Gute Sache, Was machen wir heute?

Es lernt sich auch anders – Eine Woche freie Bildung

Lena von Holt

studiert Germanistik und Philosophie an der LMU in München, Nordlicht, an Musik, Theater und Literatur interessiert
Lena von Holt

“Education is the most powerful weapon which you can use to change the world.” (Nelson Mandela) – Bildung gilt nicht umsonst als Schlüssel zu Wohlstand, Integration und Frieden. Umso wichtiger ist es daher – selbst wenn wir uns in einem Land befinden, in dem uns Bildung scheinbar auf dem Silbertablett serviert wird – uns zu fragen, unter welchen Verhältnissen wir lernen wollen.

Von Montag, den 15. bis Sonntag, den 21. Juni schlägt das Bildungscamp vor der LMU seine Zelte auf. Eine Woche lang soll hier das Ideal freier Bildung beispielhaft gelebt werden. Doch nicht nur Bildungspolitik steht auf dem Lehrplan – ein reichhaltiges Programm an Musik, Diskussionen, Vorträgen und Workshops wird geboten.

Highlight ist definitiv die Alternative Careernight am 18. Juni, die sich dem Motto „Mach was du willst! Und nicht, was der Markt von dir erwartet.“ zuschreibt. Zahlreiche Aktionen von Siebdruck bis hin zu (Lach-)Yoga und einer Fahrradwerkstatt laden zum Mitmachen ein. Jeden Tag um 17.30 Uhr locken Podiumsdiskussionen mit hochaktuellen Themen wie „Wie rechts ist die Mitte?“, „Von Humboldt bis zur freien demokratischen Schule… Bildungsideale auf dem Prüfstand“, „Russland – Unser Feind?!“, „Lebenslanges Lernen – Menschenrecht oder neoliberales Dogma?“ und „Zukunft gestalten: In welcher Welt wollen wir leben?“.

Wer sich zwischendurch berieseln lassen möchte, kann Musik von King Pigeon, Lake Felix und A Lazy Cat oder einer der vielen Lesungen lauschen. Hier findet ihr das vollständige Programm mit weiteren Informationen.

Bildungscamp_1

Von Grünen Bomben
Bereits zum fünften Mal organisiert der Verein Bildungsfreiräume e.V. das Camp, um gemeinsam an einem gerechten Bildungssystem zu arbeiten, das jedem Raum bietet, um sich einzubringen und zu entfalten.

„Das Camp entsprang der Besetzung der Universitäten in 2009“, erzählt mir Aleks, die das Camp dieses Jahr gemeinsam mit vielen Freiwilligen organisiert. Die Studenten wollten damals ein Zeichen setzen – gegen die Bologna-Reform und die damit einhergehende Verschulung des Studiums und gegen die Studiengebühren. Nach der Räumung bot das provisorisch vor der Uni errichtete Protestcamp weiterhin einen Ort, um sich zu versammeln und gemeinsam zu diskutieren. Idee der Studenten war es, die Bildung aus den ohnehin zu festgefahrenen Institutionen heraus zunehmen und unabhängig von Schulen, Ausbildungsbetrieben und Unis selbst zu gestalten.

Überall steht unser Bildungssystem zurzeit in der Kritik. Doch was lässt sich dem ständig umstrittenen G8 und der Bologna-Reform noch angreifen? Aleks kritisiert die Situation an den Universitäten, die sich seit der Besetzung vor sechs Jahren eher verschlechtert habe. Vor allem stellt sie die zweckgebundene Forschung an den Unis in Frage. „Stichwort: Grüne Bombe.“ Was das sei, wollte ich wissen und gehöre mit meinem spärlichen Wissen wohl zur Mehrheit der Studenten, die keine Ahnung davon haben, dass die Chemiefakultät der LMU drittmittelfinanzierte Rüstungsforschung betreibt und somit zu „Handlangern umstrittener militärischer Eingriffe“ wird. Grün heißt das Ganze, weil sie im Vergleich zu herkömmlichen Munitionen sauberer und ökologischer sein soll. Natürlich ist der Sprengstoff damit ebenso tödlich für den Feind wie jeder andere, verspricht jedoch weniger schädlich für die eigenen Truppen und die Zivilbevölkerung zu sein. Eine wertneutrale Bildung steht auf dem Spiel, wenn Unternehmen wie Siemens, die Bundeswehr oder im Fall der Grünen Bombe sogar das Pentagon für universitäre Forschung bezahlt und die Universitäten an Unabhängigkeit verlieren. Mehr zur Grünen Bombe und zum Verhältnis von Wissenschaft und Verantwortung erfahrt ihr am Mittwoch, den 17. Juni um 15.30 Uhr auf dem Bildungscamp.

Bildungscamp 3

Der Ruf nach Demokratie wird lauter
Nicht umsonst kommt den Universitäten der Ruf eines starren und hierarchisch organisierten Systems zu. Noch immer hätten Studenten und Verwaltungsangestellte im Vergleich zu Professoren kaum Einfluss auf wichtige Entscheidungen. Darum fordern die Köpfe hinter dem Protestcamp mehr Demokratie im Unibetrieb.

Wirft man einen Blick zu unseren Nachbarn in die Niederlande, sieht man genau das, was auch bald auf uns zukommen könnte. Reformen in der Hochschullandschaft setzen hier schon lange auf Effizienzsteigerung und Kosteneinsparung. Anfang des Jahres besetzen Studenten Gebäude der Universität von Amsterdam, weil diese die geisteswissenschaftliche Fakultät verkaufen wollte. Auch hier war der Ruf nach mehr Demokratie groß.

„Viele wissen gar nicht, dass sie rechtelos sind“, sagt Aleks. In anderen Bundesländern sieht es anders aus: 1974 wurde die Verfasste Studierendenschaft von Franz Josef Strauß abgeschafft, um „den linken Sumpf an den Universitäten trocken zu legen“. Somit sind die Gremien der bayrischen Universitäten deutschlandweit die einzigen, die nicht als öffentlich-rechtliche Teilkörperschaft gelten und daher deutlich weniger Kompetenzen besitzen. Ohne diese Rechte ist es der Studentenvertretung nicht möglich, ihren Aufgaben gerecht zu werden. Sie können nicht frei darüber entscheiden, wie sie ihre Mittel verwenden, um dass studentische Leben attraktiver zu gestalten. Eine Studentische Vertretung lässt sich als Gewerkschaft aller Studierenden verstehen – sie könnte sich beispielsweise für ihre Kommilitonen einsetzen, indem sie Kredite vergibt oder Projekte finanziert. Dass Bayern keine unabhängige Studentenvertretung besitzt, zeigt einmal mehr, dass sich etwas ändern muss.

Was? Bildungscamp
Wann? Montag, 15. Juni bis Sonntag, 21. Juni
Wo? Geschwister-Scholl-Platz und Professor-Huber-Platz
Wie viel? Alle Veranstaltungen sind kostenlos

Mehr Infos auf www.bildungscamp.org oder bei Facebook

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