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Crowdfunding – was ist das eigentlich?

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Sabine Sikorski

Foodie. Liebt Essen. Hat eine große Leidenschaft für selbstgebackenes Brot und Brötchen.
Schreibt hier über alle möglichen Essensthemen: Von kulinarischen Events über Food-Startups bis hin zu dem ein oder anderen Rezept.
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Wir haben euch schon öfter was über Crowdfunding erzählt, euch erfolgreich finanzierte Konzepte wie „Ohne – der verpackungsfreie Supermarkt“ vorgestellt, sowie aktuell laufende Kampagnen wie „Turning Tables. Nachdem viele aber gar nicht wissen, was Crowdfunding eigentlich ist, haben wir eine Expertin gebeten, uns das mal näher zu erklären. Linette Heimrich ist Fachbetreuerin bei der IHK für alle Themen rund um die Crowd, berät dazu und kennt sich somit bestens aus.

Was ist Crowdfunding?

Beim Crowdfunding (zu dt. auch Schwarmfinanzierung) finanzieren viele Menschen mit kleinen Geldbeträgen gemeinsam ein Projekt über das Internet. Dabei kalkuliert der Projektstarter die Summe, die er zur Umsetzung benötigt, und stellt seine Kampagne auf einer Crowdfunding-Plattform der Crowd vor.
Um beim Crowdfunding erfolgreich zu sein, muss er innerhalb einer von ihm gesetzten Frist die benötigte Summe komplett einsammeln, sonst geht das Projekt leer aus. Man spricht beim Crowdfunding darum auch vom „Alles oder nichts“-Prinzip. So wird sichergestellt, dass das Projekt am Ende auch wirklich umgesetzt werden kann. Ist das Funding erfolgreich, erhalten die Unterstützer eine Gegenleistung, die ideeller, materieller oder finanzieller Art sein kann.
Die Ursprünge des Crowdfunding liegen im kreativen und kulturellen Bereich, wo Finanzierung seit jeher ein schwieriges Thema ist. Mittlerweile ist Crowdfunding aber in vielen Bereichen angekommen. So werden z.B. innovative Produkte, nachhaltige Geschäftsideen, Energie-Projekte oder sogar Immobilien über den Schwarm finanziert.

Warum sollte man Crowdfunding nutzen?

Über das Geld hinaus kann eine Crowdfunding-Kampagne auch als Marketing-Instrument sowie als Markttest für neue Produkte und Geschäftsideen dienen. Darum wird Crowdfunding bei Gründern, Start-ups und auch mittelständischen Unternehmen immer beliebter. Eine gute Kampagne schafft es, die Menschen für die eine Idee zu begeistern und mitzunehmen, sodass diese zu Unterstützern werden und wiederum ihr Netzwerk aktivieren. So kann ein großes Netz an Verbündeten entstehen, die nicht nur Geld geben, sondern auch wertvolles Feedback, Kontakte oder Know-How liefern und das Projekt weiter voranbringen. Diese nicht-monetären Beiträge sind oft viel wertvoller als das gesammelte Geld und machen Crowdfunding so attraktiv. Gleichzeitig steckt hinter einer Crowdfunding-Kampagne aber auch viel Zeit und Arbeit. Dessen muss man sich bewusst sein.

Linette Heimrich, IHK

Linette Heimrich, Expertin für Crowdfunding

 

Für wen eignet sich Crowdfunding?

Crowdfunding funktioniert am besten für Projekte, die leicht zu begreifen sind und am besten einen neuartigen und emotionalen Charakter haben. Wichtig ist auch der Zeitpunkt: Wer zu früh Geld von der Crowd einsammelt, riskiert, dass seine Unterstützer sehr lange auf die versprochenen Gegenleistungen warten müssen und ungeduldig werden. Damit verpufft auch der Marketing-Effekt. Daher sollte es zumindest schon ein ausgereiftes Konzept oder bei Produkten einen funktionierenden Prototypen geben.

Welche Arten des Crowdfunding gibt es?

Es gibt verschiedene Crowdfunding-Modelle, die sich nach der Art der Gegenleistung unterscheiden, die Unterstützer erhalten. Die verbreitetste Form ist das reward-based oder auch dankeschön-basierte Crowdfunding, bei dem die Crowd materielle oder ideelle Gegenleistungen erhalten (z.B. Merchandising-Produkte, eine handsignierte Postkarte oder eine Danksagung).
Beim equity-based Crowdfunding (Crowdinvesting) investiert man in Unternehmen und erhält im Gegenzug eine erfolgsabhängige finanzielle Rendite.
Donation-based Crowdfunding (Crowddonating) ist ohne Gegenleistung und damit dem Spendensammeln ähnlich.
Die vierte Form ist das lending-based Crowdfunding (Crowdlending). Hier vergibt die Crowd Kredite und bekommt dafür eine feste Rendite.

