Kultur, tagebook von Selbstdarstellungssucht.de

Über manche Feste kann man besser plaudern

Natalie Mayroth

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München. Der Theatersaal verdunkelt sich. Ein älterer Herr betritt die Bühne. Für einen Moment ist es still im übervollen Carl-Orff-Saal. Musik setzt ein. Fast 600 Gäste wurden am Mittwoch mit Musikeinlagen, Videosclips und Lesenstücken vom neuen Roman über Thomas Manns unglückliche Liebe zu Klaus Häuser „Königsallee“ oder dem Werk von Teju Cole „Open City“ zum diesjährigen Literaturfest eingestimmt.

Die zweistündige Veranstaltung ist Tage davor bereits ausverkauft. Es lässt sich erahnen, dass sich im Publikum das Münchner Who is Who der Verlags- und Literaturszene befindet, wenn die Augen durch das Publikum streifen. Dementsprechend hoch ist ebenfalls das Durchschnittalter der Besucher. Im Gegensatz zum letzten Jahr wurde versucht, medial mit der Einblendung von insgesamt vier Videos und der bunten Durchmischung von Diskussionen, Vorträgen sowie einer musikalischen Untermalung verschiedenen Künstler aufzulockern, wobei die Sängerin Anne Weber mit der Vertonung des Tucholsky-Gedichts „Augen in der Großstadt“ besonders gut gefiel. Das ist den Organisatoren stellenweise auch gut gelungen. Und so mancher Gast amüsierte das Publikum ein bisschen oder weniger. Auch die Vöglein zwitscherten unter # litmuc13 fröhlich aus dem Saal hinaus: „Tilman Spengler unterhält bestens: ,Über manche Bücher kann man besser plaudern, als sie zu lesen.‘ – und andere Bonmots,“ twittert einer der Zuschauer.

Nach dem letzten Gespräch von Moderator Wolfgang Herles mit Hans Pleschinksi, dem Autor von Königsallee, der in seinem Roman Briefe und andere Fundstück aus dem Mann-Nachlass aufarbeitet. Sein gespanntes Publikum lässt er jedoch im Unklaren darüber, was nun wirklich zwischen Thomas Mann und dem Jüngling von damals Klaus Häuser auf der Insel Sylt passierte. Er zieht sich mit den Worten: „Alles wirkliche und wahre wissen wollen, zerstört nur die Poesie“ aus der Affäre.  Die Musik setzt zum letzten Mal ein und lässt die After-Show im Forum des Gasteigs erahnen.

Im Getümmel wird mit Weingläsern angestoßen. Doch nicht nur das Literaturfest München bereitet sich auf  18 Tage Kulturprogramm vor, auch in diesem Jahr findet zum 54. Mal die Bücherschau im Gasteig statt. Im forum:autoren werden über 50 internationale Autoren zu Worte kommen, um unter dem Motto „Stadt Land Fluss“ reale und fiktive Lebenswelten zu erkunden. Zu Andere Bücher braucht das Land, dem Markt für unabhängigen Verlage wird im Literatur Haus vom 23.11-24.11 eingeladen, in diesem Jahr werden erstmals 30 deutschsprachige Independent-Verlage wie MARS! oder der kleine Schwester Verlag vorgestellt. Das komplette Programm des Literaturfests findet ihr hier.

Eindrücke von der Eröffnung:

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Die Rechte für das selbsterstellte Bild- und Textmaterial liegen bei Natalie Mayroth.

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