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Home Stories aus München: Ein Blick hinter die Kulissen bei FRECK

Anna-Elena Knerich

ist francophil und Europtimistin. Denkt (zu) viel und schreibt deshalb. Am liebsten über Kultur, die Helden des Alltags und das Thema mit dem "Zuhause".
Anna-Elena Knerich

Interessen, Freundeskreis, Wohnung, Arbeit und Sinn für Ästhetik – Laura Fries und Carolin Schreck verbindet viel. Sogar ihre Nachnamen haben sie zusammengezogen: FRECK, so nennen sich die beiden Kostümbildnerinnen. Ihr Beruf spielt sich hinter den Kulissen ab – doch heute bin ich es, die einen Blick hinter die Kulissen ihrer schönen Altbauwohnung in Haidhausen werfen darf.

Schon beim Betreten der Wohnung spürt man die Harmonie, die zwischen Laura und Caro herrscht.
Ihre Zimmertüren sind eigentlich immer offen, sagen sie.

Nicht gesucht und doch gefunden

Wir sitzen auf dem Balkon mit Blick auf ihren Garten, trinken Pfirsichtee und die beiden erzählen mir, wie sie sich vor knapp sechs Jahren kennenlernten: Als Praktikantinnen der Stylistin Petra Seibold arbeiteten sie zusammen am Set der Ki.Ka-Serie „Fluch des Falken“, wo sie auch nach dem Praktikum noch mehrere Monate blieben.

„Durch diese intensive Arbeit lernt man sich sehr gut kennen“, sagt Laura. Auch privat verbrachten die beiden viel Zeit miteinander – und fassten schon nach kurzer Zeit den Beschluss, zusammenzuziehen.

Work space – life space

Fünf Jahre leben sie nun schon zusammen in dieser Dreizimmerwohnung – bis vor Kurzem arbeiteten und verstauten sie hier auch sämtliche Kostüme und Utensilien in Lastenregalen, die sich bis zur Decke stapelten. Mittlerweile haben sie ein Büro mit großem Fundus in der Tumblingerstraße – doch daran müssen sie sich erst noch gewöhnen: „Es ist schon ein verrücktes Gefühl, jetzt auch noch gemeinsam ,zur Arbeit‘ zu fahren“, meint Laura.

Diese Wohnung hier im Münchner Osten ist ihr Zuhause, da sind sich Caro und Laura einig. Sie sind beruflich viel unterwegs und es ist schön, immer wieder zu einem „Daheim“ zurückzukehren. Auch im Viertel fühlen sie sich wohl: Mittags essen sie oft die hausgemachte Pasta beim Sizilianer in der Balanstraße, abends gehen sie gern mal in die Polka-Bar am Pariser Platz und gleich um die Ecke ist ein Spielplatz mit Tischtennisplatten.

Dahoam is Dahoam.

Laura ist Münchnerin, aufgewachsen in Thalkirchen und am Harras. Schon während der Schule hat sie als Zusatzgarderobiere bei „Dahoam is dahoam“ gejobbt, wo die Mutter ihres Ex-Freundes Kostümbildner-Assistentin war. Diesen Beruf auch zu ergreifen habe sie aber nie richtig anvisiert, erzählt die 26-Jährige.

Eigentlich wollte sie nach dem Abitur sofort weg aus München – doch dann lernte sie Caro kennen und begann außerdem, in München Fotodesign zu studieren. „Bei den Fotoprojekten von den Leuten aus der Hochschule konnten Caro und ich uns kostümbildnerisch ausprobieren“, sagt Laura.

Dadurch ergab sich ein Projekt nach dem anderen, nebenbei jobbte Laura noch als Assistentin bei drei Stylistinnen – und die Uni musste erstmal warten: „Gerade bin ich im elften Semester, aber am Ende dieses Jahres habe ich endlich meinen Bachelor!“

Kreative Flunkerei

Caro kommt aus Heilbronn. Es war immer eine Nähmaschine im Haus und Caro machte Kleider für ihre Barbies – ihre Eltern haben ihre Kreativität schon immer gefördert. „Dabei basiert mein künstlerisches Talent auf einer Lüge“, verrät sie. Sie habe am ersten Tag im Kindergarten einen perfekt gebastelten Raben mit nach Hause gebracht, den ihre Eltern stolz in ihr Kinderalbum klebten – dass sie das Kunstwerk aber nur gefunden hatte, habe sie sich erst mit 17 getraut zu beichten.

