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CATS – The Original is back

„Let the memory live again!“ ist auf den Werbeplakaten in der Stadt zu lesen. „So magisch wie Cats ist kein anderes Musical der Welt“ – wirbt das Deutsche Theater. CATS – das Originalmusical ist zurück in München. Der Hype um das Kultmusical ist groß, es ist immerhin eins der erfolgreichsten Musicals aller Zeiten. 21 Jahre lang wurde Cats in London aufgeführt, Premiere feierte es 1981 – seit Mittwoch tanzen die Katzen auch wieder in München. Und ich war dabei.

Alles, was ich über das Musical vorher wusste: Es geht um Katzen und der berühmte Song „Memory“ stammt daraus. So viel mehr gibt es auch tatsächlich über das Musical gar nicht zu sagen. Und trotzdem: Langweilig war es nicht!

Vom Kinderbuch zum Welt-Erfolg

Angefangen hat alles mit einem Kinderbuch: „Old Possums Book of Practical Cats“ von T. S. Eliott. Der Komponist Andrew Lloyd Webber vertonte die Gedichte daraus und als er von der Witwe Eliotts noch mehr unveröffentlichte Texte erhielt, bekam er Lust auf ein Theaterstück. Gemeinsam mit dem Regisseur Trevor Nunn begann er eine Geschichte zu basteln.  Nunn, der auch bei der jetzigen Welttournee noch Regie führt, schrieb die ergänzenden Texte zu dem Song „Memory“, um der Kindergeschichte noch etwas mehr Dramatik zu verleihen. Ohne diese zusätzlichen emotionalen Momente wäre die Story nämlich tatsächlich etwas fad – denn das Kinderbuch handelt ursprünglich einfach nur von verschiedenen Charakter-Katzen.

cats musical (2)

Dicke Katzen, reiche Katzen, Zauber-Katzen

Einmal im Jahr treffen sich die Jellicle Cats zu einem Ball. Der Treffpunkt – ein Schrottplatz – ist erhellt vom Vollmond, der herumliegende Elektroschrott ist überdimensional. Nach und nach stellen sich unterschiedliche Katzen vor und erzählen ihre Geschichten. Mit dabei sind zum Beispiel The Old Gumble Cat, eine dicke Katzenlady, die einen Stepptanz hinlegt, oder der verführerische Rum Tum Tugger, der Sex, Drugs and Rock’n’Roll verkörpert. Aufwendige, farbenfrohe Kostüme, geschmeidige Bewegungen, akrobatische Tänze und immer die passende Musik machen die kurzen Szenen abwechslungsreich und unterhaltsam.

 

Inszenierung wow, Story mau

Durch die Fokussierung auf die Charaktere fehlt CATS im ersten Akt ein Spannungsbogen, erst im zweiten Akt überrascht die Handlung mit emotionalen und dramatischen Momenten. Den Höhepunkt bildet das Solo der ausgestoßenen Katze Grizabella mit dem bekanntesten Song: „Memory“. Happy End, Vorhang fällt.

Zufrieden verlassen die Zuschauer das Deutsche Theater – so richtig der Knaller war’s für mich aber nicht. Und trotzdem habe ich Respekt vor diesem Stück, wo alles so perfekt ineinander greift: die Texte, die Musik, die Choreographie, das Bühnenbild, die Kostüme, das Maskenbild. Für eine kurze Zeit taucht man ein in die Welt der Jellicle-Katzen.

Cats war und ist gerade für die damalige Zeit ein Meisterwerk und Vorbild für viele spätere Musicals. Einziger Nachteil in München: Die etwas eingestaubte englische Lyrik ist nicht so leicht zu verstehen – deutsche Zusammenfassungen werden deshalb am Rand eingeblendet und das Orchester ist leider auch nicht so groß besetzt wie im Londoner Original.


In aller Kürze:

Was? CATS 

Wo? Deutsches Theater,

Wann? 18.07.2017 – 06.08.2017

Wieviel? ab 29€


Fotos: © Alessandro Pinn

 

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