Welche davon eignet sich für welche Art von Projekt?

Das reward-based Modell eignet sich besonders, wenn ich mit der Crowdfunding-Kampagne meine Zielgruppe erreichen möchte, also wenn ich z.B. ein Konsumprodukt habe oder ein einmaliges Projekt, z.B. aus dem kulturellen Bereich. Unterstützer solcher Kampagnen sind meistens altruistisch oder hedonistisch motiviert.

Beim Crowdinvesting investiert die Crowd längerfristig in erfolgversprechende Geschäftsideen. Hier steht die finanzielle Rendite im Vordergrund. Darum eignet sich diese Form nur für (junge) Unternehmen mit einem skalierbaren Geschäftsmodell, das auch so stark wachsen kann, dass eine solche Rendite tatsächlich realistisch ist. Crowdinvesting ist außerdem rechtlich komplexer und bindet die Crowd langfristig ans Unternehmen. Damit sind auch Rechte und Pflichten verbunden.

Mucbook: Interview mit Linette Heimrich von der IHK zum Thema Crowdfunding

Erfolgreich über die Crowd finanziert: Der Foodtruck „Die Intolerante Isi“ aus München


Drei Tipps für eine erfolgreiche Kampagne?

Authentisch und ehrlich bleiben – Crowdfunding lebt vom Vertrauen, das die Unterstützer einem Projektstarter schenken. Wichtig ist, offen und ehrlich mit der Crowd zu sein. Nur so schafft man Verständnis, auch wenn mal nicht alles rund läuft. Kommunikation ist darum das A und O jeder Kampagne und auch darüber hinaus. Dazu gehört, mit dem eigenen Gesicht hinter dem Projekt zu stehen. Das schafft Vertrauen und macht es authentisch.

Früh genug eine Community aufbauen – am erfolgreichsten sind Crowdfunding-Kampagnen, die ihre Unterstützer nicht erst ins Boot holen, wenn sie Geld brauchen. Wer frühzeitig eine Community um sein Produkt, Unternehmen oder Projekt aufbaut und diese aktiv einbezieht, tut sich sehr viel leichter, diese auch für Crowdfunding zu aktivieren. Es gibt das Gefühl, gemeinsam eine Sache auf den Weg zu bringen. Vertrauen aufzubauen braucht Zeit und passiert nicht von heute auf morgen. Wer damit erst beginnt, wenn die Uhr tickt, tut sich schwer.

Einen Kampagnen-Plan erstellen – Gute Vorbereitung ist enorm wichtig. Dazu gehört auch ein Kampagnen-Plan, in dem ich festhalte, was die einzelnen Schritte und Maßnahmen sind und wer welche Aufgaben übernimmt. Alles was man vorbereiten kann, sollte man schon vor der Kampagne erledigen. Dazu gehört z.B. auch die Kontaktaufnahme mit Multiplikatoren, wie Journalisten oder Bloggern.

Tipps für die Auswahl der richtigen Plattform?

Mittlerweile gibt es viele verschiedene Plattformen, die sich auf spezielle Crowdfunding-Modelle oder auch thematisch spezialisiert haben. Als Projektstarter sollte man bei der Auswahl der Plattform darauf achten, ob das eigene Projekt ins Gesamtbild der Plattform passt, welche Ausrichtung und auch welche Reichweite die Plattform hat. Auch über die Services und die anfallenden Kosten sollte man sich vorher gut informieren, damit es nach dem Crowdfunding keine böse Überraschung gibt. Um ein gutes Gefühl für die Abwicklung zu bekommen, hilft es auch, selbst mal in die Rolle des Unterstützers zu schlüpfen.

 

Weitere Informationen zum Thema Crowdfunding findet ihr im Blog der IHK. Wer richtig Blut geleckt hat, kann sich ab April auch wieder zum Crowdfunding-Manager ausbilden lassen.


Fotocredit: IHK München / Goran Gajanin

 

1Comment
  • Thomas
    Posted at 11:29h, 08 März

    Ein sehr informativer Artikel zum Thema Crowdffunding. Crowdfunding ist und bleibt für viele eine tolle Finanzierungsalternative, um eigene Projekte auf die Beine zu stellen. Allerdings steckt hinter dem ganzen auch eine Menge Arbeit, die nicht unterschätzt werden sollte.

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