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Dieser Umweltaktivist will Münchens Straßen von Zigarettenstummeln befreien

Alexander Hauk

Seine Erfahrungen sammelte der Berufsjournalist deutschlandweit bei mehreren Zeitungen, Radiosendern und bei der Deutschen Presseagentur (dpa). Grundlage für die erfolgreiche Selbstsändigkeit ist ein abgeschlossenes Volontariat bei dem privaten Lokalsender Radio Ostallgäu und ein Politikstudium in München (Dipl.sc.pol.Univ.). Mitglied im Bundesverband deutscher Pressesprecher (BdP) Mitglied im Bayerischen Journalisten-Verband (BJV), Altstipendiat des Förderungswerks der Hanns-Seidel-Stiftung e.V. und Mitglied im Club der Altstipendiaten.
Alexander Hauk

München hat ein Zigarettenkippen-Problem. Genauer gesagt mit unachtsam weggeschnippten Zigarettenstummel. Überall sind sie zu sehen, auf den Gehwegen entlang der Maximilianstraße, im Englischen Garten, vor Kneipen und an den Ufern der Isar. Erst kürzlich fanden Helfer bei einer Aufräumaktion innerhalb von einer Stunde nahe der Reichenbachbrücke rund 3.500 Stummel.

Die gute Nachricht: Zigarettenkippen können jetzt recycelt werden. Mario Merella hat den Verein Tobacycle gegründet und sagt den Zigarettenstummeln den Kampf an. Mit einer Vielzahl von Helfern sammelt und recycelt er bundesweit die Raucherhinterlassenschaften.

„Dass die hässlichen Stummel hochgiftig und für die Umwelt extrem schädlicher Sondermüll sind, ist den meisten Menschen gar nicht bewusst“, sagt der Kölner. Eine Zigarettenkippe enthält mehrere tausend schädliche Stoffe, darunter Arsen, Schwermetalle wie Cadmium, Blei und natürlich Nikotin. Das Problem: Bei Regen sickern diese gefährlichen Stoffe in den Erdboden oder ins Grundwasser. Schon eine einzige Zigarettenkippe kann mehrere Dutzend Liter Wasser verseuchen.

Eine weltweite Umweltplage

Mit dem Kippen-Problem steht München nicht allein da. Weltweit sind Zigarettenstummel der am häufigsten unachtsam weggeworfene Müll. Jedes dritte Stück Plastik in den Ozeanen ist ein Zigarettenfilter und in Städten machen Zigarettenkippen laut einer Studie der Weltgesundheitsorganisation 30 bis 40 Prozent des aufgesammelten Abfalls aus. „Ich will, dass künftig keine Zigarettenkippe mehr in der Umwelt landet“, sagt Merella. Das gesteckte Ziel ist hoch, denn Experten gehen davon aus, dass weltweit jede Sekunde mehr als 130.000 Zigarettenkippen in der Natur landen. Für seinen Kampf gegen die giftigen Kippen baut Merella ständig sein Netzwerk aus.

Rund 5 Tonnen Kippen wurden bereits gesammelt

Inzwischen machen bundesweit mehrere hundert Unternehmen und Privatpersonen beim Sammelsystem von Tobacycle mit. Bisher hat das Tobacycle-Team rund 5 Tonnen Zigarettenkippen gesammelt. „Alle Zigarettenstummel werden restlos verwertet, inklusive Asche und Giftstoffen. Die gesammelten Zigarettenkippen werden zu einem spritzfähigen Granulat recycelt, aus dem luftdicht verschließbare Behälter für das Tobacylce-Sammelsystem hergestellt werden“, erklärt Merella.

Bis zur stofflichen Verwertung der Kippen sei es ein langer Weg gewesen, sagt Merella: „Für die ersten Versuche habe ich alle möglichen Geräte verwendet, darunter Mikrowelle, Kaffeemühle und sogar ein Ultraschallbad für Brillen.“ Schnell war klar, dass es so nicht funktioniert. Aber inzwischen kann der Tüftler auf Kooperationen mit Unternehmen aus der Kunststoff- und Metallbranche bauen. Auch mit Zigarettenunternehmen ist Merella im Gespräch.

Immer mehr Städte verhängen Bußgelder. Mit seinem Sammelsystem hat Merella frühzeitig einen Trend erkannt. Das Wegwerfen von Zigarettenkippen stellt, wie auch bei anderen Abfällen eine Ordnungswidrigkeit dar. Und immer mehr Städte verhängen ein Bußgeld gegen Raucher, der ihre Kippe in die Umwelt schnippen. Das liegt in Deutschland, abhängig vom Ort, zwischen 10 Euro in Dresden und 55 Euro in München. Zum Vergleich: In der Schweiz müssen Umweltfrevler deutlich tiefer in die Tasche greife, in Basel kostet eine auf den Boden geworfene Zigarette 80 Franken. Sicher ist, dass die Arbeit den Kippensammlern so schnell nicht ausgehen wird.

Allein in Deutschland landen nach einer Berechnung der Hamburger Stadtreinigung täglich 140 Millionen Kippen auf Wegen, Plätzen und Straßen. Die Initiative „Die Aufheber“ fordert nun sogar Pfand auf Zigaretten und hat dazu eine Petition gestartet. Vorerst werden Städte und Kommunen weiter unter der Belastung durch die hochgiftigen Kippen leiden.


Fotos und Text: © Alexander Hauk

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