Kinogucken, Kultur

Der Wille kann auch Häuser bauen

623767_original_R_K_B_by_C. Sürgers_pixelio.de

Von Anja Döhring

Und wieder ein Abstecher zum Dok.fest: Dieser Film erzählt die beeindruckende Geschichte eines Mannes, den auch ein Tsunami nicht aus seiner Heimat „spülen“kann! Immer das Beste aus einer Situation zu machen bekommt hier eine ganz neue Bedeutung.

Der Film zeigt in beeindruckenden Bildern was bloßer Wille eines erfahrenen Bauerns und Schreiner bewirken kann. Naoshi, ein hagerer, 80-jähriger Mann in Japan, fasst nach der Tsunami Katstrophe den Plan, sein Haus wieder aufzubauen.

Er setzt sich über den Willen der Regierung hinweg, die ihn lieber in einem Hilfswerk wissen will. Und obwohl sein Haus und die Umgebung schlimm verwüstet sind, widmet sich der 80-jährige zusammen mit seiner treuen Frau und anderen Heimat liebenden Nachbarn dem kraftraubenden Wiederaufbau des Destricts hin.
Er ist der Leader, auf Grund seines starken Willens, seiner Vitalität und Erfahrung schließen sich bald 40 Leute ihm an. Nur seinen Sohn, dessen Leiche zehn Tage nach der Katastrophe gefunden wurde, und für dessen Einäscherung nicht eine einzige Urne zu kriegen ist, hat er unwiederbringlich verloren.
Doch bereits wenige Tage nach der Katastrophe beginnt Naoshi mit der Wiederraufbauphase, bestellt die Felder und fällt Bäume für ein neues Gebäude. Nach und nach gelingt es ihm auch mittels des ortsüblichen Kesen Tanabata Festival Leute hinter sich zu sammeln. Das unglaublich schöne Ritual beim Festival spendet neue Kraft und ein Gefühl des Zusammenhalts. Unter Tränen schwören sich die Männer das Ausmaß der Zerstörung in die Natürlichkeit ihres Gebiets zu verwandeln.
Leidend verlässt die Frau Naoshis ihren Ehemann, als das von den Fluten zerstörte Haus abgerissen wird. Der seitliche Unterschlupf ist nicht verlockend genug, als der Winter herein bricht. Nashi strotzt von nun an alleine in der Hütte aus Stroh und Alu der Kälte. Und gibt nicht auf. Selbst bei Minustemperaturen gibt er sich täglich seiner Arbeit hin, sammelt Feuer- und Bauholz. Die Häuserwände lassen sich vorab anfertigen. Gerade als der Zuschauer meint, um Naoshis körperliches Wohlbefinden stünde es nicht so gut, und das Mitleid ansteigt, taut der Boden und die ersten Pfähle werden gesetzt. In wenigen Tagen beginnt das Holzhaus an dem Platz, an dem Noashi geboren ist und sterben will Stockwerk für Stockwerk zu wachsen. Als Symbol streut er in Papier gewickelte Münzen aus, er sät die Samen für sein neues Heim. Seine Mithelfer bekommen eine kleine Auszahlung. Das Geld hat er sich mit Schreibarbeiten auf dem letzten Festival verdient. Die vielen Gebete und Opfergaben Noashis wurden von den Göttern erhört. Der Altar ist das erste seines geringen Hab und Guts, dass er von dem kleinen Hüttchen in sein neues Haus trägt. Dankbar für die Stärke und Kraft, die seine Eltern ihm mitgegeben haben hängt er die Portraits seiner Vorfahren auf. Mit dem einkehrenden Frühling schließt auch der Zuschauer Frieden mit dem zähen, alten Mann und seinem eisernen, unerschütterlichen Willen. Die Region beginnt von neuem zu blühen. Der Zuschauer wird ins Bild gezoomt und sitzt zum Abschluss bei einer heißen Tasse grünen Tee neben Noashi auf dem Ebenholzparket, während die Sonne durch die verglaste Fensterfront unsere Nasenspitzen kitzelt.

Foto: pixelio.de/ C. Sürgers

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