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Glücksmomente im Nachtgetrödel

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17.15 Uhr. Trotz starken Regens ist die lange Schlange der Menschen, die sich glücklich trödeln wollen, schon von weitem zu sehen. Vor der Tonhalle in der Kultfabrik stehen sie an, Besucher allen Alters, mit allen möglichen Wünschen. In der Hoffnung, hier etwas zu finden, was man sonst selten findet. Wie zum Beispiel Nadja und Peter, auf der Suche nach einem gut erhaltenen Zylinder. Nachdem der Eingang passiert ist und drei Euro gezahlt sind, kann es losgehen.

Vor einem liegen, in schummrigem Dämmerlicht gehalten, 1400 Quadratmeter Nachtflohmarkt. Der Geruch von Räucherstäbchen, die an einem der über 130 Stände verkauft werden, schlägt einem entgegen. Die meisten Besucher haben übers Internet hergefunden, aber auch Flyer und Plakate haben ihre Wirkung nicht verfehlt. In den Gängen herrscht reges Treiben, oft ist es schwierig, weiterzukommen. Das macht aber gar nichts, gibt es doch einiges zu sehen. Vom Arabischen Kopfschmuck bis zum Flokatiteppich, Porzellan, DVDs, Taschen, Kleidung – Vintage, wohin man auch blickt.

„Verkauft wird hier so ziemlich alles“, sagt Veranstalter Stefan Schmidl. „Nur keine Neuware, Lebensmittel und natürlich keine verbotenen Dinge, wie zu Bespiel Waffen. Am besten gehen Klamotten und Artikel aus den 70er Jahren. Aber auch Schmuck wird gerne gekauft.“ Ja, Schmuck gibt es viel. Vor allem indischen mit vielen bunten Edelsteinen. Daneben sitzen dicke Buddhafiguren und andere Glücksbringer. Auch zwei Lampions aus Vietnam können erstanden werden. Die Verkäuferin hat sie selbst erst letztes Jahr auf dem Tollwood-Festival gekauft. Jetzt ist sie umgezogen und hat keinen Platz mehr. So lassen sich Schnäppchen ergattern.

Weiter geht’s. Neben einem fast fünfzig Jahre altem Micky-Maus Heft liegt doch tatsächlich ein Playboy Heft aus dem Jahr 1974. „Das ist von unserem Opa, der wäre jetzt 86 Jahre alt“, erzählen Silvia und ihre Tochter Evelyn lachend. „Wir haben es bei der Wohnungsauflösung gefunden. Im Schrank neben dem Ehebett hatte er unter seinen Schlafanzügen eine Schachtel mit Playboy Heften versteckt“.

Auch fürs kulinarische ist hier gesorgt. Die Treppe hoch, auf der Galerie befindet sich ein Stand an dem man sich gegen Hunger und Durst wappnen kann. Daneben stehen Bierbänke und Tische, die zu einer kleinen Pause auffordern.Hier soll auch gleich die Band Young Chinese Dogs auftreten. Leider scheinen die drei Bandmitglieder ein kleines Problem mit dem Aufbau zu haben. Nach einiger Verzögerung klappt es doch, und die Halle wird mit zur Atmosphäre passendem Indie-Folk-Pop beschallt.

Gegen 23.00 Uhr wird dann alles was nicht verkauft wurde wieder eingepackt. Alles scheint glücklich, die letzten Käufer ziehen mit ihren Schätzen davon. Vielleicht haben ja auch Nadja und Peter ihren Zylinder gefunden…

Anmerkung:
Da der Nachtflohmarkt, der sich erst 2010 unter dem Motto „Trödel Dich glücklich“ in der Kultfabrik etabliert hat, immer beliebter wird, findet der nächste bald wieder statt. Am 4.Juni ist es soweit, geplant sind weitere im Abstand von jeweils vier Wochen. Verkäufer zahlen eine Gebühr von 9 Euro
pro Quadratmeter, müssen sich aber vorher anmelden. Für diejenigen, die sich kurzfristig zum Verkauf entscheiden, gibt es eine Warteliste. Mit etwas Glück klappt das dann auch.

Foto: „Leonie Zebe“ / www.jugendfotos.de, CC-Lizenz(by-nd)

Tanja Ahrend

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