Rathausschau, Stadt

In die Enge getrieben: Wie es mit den Radeltaxis weitergeht

Letzte Artikel von Justine Strube (Alle anzeigen)

Na, wo sind denn alle hin? Ohne sie wirkt der Marienplatz beinahe leer, so, wie eine Piazza Bra ohne Gladiatoren: Münchens Rikschas sind fort und sogar die japanische Touristin neben mir schaut so, als nehme sie einem die fehlende Attraktion ziemlich übel.


Ob das nun daran liegt, dass sie in dem Verbot ein wesentliches Stück Heimat von weltlichen Plätzen verbannt sieht (das zweirädrige Transportgefährt hat schließlich genau von dort aus die Europäische Invasion gestartet) oder ob sie wegen des geraubten „Knips-objekts“ beleidigt ist, das weiß nur der liebe Gott.

Oder die NSA. Vielleicht kann die uns ja auch die Frage beantworten, warum dieses Verbot so plötzlich kam. Die Allgemeinverfügung des KVRs vom 01.08., die den Rikschas einen neuen, Nadelöhr gleichen Standplatz entlang des Hugendubels zuwies, kam für die Radler nämlich so unerwartet wie ein Kunden-Freier Abend an der Tollwood-Strecke.

Klar, die Radeltaxis standen auf dem Platz vor dem Rathaus wirklich nicht immer in Reih und Glied, doch hätte man nicht eine Vorwarnung geben, nicht bei einem Bierchen ins Gespräch kommen können? Denn spätestens nach diesem „dezenten“ Hinweis des KVRs, konnte man doch sehen, dass es klappt: Die Rikschas waren ordentlich aufgestellt, Sanitäter und Polizeikräfte konnten problemlos jeden Pflasterstein des Marienplatzes erreichen.

Und trotzdem: Seit dem 10.08. sind Gefährte samt Fahrer nun auf den neu zugewiesenen Standplatz verbannt, der ihrer Meinung nach höchstens als Nachrückzone dienen kann. Sogar Polizeikräfte und Busfahrer schauen ungläubig auf das nun noch größere Gewimmel am Rindermarkt und können bei dem vielen Manövrieren und dem wenigen Platz manchmal schon ganz schön ungeduldig werden.

Ist das besser so, KVR

Doch verärgert sind vor allem sie: Münchens RikschafahrerInnen.

Zum einen, weil sie glauben, um ihre Kundschaft bangen zu müssen. Das kann durchaus sein, denn kurzsichtige Touristen soll es ja überall geben und spätestens im Oktober oder November werden die in der schattigen Flucht am Hugendubel wartenden Fahrradtaxis vielleicht wirklich etwas vom (Augen-) Licht ausgeschlossen sein.
Zum anderen kritisieren unsere Berufsradler, dass die neue, unübersichtliche Wartestelle nicht nur Kunden beim Ein- und Aussteigen gefährde, sondern auch weiteres Konfliktpotenzial trage.

„Verkehrlich zu gefährlich“ lautet hier das Schlagwort und deswegen haben die Verbannten, anführt von Dominic Staat- Leiter der Firma „Pedalhelden“- prompt zum Gegenvorschlag ausgeholt:

Vier Bereitstellungszonen für je drei Rikschas auf dem Marienplatz, wollen sie und sichern auch zu, alle weiteren Fahrer dann wegzuschicken. Klingt nach einem plausiblen Vorschlag, doch scheinbar steht man hier nicht so auf einfache Lösungen, es folgte eine Ablehnung: bei dem von Bürgermeister Hep Monatzeder im Rathaus eingeleiteten Vermittungsgespräch am 9.8, blieb das von Norbert Bieling vertretene KVR nämlich zunächst kompromisslos.

Und nun? Wie wird es mit der Münchner Radeltaxiwelt weitergehen, die unsere Stadt doch schon um einiges grüner macht?
Im Moment bleibt Dominik Staat nicht viel Weiteres übrig, als allen RikschafahrerInnen zu empfehlen, sich der Allgemeinverfügung des KVRs zu beugen, aber unbedingt auf den sicheren Ablauf vor allem beim Ein- und Ausstieg an dieser Stelle Acht zu geben.
Bei einem etwaigen Sicherheitsrisiko für die Fahrgäste oder übrigen Verkehrsteilnehmer solle dieser vom KVR bestimmte Platz allerdings gemieden werden.

Doch auch wenn der erhoffte Kompromiss noch nicht da ist, so wird wenigstens wieder nach ihm gesucht: Weitere Gespräche mit dem KVR, das den Antrag der Radler nun doch noch einmal prüfen möchte, sind in Aussicht.
Sollte dies aber alles zu nichts führen, zieht Staat den rechtlichen Weg und eine Klage wegen Gewohnheitsrecht zumindest schon einmal in Erwägung.

Wäre schön, wenn es erst gar nicht dazu kommen müsste und wir für ein grüneres München lieber alle an einem Pedal treten.

Schließlich san mia ja Radlhauptstadt!

Ihr wollt wissen, was ihr für die Rikschas tun könnt?
Eine Unterschriftenaktion und auch weitere Events sind zwar in Planung, aber bisher ist die einzige Protestform der Save-Our-Rikschas-Blog auf der „Pedalhelden“-Seite, wo jeder dazu aufgefordert wird, seine Meinung in Form eines Kommentars zu hinterlassen.

SOR! - Save Our Rikschas

SOR! – Save Our Rikschas

Den Link zum Blog findet ihr hier

foto credits: dominic staat/ pedalhelden.de

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