Aktuell, Kultur

Ala.Ni – eine Diva ohne Aufdringlichkeit @Milla

Anna-Elena Knerich

ist francophil und Europtimistin. Denkt (zu) viel und schreibt deshalb. Am liebsten über Kultur, die Helden des Alltags und das Thema mit dem "Zuhause".
Anna-Elena Knerich

„My love for you was sprung in SPRING // And flourished in the SUMMER sun // AUTUMN killed the fresh green leaves // By WINTER all was said and done“

Ob Jahreszeiten- oder Liebesgedicht: Diese Worte auf Ala.Nis Homepage beschreiben ziemlich treffend ihr Debütalbum „YOU & I“, das sie letztes Jahr veröffentlicht hat. Genauer gesagt hat sie es sukzessive in vier EPs herausgebracht, mit jeder neuen Jahreszeit erzählt sie darin den Verlauf einer Liebesgeschichte. Hört man sie mit ihrer ebenso kraftvollen wie zärtlichen Sopranstimme singen, etwa Darkness at Noon aus der Herbst-EP, dann berührt sie einen in tiefster Seele. Man spürt, wie die „fresh green leaves“ der Liebe kaputtgehen und fühlt sich selbst wie in diesem Stadium einer Liebesgeschichte.

Doch ob diese Zeilen, über die sie mit so viel Herzblut singt, auch tatsächlich autobiografisch sind, kann man nur vermuten – denn über sich selbst gibt die eher zurückhaltende Künstlerin kaum etwas preis. Man weiß nur: Mit fünf bekam sie Gesangs- und Tanzunterricht und wurde zum Kinderstar in Musicals, Werbespots und Popvideos. Später war sie Backgroundsängerin für Mary J. Blige und Damon Albarn, der sie ermutigte, ihre eigenen Songs zu machen. Seitdem schreibt und produziert Ala.Ni alle Lieder selbst, ohne sich den Anforderungen einer Plattenfirma oder Musik-Genres zu unterwerfen. Meist nur mit Gitarre oder Klavier begleitet und rein auf ihre Stimme reduziert singt sie ihre schlichten Songs, die vor allem eines ausmacht: ihre Persönlichkeit.

„Diese Stimme kann pures Glück erzeugen.“

Am 20. September gibt sie ein Konzert in der Milla, das die Veranstalter mit einer vielversprechenden Wertung anpreisen: „Diese Stimme kann pures Glück erzeugen.“

Werden wir kurz persönlich: Ich hab hier mal die 5 Gründe gesammelt, warum ich unbedingt auf Ala.Nis Konzert will:
  • Eine Künstlerin, die man live erleben muss: Zum ersten Mal entdeckt habe ich Ala.Ni durch Zufall, bei einer Übetragung eines Privatkonzerts auf ARTE Concert. Mit einer unbeschreiblichen Eleganz stand sie in einem dämmrigen Licht und begann, ohne Instrumentalbegleitung Cherry Blossom zu singen. Vom ersten Ton an zog mich ihre ebenso kraft- wie gefühlvolle Stimme in ihren Bann. Seitdem wusste ich: „Diese Sängerin verursacht Gänsehaut – die musst du live erleben, nicht nur hören!“

 

  • Eine Diva ohne Starallüren: Bei besagtem Konzert begann sie, als die Harfe einsetzte, anmutig ihre langen, schlanken Arme zu bewegen. Wie eine Operndiva sang sie, ganz bei sich und doch wie auf der Bühne der Welt. Sie brachte das kleine Publikum zum Lachen, zum Weinen und trat trotzdem bescheiden und unaufdringlich auf. Auf ihrer Homepage gibt es kein „About Me“, man weiß nicht wie alt sie ist – aber das ist auch nicht nötig: Ihr geht es rein um ihre Musik.

 

  • Musik jenseits strenger Kategorien: Sie soll ihren Eltern mit drei Jahren „Over the Rainbow“ vorgesungen haben – und tatsächlich erinnert ihre Musik an Judy Garland in „Der Zauberer von Oz“ oder andere Broadway-Musicals. Auch alte Jazz-Klassiker, Soul und Blues spielen mit rein – eigentlich lassen sich ihre Songs aber schlichtweg nicht kategorisieren. Sie sind positiv-romantisch und zugleich melancholisch; der WDR schrieb über diese Melancholie: „Vergesst Lana Del Rey, Ala.Ni ist viel besser.“

 

  • Eine Stimme wie aus einer anderen Zeit: Ihre Stimme hat etwas Nostalgisches und ruft in mir das Bild der Cabarèts im Paris der Jahrhundertwende hervor. Aber auch von Schwarz-Weiß Filmen und Sängerinnen der 30er Jahre, wie etwa Marlene Dietrich. Diese Assoziation verstärkt sie noch, indem sie nur in ein altes deutsches Mikrofon singt. Man fühlt sich in eine andere, spannende Zeit versetzt – und doch sind ihre Songs zeitlos gut.

 

  • Songs, die eine Geschichte erzählen: Sie berührt nicht nur die Seele, sie erzählt auch Geschichten über… Das lasse ich euch selbst herausfinden – am besten beim Konzert im September. In diesem Sinne: Es wird sich lohnen!

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