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Blumentopf – zurück im Revier

Sebastian Gierke

Journalist, frei, in München und im Netz.
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„T – O – P –F. Vergiss Verkaufszahlen, vergiss die Chart-Hits. Ihr könnt euch aufspielen, doch ihr könnt uns gar nichts. Wir sind schon länger im Geschäft als Google und Yahoo, wir waren schon vorher Freunde ohne Rap und Blumentopf-Crew.“

Und jetzt sind die Freisinger Freunde wieder da, mit einem neuen Album, pünktlich zur WM, zu der sie auch wieder ihre Raportagen beisteuern werden. Und am Samstag spielen sie ihr 500. Konzert.

Gerade sind sie zurückgekommen aus Südafrika, haben sich umgeschaut dort, man könnte es Trainingslager nennen, wenn Blumentopf ein solches noch nötig hätten.

Es hat ein bisschen gedauert, bis die Rapper Cajus, Hollunder, Schu und Roger sowie DJ Sepalot neues Material aufgenommen haben. Vier Jahre. In dieser Zeit waren sie viel Solo unterwegs und haben im vergangenen Jahr eine Freestyle-Tour gemacht. Zwei Stunden auf der Bühne, keine vorgefertigten Texte, intuitiv und immer im Flow: Dafür sind Blumentopf bekannt. Und es gelingt ihnen, dieses überragende Freestyle-Können, den Witz und die Spontaneität auch auf ihre Alben zu übertragen. „Wir haben nen Schatten, doch die Taschen voller Sonnenschein. Wir haben mehr Träume als wir schlafen können, sind süchtig nach ner Bombenzeit.“ Die Wortverwitzdreher präsentieren sich auf ihrem Album „Wir“ (Label: Virgin/EMI) wieder in großer Form.

Blumentopf stehen immer noch für Münchner HipHop wie keine andere Band. Sie haben das HipHop-Image der Stadt geprägt und das Genre Studentenrap miterfunden. Sie sind Storyteller, haben nichts am Hut (selten am Cap) mit stark am amerikanischen HipHop orientierten Straßenrap. „Vergiss die Gangster und das Street-Image. Die längsten Rapper aus der Zeit von Nirvana riechen nach Team-Spirit. Vergiss das Rumgepose, das arrogante.“

Außerhalb Münchens wird das oft nicht ernst genommen und auch die Straßenrapper in München versuchen verzweifelt, Blumentopf zumindest ein wenig die Aufmerksamkeit streitig zu machen. Nach „Wir“ ist klar. Es wird ihnen wohl wieder nicht gelingen. Das Album ist großartig. Es ist rockiger als zuletzt, mehr Gitarren, mehr Beastie Boys, klingt druckvoll, abwechslungsreich und raptechnisch perfekt. Deshalb lässt man das Blumentopf auch am besten selbst erklären: „Das bestbesetzte Team seit Ocean’s Eleven flowt auf seinem Level die anderen in Grund und Boden beim Rappen. Da kann kommen was will, aber ihr werdet die Münchner nicht los. 18 Jahre, sechs Alben über 500 Shows.“

Tatsächlich spielen Blumentopf die fünfhundertste Show (21 Uhr, Alte Kongresshalle, Theresienhöhe 15) erst am Samstag auf dem Kongress: „Eins, zwei, drei, wir sind zurück im Revier. Mach dich bereit für: Wir.“

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