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Aktuell, Kultur

Warum du die Jahresausstellung der Münchner Kunstakademie nicht verpassen solltest

Heike Dempster

Einmal im Jahr öffnet die Akademie der Bildenden Künste München ihre Türen – und damit einen Ort, der sonst nur wenigen zugänglich ist. Zur Jahresausstellung 2026 werden Ateliers, Werkstätten, Klassenräume und Flure für eine Woche zu einem der spannendsten Kunstrundgänge der Stadt. Zu sehen sind aktuelle Arbeiten von Studierenden, dazu gibt es Gespräche mit den Künstler selbst und seltene Einblicke in ihre künstlerischen Prozesse.

Wer wissen möchte, wie die Kunst von morgen aussieht, sollte zwischen Samstag, den 18. und Sonntag, den 26. Juli 2026 unbedingt vorbeischauen.
Los geht es am Samstag um 14 Uhr mit der offiziellen Eröffnung im Foyer des Altbaus. Präsidentin Prof. Karen Pontoppidan begrüßt die Besucher, anschließend werden die Preise der Jahresausstellung verliehen. Am Eröffnungstag bleiben alle Ausstellungsräume bis 22 Uhr geöffnet – perfekt für einen sommerlichen Kunstabend.

Eine der wichtigsten Kunsthochschulen Deutschlands

Die Akademie der Bildenden Künste München gehört zu den renommiertesten Kunsthochschulen Europas. Gegründet im Jahr 1808, hat sie Generationen bedeutender Künstler hervorgebracht – darunter Namen wie Wassily Kandinsky, Franz Marc, Paul Klee oder Georg Baselitz und aus jüngster Zeit Eunju Hong, Ju Young Kim and Gülbin Ünlü. Ein Studienplatz hier zählt weiterhin zu den begehrtesten im deutschsprachigen Raum. Die Aufnahme erfolgt über ein mehrstufiges Bewerbungsverfahren, bei dem vor allem die künstlerische Mappe und eine Aufnahmeprüfung entscheiden.

Charakteristisch für die Akademie ist ihr Klassensystem. Studierende arbeiten nicht in anonymen Studiengängen, sondern in den Klassen renommierter Künstler:innen und Professor:innen, die ihre Studierenden oft über mehrere Jahre begleiten. Jede Klasse entwickelt dabei ihre eigene künstlerische Haltung und Arbeitsweise – entsprechend unterschiedlich fallen auch die Präsentationen der Jahresausstellung aus. Ein übergeordnetes Ausstellungsthema gibt es bewusst nicht. Stattdessen entsteht ein vielstimmiges Bild aktueller künstlerischer Positionen, in dem Experiment und individuelle Handschrift im Mittelpunkt stehen.

Genau diese Offenheit macht den besonderen Reiz der Jahresausstellung aus. Die Studierenden sind vor Ort und treten gerne mit Besucher:innen in Dialog. Sie erzählen von ihren Ideen, Materialien und Arbeitsprozessen – Begegnungen, die den Ausstellungsbesuch jedes Jahr besonders machen.

Jahresausstellung 2024_Klasse Sandra Schäfer_PostApokalypse Foto Stephanie Rössing

Foto: Jahresausstellung 2024, Klasse Sandra Schäfer, PostApokalypse / Foto Stephanie Rössing

How to Jahresausstellung: Orientierung im kreativen Labyrinth

Damit man sich in den vielen Räumen und Gängen nicht verliert, sollte man im Foyer unbedingt einen Raumplan mitnehmen. Ein guter Einstieg sind das Erdgeschoss und der erste Stock, bevor mn sich immer tiefer durch die Akademie treiben lässt. Hinter beinahe jeder Tür wartet eine neue Entdeckung.

Und zu entdecken gibt es wirklich alles: Malerei, Skulptur und Fotografie treffen auf Medienkunst, Sound, Installation und Performance. Auch Architektur, Innenarchitektur, Bühnenbild und Schmuck sind vertreten. Gerade die Bühnenbildklassen überraschen jedes Jahr mit spektakulären Rauminszenierungen irgendwo zwischen Theater, Installation und begehbarer Skulptur. Ein fester Geheimtipp bleibt außerdem der Raum unter der Haupttreppe. Wer ihn kennt, steuert ihn jedes Jahr direkt an. Wer ihn noch nicht kennt, sollte ihn unbedingt suchen.

Wer lieber geführt unterwegs ist, kann an kostenlosen Rundgängen teilnehmen. Das Besondere: Die Führungen werden von Studierenden selbst angeboten – auf Deutsch, Englisch, Französisch, Spanisch und Ukrainisch. So erfährt man nicht nur mehr über die ausgestellten Arbeiten, sondern bekommt auch spannende Einblicke in das Leben an der Akademie.

