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Meine Halte: Maillingerstraße – irgendwo dazwischen, ziemlich mittendrin
Wenn ich erzähle, dass ich an der Maillingerstraße wohne, folgt meistens eine von zwei Reaktionen: „Ah, Neuhausen!“ oder: „Das ist doch noch Maxvorstadt?“ Die ehrliche Antwort lautet: irgendwie beides. Meine Halte liegt genau dazwischen und vielleicht passt gerade das so gut zu ihr.
Man ist nah genug an der Innenstadt, ohne mitten im Trubel zu wohnen. Zwei Stationen mit der U-Bahn und schon steht man am Hauptbahnhof. In die andere Richtung wird es dagegen schnell ruhiger und grüner. Die Maillingerstraße ist keine Haltestelle, die man Gästen als Münchner Must-see verkaufen würde. Aber sie ist ein ziemlich guter Ausgangspunkt für alles, was einen normalen Tag ein bisschen schöner macht.
Kleinstadtgefühl mitten in München
Parallel zur viel befahrenen Nymphenburger Straße liegt die Blutenburgstraße. Und obwohl nur ein paar Meter dazwischenliegen, fühlt sich hier plötzlich alles ein bisschen kleinstädtischer an: weniger Verkehr, schöne Altbauten und kleine Cafés, vor denen man eigentlich nur schnell einen Kaffee holen wollte und dann doch länger sitzen bleibt.
Während man sich in anderen Münchner Vierteln schon vor dem ersten Cappuccino mental auf die Suche nach einem freien Tisch vorbereiten muss, geht es hier angenehm entspannt zu. Meine liebsten Anlaufstellen sind Dompierre, die Fritz Mühlenbäckerei und das Butter. Je nach Tagesform gibt es also französisches Gebäck, frisches Brot oder Kaffee in der Sonne.
Immer dem Kanal entlang
Zum Joggen geht es für mich stadtauswärts: am Nymphenburger Kanal entlang, immer geradeaus Richtung Schloss. Je weiter man läuft, desto grüner wird es, bis irgendwann der Schlosspark beginnt und aus der normalen Feierabendrunde zumindest gefühlt ein kleiner Ausflug wird.
Im Park entscheidet dann die verbliebene Motivation, wie groß die Runde tatsächlich wird. Langweilig wird es jedenfalls selten: Erstaunlich oft läuft man hier dem nächsten Brautpaar beim Fotoshooting über den Weg – die Kulisse für kitschige Hochzeitsbilder ist schließlich auch einfach zu gut.
Die etwas wildere Nachbarschaft
Wenn mir die ruhigen Straßen Neuhausens doch einmal zu beschaulich werden, ist das Kreativquartier nicht weit. Zwischen Graffiti und alten Gebäuden treffen hier Ateliers und Werkstätten auf Kultur, soziale Projekte und Veranstaltungen.
Mein Anlaufpunkt ist das Import Export. Mal gibt es ein Konzert, mal einen Workshop, eine Lesung oder ein Festival. Mein Lieblingsformat im Sommer: TurnTableTennis. Rundlauf wie früher auf dem Pausenhof, nur mit DJs, Drinks und deutlich späterer Uhrzeit. Besonders gut Tischtennis spielen muss man dafür zum Glück nicht. Aus einem normalen Dienstag wird so schnell ein sehr guter Abend.
Neuhausen kann auch leise
Mindestens genauso gerne laufe ich abends einfach durch die ruhigen Wohnstraßen Neuhausens. Vorbei an Altbauten, kleinen Vorgärten und Wohnungen, bei denen man sich fragt, wie hoch wohl die Miete ist und ob man die Antwort wirklich wissen möchte.
Danach noch ein Glas Wein im Ruffini und der Abend ist eigentlich komplett.
Vielleicht ist genau das das Schöne an meiner Halte: Sie drängt sich nicht auf. Die Maillingerstraße ist weder das schicke Zentrum der Maxvorstadt noch der große Mittelpunkt Neuhausens. Sie liegt irgendwo dazwischen – zwischen Innenstadt und Schlosspark, Cappuccino und Feierabendrunde, Abendspaziergang und Tischtennisparty.
Und genau deshalb fühlt sie sich für mich ziemlich nach Zuhause an.
Clea Holzapfel ist freie Autorin bei Mucbook