„Irgendwie steckengeblieben“

Nach ihrem Abschluss an der Akademie für Kommunikation in Heilbronn wollte Caro 2010 eigentlich ein Designpraktikum in Hamburg oder Berlin machen – doch es verschlug sie nach München, wo sie vorher noch nie gewesen war. „Irgendwie bin ich dann hier stecken geblieben“, sagt Caro, die heute 27 ist.

Laura Fries (26) kommt aus München.

Nicht zuletzt, um die Miete für die Haidhausener Wohnung bezahlen zu können, hatte Caro zunächst zwei Jahre festangestellt bei einer Sat.1-Fernsehserie gearbeitet und nebenher Laura bei allen Projekten geholfen – nach Feierabend, an den Wochenenden oder ihren Urlaubstagen.

Caro Schreck (27) kam 2010 das erste Mal nach München – und blieb.

FRECK: Die Anfänge

Ihren ersten großen Auftrag hatten Laura und Caro 2013. Weil am Set des Musikvideos „The next ones to come“ von Claire kurzfristig die Kostümbildnerin abgesprungen war, empfahl Petra Seibold ihre ehemaligen Praktikantinnen. Die beiden sagten zu und stellten in Windeseile die Kostüme für die Königin und die Kämpfer in dem Video zusammen.

Dort arbeiteten sie zum ersten Mal mit der Produktionsfirma okifilms und dem Regieduo KRONCK zusammen, mit denen sie noch weitere gemeinsame Projekte machten und mittlerweile auch gut befreundet sind. „Über Empfehlung bekamen wir dann immer größere Aufträge“, erzählt Laura. Sie war bald auf Produktionsreisen in Barcelona, Kapstadt und Gran Canaria – wegen Caros Festanstellung leider ohne sie.

Irgendwann hatten sie so viele Aufträge, dass Caro ihren festen Job kündigte: „Da haben wir beschlossen, als Kostümbildner-Duo alles zusammen zu machen.“ Was von Anfang an gut funktionierte, weil es zwischen ihnen keine Hierarchien gebe, sagt Laura. Vielmehr kämen sie durch den Austausch auf tollere Ergebnisse und Ideen als allein. Caro lächelt sie an: „Das hast Du schön gesagt.“

Letztes Jahr haben sie offiziell die GbR FRECK gegründet und schreiben seitdem gemeinsame Rechnungen. „Jetzt teilen wir die Kohle, aber haben auch einen deutlichen Mehrwert. Und vor allem mehr Spaß“, sagt Caro. 

Goldene Zeiten

Helles Sonnenlicht fällt durch die alten Fenster in ihre Zimmer, die in ähnlichem Stil eingerichtet sind. Es stapeln sich Zeitschriften und Bücher, und ihre Kleiderstangen sind bei beiden nach Farben sortiert. Anders als im Flur, wo sie kürzlich eine ehemals goldene Wand dunkelblau gestrichen haben („Die goldene Zeit ist vorbei“, kommentiert Caro schmunzelnd), habe sich in ihren Zimmern seit dem Einzug nicht viel geändert, erzählen sie mir. Sie seien da eigentlich ohnehin „nur zum Schlafen drin“.

Die Schuh-Kisten in Caros Zimmer hatte sie schon als Teenager, die Lampe auf dem Baumstumpf ist ein Geschenk von ihrem Bruder. „Die finde ich aber eigentlich schrecklich“, gesteht sie.

LK

Ab und zu klebt Laura noch eine weitere Postkarte ihrer Freundin Anna aus Bern an die Wand oder entwickelt Fotos. Caro kauft dafür immer mal wieder neue Schallplatten: Ihre „heiligste und teuerste Platte“ ist ein Album von C.W. Stoneking, an dem der Jazzmusiker sechs Jahre lang produzierte. „Ich kaufe Platten meistens nur, weil mir das Cover gefällt“, erzählt Laura und lacht.

