Kultur

Michael Althen – „Er war der größte aller Filmkritiker“

Sebastian Gierke

Journalist, frei, in München und im Netz.
Sebastian Gierke

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Michael Althen ist tot. Der Filmkritiker wurde nur 48 Jahre alt. Er war einer der besten. So wie mich hat er viele mit seiner Liebe zum Film, zum Kino infiziert. Er hat seine Leidenschaft, die Überwältigung, die er im Kino fühlte, in seinen Texten mit uns geteilt, so eindrücklich, so nachfühlbar, wie das keinem anderen gelang.

Seine Kollegen erinnern sich heute an den gebürtigen Münchner: Claudius Seidel in der FAZ, Tobias Kniebe huldigt traurig in der SZ dem Pionier und Georg Diez erinnert sich auf Spon an einen Freund.

Kniebe zitieren Althen, der einmal geschrieben hat: „Vielleicht muß man in solchen Momenten vom Glück sprechen, wenn man nicht von der Trauer aufgefressen werden will“.

Und wenn Claudius Seidl schreibt „Er war der größte aller Filmkritiker“, dann stimmt das. „Dass uns seine Texte bleiben, ist nur ein schwacher Trost. Schon weil er, bis zuletzt, immer genug Jugend im Kopf hatte, um so zu leben, zu denken, auf die Welt und auf die Filme zu schauen, als ob die besten Texte erst noch geschrieben werden könnten.“ Und Michael Althen war Münchner und er war „so wunderbar münchnerisch im Habitus, dass man München gar nicht vermisste, wenn man nur ihn in der Nähe hatte“, schreibt Seidl, der selbst in München studierte, lange hier arbeitete, mittlerweile neben München auch in Berlin lebt.

Auch Georg Diez, der Althen gut kannte, der ein Freund Althens war, trifft es sehr gut: „Michael Althen glaubte an die Verzauberung der Welt, was überraschend ist für jemanden, der nicht nur ein großer Skeptiker, sondern auch ein besonders eloquenter Schweiger war. Niemand konnte so schön nichts sagen wie Michael Althen. Es war diese seltsame Mischung, die ihn dem entrückte, was ihn umgab: dem Gehechel der Meinungen, der Manipulation der Geschmäcker, der Kleinheit der Karrieristen, die im Kulturbetrieb vielleicht noch korrupter sind als anderswo. Denn sie verraten das Einzige, um was es am Ende geht: zu wissen, warum man es tut.“

Wie er selbst das Kino sah, hat er einmal so beschrieben: „Mittlerweile sind wir wahrscheinlich vollständig verdorben, aber das macht nichts, weil wir im Kino ein zweites Leben gefunden haben, das viel besser ist als das unsere und ihm doch aufs Haar gleicht. Darin liegt die doppelte Natur des Kinos: dass es stets Auskunft gibt über das, was ist, und das, was möglich wäre, darüber, wer wir sind und wer wir gerne wären. Wie wir uns gefühlt und wovon wir geträumt haben. Wie die Autos aussahen und wie die Telefonzellen. Was man getragen und wie man sich frisiert hat. Und wenn wir für einen Moment die Augen schließen und uns dem Strom der Bilder überlassen, dann können wir uns in all dem wieder erkennen. Dann wissen wir, woher wir kommen, und vielleicht auch, wohin wir gehen.“

Und keinesfalls zu vergessen: Michael Althen hat zusammen mit Dominik Graf einen der besten Filme über München überhaupt gedreht:

München, Geheimnisse einer Stadt.

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