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Didgeridoo und geschlechtsverändernde Bäume: Das war der Hörgang 2016

Natalie Adel

Ist München-Liebhaberin, weil es sich hier so herrlich mit dem Rad durch die Stadt düsen lässt und fast nichts über einen Sommerabend an der Isar geht. Ansonsten Theaterfan und immer dabei, neue Dinge auszuprobieren.
Natalie Adel

Am Samstagabend hat sich das Westend von seiner besten Seite präsentiert. Beim diesjährigen Hörgang gab es wieder allerlei neue Lieblingsplätze und Geheimorte zu entdecken. Und natürlich auch: tolle Geschichten und spannende Autoren. Wer den Hörgang völlig verpasst hat, kann hier nochmal nachlesen, worum genau es bei dieser etwas anderen Lesung geht. MUCBOOK war für euch den ganzen Abend über dabei und wir haben ganz schön was erlebt:

Die erste Station auf unserem Hörgang war die St. Benedikt Kirche. Hier hat Wolfgang Görl zwei seiner Texte (erschienen in der SZ ) vorgelesen. Auf humorvolle Art und Weise lässt man sich von ihm gerne erklären, warum man sich in einem überfüllten Münchner Biergarten immer neben einen Dicken setzen sollte. Dicke können das Leben nun mal viel besser genießen als ein Victoria-Secret-Model. Und wer noch nicht mitbekommen hat, dass ein 5000 Jahre alter Baum in Schottland gerade dabei ist, sein Geschlecht umzuwandeln, weiß nun auch Bescheid.

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Kristin Ofer, die Chefredakterin von Mucbook entführt in die Welt von deutschfranzösischen Kleintierzüchtern und den Tücken einer Nachwuchsjournalisten-Karriere beim kleinstädtischen Tagblatt. Drama inklusive. Der Ort ihrer Lesung ist der Barbier-Salon Westflügel. Eine detailverliebte Einrichtung und der Charme des 50er Jahre Ambientes heben die Komik ihrer Erzählung um so mehr hervor. Die Gegensätzlichkeit der Geschichte und des Salons gehen eine Symbiose ein, die sich in ihrer Widersprüchlichkeit hervorragend ergänzt. Dazu noch lecker Bowle von den Gastgebern – perfekt!

 

 

Barbier Westflügel

Der Barbier Westflügel heißt auch Coiffeur, “sonst trauen sich die Fraun nicht rein”.

 

Ganz außergewöhnlich beginnt Daniel Oliver Bachmann seine Lesung. Er spielt auf einem Didgeridoo vor, dass in seiner Form an eine Schnecke erinnert. Neben dem Schreiben hat er eine große Passion für Instrumente, die ursprünglich zu Kommunikationszwecken erfunden worden sind. Der Autor ist ein ewig Reisender und hat schon viele Orte auf der ganzen Welt besucht. Das zeigt sich auch in seiner Literatur und so geht es also vom australischen Didgeridoo dann weiter nach Spanien, dem Handlungsort seiner Kurzgeschichte. Was beginnt, wie eine seichte Urlaubsromanze zwischen Strand-Hippie und Immobiliengeschäftsfrau, macht schnell eine unerwartete Kehrtwende und dreht diesem Genre gekonnt den Rücken zu. Hierfür hat die Schmuckwerkstatt Grassl ihr Werkzeug zusammengeräumt und ihre Türen geöffnet.

Wo wir unsere letzte Lesung anhören, war uns selbst lange nicht klar. Denn, Surprise: Sie fand an einem Überraschungsort statt. Eine Idee, die zum Konzept des Hörgangs super passt und für allerlei Spekulation im Vorfeld gesorgt hat. Wo könnte dieser Überraschungsort wohl sein? Um an diese streng geheime Info zu kommen, musste man eine Handynummer wählen und sich die Adresse durchgeben lassen. Gelandet sind wir dann in der Schwanthalerstraße, in einer noch nicht fertig gestellten Design- und Wohngalerie. Die düstere und abstrakte Kurzgeschichte von Bernhard Horwatitsch beschreibt einen Kongresses, in dem die Weltflucht angeklagt wird und passt zu diesem Raum, der sich gerade noch in seiner Renovierungsphase befindet.

Anschließend ging es weiter zur Afterparty in der Alten Kongresshalle. Bis tatsächlich etwas Stimmung aufkam, dauerte es eine Weile. Um so besser wurde es danach und der wunderbare Hörgang wurde durch eine schöne Feier abgerundet. Nächstes Jahr wieder!

 

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