Geliebte Großväter

Caros Plattenspieler steht auf einem Sideboard, an dem sie sehr hängt: „Mein Bruder und ich waren früher sehr oft bei unseren Großeltern. Als sie ins Altenheim kamen, habe ich diese Kommode übernommen.“

Der Baumstumpf an ihrem Bett stammt ebenfalls von ihrem Opa – er hatte den Baum als Kind gepflanzt, und als der dann vor einigen Jahren gefällt werden musste, rettete Caro zumindest einen Teil des Stamms.

Das durchsichtige Radio auf dem Küchenschrank hingegen hat Lauras Großvater gebastelt, ein Tüftler und ein Eishockey-Spieler: In Lauras Zimmer steht ein gerahmtes Foto, das ihren Opa in jungen Jahren beim Eishockeyspielen zeigt.

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Zusammengewürfelter Einklang

Die Küche war schon drin, die restlichen Möbel haben sie aus ihren alten Wohnungen oder vom Flohmarkt zusammengewürfelt – dennoch passt alles irgendwie zusammen. „Vieles ist auch Verwandtenkram“, erzählt Laura. Der Küchenschrank stammt von ihrer Urgroßmutter, der Tisch von ihrem Vater und die Window-Color-Kunstwerke sind seit ihrer Kindheit kleben geblieben.

Das Bild über dem Küchentisch ist ein Relikt von Lauras Facharbeit.

Caro wünscht sich gerne praktische Küchengeräte wie ihre Kaffeemaschine: „Wir sind jetzt so richtig erwachsen, mit Entsafter und Messerblock“, sagen sie und lachen. Über den hübschen türkischen Mokkatässchen steht ein Bambus-Dampfkorb für Dim Sum. „Den haben wir aber bisher nur verwendet, um Stoff zu blessieren“, verrät Caro.

Kurz und heftig

Wenn sie so viel Zeit miteinander verbringen, gehen sie sich doch sicher auch irgendwann auf die Nerven, sage ich. Die beiden lachen, die Antwort kommt prompt: „Klar!“ Meistens sei es irgendwas Banales, etwa wer Klopapier hätte kaufen sollen oder eine Marotte der anderen. „Wir streiten uns aber echt selten, und wenn dann kurz und heftig“, meint Laura. Wenn sie mal Abstand brauchen, verlassen sie die Wohnung eben mal.

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…und die Männer?

Praktischerweise wohnt Lauras Freund nur zwei Straßen von der FRECK’schen Wohnung entfernt. Ich will wissen, wie der mit der engen Bindung zwischen Caro und Laura zurecht kommt. „Er kennt uns nur so – außerdem lebt er selbst in ähnlichen Wohnverhältnissen“, antwortet Laura. Sie würde vielleicht doch gern eine Zeit lang im Ausland oder zumindest in einer anderen Stadt leben, „am liebsten am Meer“.

Caro hingegen führt eine Fernbeziehung nach Prag, dementsprechend oft ist sie unterwegs. Sie könnte sich schon vorstellen, mit ihrem Freund Nicolas zusammenzuziehen, fügt aber hinzu: „Nur hier in unserem Haus!“

Den „Wander-Polkan“ bekommt der Gewinner ihrer abendlichen UNO-Sessions.

Das Schönste

„Nach und nach haben wir uns gute Freunde in das Haus geholt“, erzählt Caro, mittlerweile leben hier vier WGs. Im Sommer hängen sie jeden Sonntag zusammen im Garten ab, machen Weißwurstfrühstück oder spielen Federball. „Das Schönste an unserem Zuhause ist auf jeden Fall die wunderbare Hausgemeinschaft“, sagt Laura. Auch da sind sich beide einig.

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Der Besuch bei den FRECK-Mädels war ein spannender Einblick in das Leben der beiden Freundinnen, die als Mitbewohnerinnen ebenso gut harmonieren wie in ihrem Beruf.

Vielen Dank, liebe Laura und Caro, dass Ihr mir diesen Einblick gewährt habt!


Photocredits: © Sebastian Gabriel

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