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Für den Setzkasten

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mucbook hat sich vor einigen Tagen mit „United“, dem neuen Album der Münchner Band Dobré befasst und darüber berichtet. Doch auch Martin Lorenz hat sich die 11 neuen Songs angehört und möchte im folgenden Beitrag einige Worte darüber verlieren…

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Dobré
“United”
(Millaphon)

Schnell noch einmal das letzte Album der Münchner Dobré Revue passieren lassen – ein kräftiger Schluck aus der Pulle damals, zwischen “von” und “bis” war ganz viel Platz und dafür, dass die Jungs mit Folk, Blues, Rock und Pop wirklich nichts ausgelassen haben, konnte man mit dem Ergebnis mehr als zufrieden sein. Zusammengehalten wurden die Stücke zweifellos vom bestechenden Songwriting des Sängers, Komponisten und Bandleaders Johannes “Joe” Dobroschke und glücklicherweise hat sich daran bei “United” nichts geändert. Auch wenn man liest, dass Dobroschke mittlerweile in London lebt und sich die Koordination gemeinsamer Aktivitäten somit um einiges schwieriger gestalten dürfte – Dobré beschwören mit dem Titel den Zusammenhalt und klingen tatsächlich (und zwar mehr als zuvor) wie eine gut funktionierende Einheit.

Natürlich lassen sich auch beim aktuellen Album allerlei Refrenzen erkennen, nur sind eben die Bezugspunkte enger zueinander gerückt, die Band klingt kompakter, der Sound zielgerichteter, ausgewogener. Wer möchte, darf hier The Shins oder Death Cab For Cutie wiedererkennen, musikalische Kunsthandwerker, denen zu früheren Zeiten ein paar Songs gelungen sind, die man heute noch, liebevoll in einer Art imaginärem Setzkasten abgelegt, im Kopf spazieren führt. Das sollte Dobré gleich mit mehreren Stücken gelingen – “Number In The Back”, “An English Summer” und “Flesh” sind so lässig wie perfekt ausbalanciert, es fehlt nicht an den nötigen Harmonien und auch die sorgsam dosierte Melancholie, die Dobroschke seinen Liedern nur zu gern mitgibt, gehört hier mit dazu.

Andere Stücke des Albums leuchten vielleicht nicht ganz so hell, an Qualität mangelt es ihnen trotzdem nicht: “Going Under” und “Low Battery” vertonen seltsam gut gelaunt die Identitätskrise einer ganzen Generation, “Time” zerrt mit ein paar Progrock-Reminiszenzen am Nervenkostüm des Protagonisten und wenn sich der ganze Rummel gelegt hat, setzt man sich, die Kaffeetasse in der Hand, zusammen mit Badly Drawn Boy zu Dobroschke auf die Fensterbank, pfeift den “Doo Dub” und hängt seinen Gedanken nach. Möglich, dass einem dann die Erkenntnis kommt, dass zwar vieles da draußen befremdlich, ärgerlich oder sogar beängstigend erscheinen mag – solange man jedoch ein paar von diesen wunderbaren Melodien zur Hand hat, läßt sich auch das ertragen. Für kurze Zeit. http://www.do-the-dobre.de/

Am Donnerstag, den 31. Oktober spielen Dobré im Milla.

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