größer ist als die eigene Ungeduld. Eine Marke ist kein Produkt, das man fertigstellt. Sie ist ein Gespräch, das man niemals beendet. Wer das versteht, überlebt. Wer es nicht versteht, macht zwei Saisonen und verschwindet.

Wie hat sich der Markt seit der Gründung 2021 verändert? Was wurde leichter, was schwerer?

Die Welt ist bewusster geworden – und das, endlich. Die Menschen stellen Fragen: Wo kommt das her? Wie wurde es gemacht? Wer hat es gemacht? Das hätte man schon immer fragen sollen, aber besser spät als nie. Was schwerer geworden ist: Produktion, Rohstoffe, Logistik – alles komplexer, alles teurer. Was leichter geworden ist: die direkte Verbindung zu Menschen, die tatsächlich verstehen, worum es geht.

Wo seht ihr die Zukunft des Einzelhandels – und wo findet man Wardrobe Circus in München?

Der Online-Handel hat seinen Platz. Aber Mode ist eine sensorische Angelegenheit. Man kauft kein Kleidungsstück, man kauft ein Gefühl – und Gefühle lassen sich nicht durch Pixel vermitteln. Die Zukunft der Innenstädte liegt in Läden, die eine Haltung haben. Wardrobe Circus findet man in München im Rathaus, Dienerstraße – zwischen einem Fränkischen Metzger und einem Filzladen. Das ist kein Zufall, das ist Charakter.

Wo wollt ihr mit Wardrobe Circus noch hin?

Wachsen – aber mit Würde. Es gibt nichts Schlimmeres als eine Marke, die wächst und dabei vergisst, warum sie gut war. Wir wollen unsere handwerkliche Qualität vertiefen, unsere Kollektionen schärfen und Wardrobe Circus zu einem Namen machen, der für etwas steht. Casual Luxury: natürlich, nachhaltig, mit einem unverkennbaren Twist. Und vor allem: unabhängig.

Wo liegt die größte Herausforderung bei der Arbeit mit reiner Schurwolle und Naturbaumwolle?

Natürliche Materialien sind ehrlich – das ist ihr Fluch und ihre Tugend. Sie verzeihen keine Fehler. Synthetik lügt, es kaschiert. Wolle und Baumwolle sagen die Wahrheit über ihre Verarbeitung. Das verlangt Können, Sorgfalt, Respekt. Aber was dabei entsteht, hat eine Qualität, die man nach zehn Jahren noch spürt. Und das ist es, was Kleidung bedeuten sollte.

Welche Chance bietet der 3D-Druck für Schmuck?

3D-Druck ist das Beste, was dem Schmuck passiert ist, seit man aufgehört hat, ihn Königen vorzubehalten. Formen, die früher nur in der Fantasie existierten, lassen sich heute realisieren – leicht, präzise, zugänglich. Für uns sind es kleine skulpturale Objekte, die man tragen kann. Ultraleicht, vielgestaltig, eigenständig. Kein Kompromiss zwischen Kunst und Alltagstauglichkeit.

Wo werden eure Stücke produziert?

In kleinen europäischen Manufakturen und lokalen Ateliers. Kein Weit-weg-schicken und Hoffen. Wir kennen die Menschen, die unsere Stücke herstellen. Das ist keine romantische Geste – das ist die Voraussetzung für Qualität. Wenn man nicht weiß, wer etwas macht, kann man nicht wissen, was man bekommt.

Welches Motiv und welches Kleidungsstück sind zurzeit besonders beliebt?

Unsere gefragtesten Motive sind jene, die lächeln lassen – Designs mit Augenzwinkern, die Haltung und Humor verbinden. Und bei den Kleidungsstücken: unsere Wolljacken. Zeitlos, funktional, ein klares Statement. Nichts Lautes. Nur das richtige Gewicht, der richtige Schnitt, die richtige Wirkung. Das ist schwerer, als es klingt.

Dein Lieblingsspruch?

„Glaube an dich selbst. Wenn du es nicht tust, tut es niemand.”

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