Pascal Koertel_Der Himmel sammelt verlorene Augen

Pascal Koertel: Der Himmel sammelt verlorene Augen

Das sind die Highlights der Klassen

Da jede Klasse ihre eigene Ausstellung entwickelt, unterscheiden sich auch Atmosphäre und künstlerischer Ansatz deutlich voneinander.
Zu den Highlights gehören unter anderem die Klasse von Gregor Hildebrandt, die unter dem Titel „Die Berge sind zu weit“ Arbeiten von 18 Künstler zeigt, darunter Zazie Julie, Laura Killer, Pascal Koertel und Bingxzu Ren.

Ebenso sehenswert wird mit Sicherheit die Präsentation der Klasse von Susi Gelb sein. Unter dem Titel „MIRRORERROR“ beschäftigen sich Baixuan Chen, Sergei Hammerer, Sevilay Hannas, Jiwon Song und weitere Künstler mit Spiegelungen, Perspektiven und Wahrnehmung. Ausgangspunkt ist eine gedachte Spiegelkante, entlang der sich die Arbeiten zwischen Ambivalenz und Oszillation bewegen. Im Sinne eines metamodernen Denkens entstehen Werke zwischen Skepsis und Hoffnung, Realität und Fiktion, Präsenz und Abwesenheit. Jede/r Künstler:in zeigt zwei räumlich aufeinander bezogene Arbeiten. Es geht dabei weniger um exakte Spiegelungen als um Differenz und Verschiebung – um jene Momente, in denen sich Wahrnehmung verändert und neue Räume für Erinnerung, Projektion und Vorstellung eröffnet werden.

Herausragende Präsentationen versprechen außerdem unter anderem die Klassen von Leonor Antunes, Andrea Büttner, Thomas Eggerer, Gabriel Kuri, Armin Linke, Olaf Nicolai und Florian Pumhösl.

In der Aula zeigt die Klasse für Aktuelle Digitale Medien unter der Leitung von Hito Steyerl Videoinstallationen. Ein weiteres Highlight sind immer die Performances der Klasse von Alexandra Pirici. Hier lohnt sich ein Blick auf die Aushänge vor Ort, da die Performances zu unterschiedlichen Zeiten und in verschiedenen Räumlichkeiten stattfinden.

Mindestens genauso spannend wie die Klassen sind die Werkstätten der Akademie. Oft geraten sie im Trubel etwas in den Hintergrund, dabei werden hier einige der faszinierendsten Arbeiten gezeigt. In der Glasmalereiwerkstatt präsentieren beispielsweise acht Künstler ihre Projekte, darunter Luis Strobl und Pablo Vasquez Moraga.

Jiwon Song

Jiwon Song

Nützliche Tipps für den Besuch

Da jedes Jahr sehr viele Besucher kommen, kann es am Eröffnungstag zu Wartezeiten kommen. Eine Wasserflasche einzupacken lohnt sich ebenso, wie genug Bargeld mitzunehmen. Viele Klassen verkaufen Editionen, Künstlerbücher oder kleine Publikationen, außerdem gibt es Getränke, Snacks und mehr. So kann man die Künstler:innen direkt unterstützen und den Tag noch besser gestalten.

Wer sich vorab informieren möchte, findet ab Donnerstag, den 16. Juli auf der Website der Jahresausstellung Raumpläne, Informationen zu den Ausstellungen sowie das komplette Begleitprogramm mit Führungen und Performances.

Unser letzter Tipp: Lasst euch Zeit. Öffnet Türen, kommt mit den Künstler:innen ins Gespräch und bleibt neugierig. Die Jahresausstellung lebt davon, entdeckt zu werden. Hier begegnet ihr schon heute den Künstler:innen, deren Arbeiten ihr auch in Galerien und Museen wiedersehen werdet. Am besten plant ihr gleich mehr als einen Besuch ein!

Was, wann, wo

Was: Jahresausstellung der Akademie der Bildenden Künste München
Wann: 18. – 26. Juli 2026

Öffnungszeiten So – Fr | 14:00 – 20:00 Uhr; Sa | 25.07. & So | 26.07., 11:00 – 20:00 Uhr

Wo: Akademie der Bildenden Künste München, Akademiestr. 2 (Altbau)
Mehr Infos

Luis Strobl_Oil on Canvas

Luis Strobl: Oil on Canvas

Sergei Hammerer

Sergei Hammerer

Alicia Nagel. Sonntagmorgen

Alicia Nagel: Sonntagmorgen

Stefanie Schwarz
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