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München hat ein Parkproblem oder warum wir uns ehrenamtlich mit Tiefgaragen beschäftigen
Wir gehen in Tiefgaragen – in unserer Freizeit. Wir schauen uns die unglaublich großen unterirdischen Flächen an und fragen uns: Warum ist es hier so leer? Und warum parken überall am Straßenrand so viele Autos?
Um genau zu sein: Heute fragen wir uns das nicht mehr, heute integrieren wir die freien Parkplätze in unsere interaktive Karte auf parkraumwende.de. Vor allem nutzen wir jede Gelegenheit, mit Politik, Verwaltung, Handel und Gewerbe, Immobilienwirtschaft, NGOs, Wissenschaft und Medien zu sprechen. Unser Ziel ist die Verlagerung des ruhenden Pkw-Verkehrs auf private Flächen wie Tiefgaragen oder Parkhäuser. Der öffentliche Raum muss der Öffentlichkeit gehören. Dort entsteht Raum für Bäume, für Versickerungsflächen, für breitere Gehwege und Lieferzonen. Vom ersten Blick in eine Tiefgarage bis heute sind zweieinhalb Jahre vergangen.
Drei Wege, ein gemeinsamer Aha-Moment
Wer sind wir? Und was treibt uns an?
Heiko Bielinski hatte auf einer Webseite die Auslastung der Parkhäuser in der Innenstadt erfasst, sich irgendwann gefragt, wie es eigentlich in den Quartieren mit privaten Parkplätzen aussieht und festgestellt: Niemand weiß, wie viel private Stellflächen es stadtweit gibt und wie sie ausgelastet sind. Ein Blick in einige Tiefgaragen in seinem Viertel Haidhausen zeigte größtenteils gähnende Leere, darunter eine mehrstöckige Bürotiefgarage, die an einem normalen Werktag nicht einmal zur Hälfte ausgelastet war.
Über seine Recherchen zu Stellplätzen und Parkplätzen lernte er Wiebke Hederich kennen. Als Rechtsanwältin berät sie Unternehmen und Kommunen im Bereich des öffentlichen Umwelt- und Planungsrechts sowie des öffentlichen Wirtschaftsrechts und hat in dieser Rolle viel mit Stellplätzen zu tun.
Der Aha-Moment kam für sie aber durch eine private Erfahrung. Vor einigen Jahren inserierte sie einen zu ihrer Wohnung gehörenden freien Tiefgaragenstellplatz im Zentrum Münchens. Das Resultat: Niemand meldete sich, selbst als sie den Preis auf einen Dumpingpreis von 40 Euro monatlich reduzierte. Gleichzeitig war die Straße über der Erde zugeparkt. Heiko hatte in Haidhausen dieselbe Beobachtung gemacht: Während die Parkplätze oben hart umkämpft waren und sind, herrscht unten völlige Leere.

Vom Mailwechsel zum Stadtrats-Termin
Zeitgleich hatten Wiebke und ich uns über den Bezirksausschuss Maxvorstadt kennengelernt. Dort leitete ich von Mai 2020 bis April 2026 den Unterausschuss Mobilität und öffentlicher Raum. Wiebke hatte sich für mehr Bäume im Viertel stark gemacht. Aus einem Bürgerinnen-Anliegen wurde ein Mailwechsel, ein Mittagessen und ein Gespräch darüber, wie der öffentliche Raum in München schöner werden könnte.
Zu meinen Dauerbrennern im Unterausschuss zählten die Beschwerden von Bürgerinnen und Bürgern über „hohen Parkdruck“ und „viel zu wenig Anwohner-Stellplätze“. Das Recht auf einen Parkplatz für gerade einmal acht Cent pro Tag – und den bitte vor der Haustür – wurde und wird immer noch als selbstverständlich angesehen. Der Preis für einen Anwohnerausweis in München, nämlich 30 Euro pro Jahr, ist auch die Antwort auf die Frage, warum niemand in der Tiefgarage parkt.
Das wollen wir ändern. Gleich beim ersten Treffen in unserer heutigen Dreierrunde haben wir festgestellt: Wir sind ein gutes Team. Als Kommunikationsberaterin wusste ich, wie wichtig ein professionelles Auftreten ist. Deshalb haben wir uns sehr schnell auf die Strategie geeinigt und auf einen prägnanten Namen für unsere Initiative. Eine Freundin entwickelte unser Corporate Design. Jetzt konnten wir loslegen. Der erste Termin bei einer Stadtratsfraktion folgte recht rasch.
Das dicke Brett: Parkplätze
Seitdem sprechen wir regelmäßig mit wichtigen Akteuren: den verschiedenen Stadtrats-Fraktionen, der Handwerkskammer, der IHK, Mobilitätsexperten wie MCube, Agora Verkehrswende, dem VCD und Anbietern von digitalen Stellplatzlösungen wie beispielsweise Ampido, Wemolo, Peter Park, Garages Near Me und ParkBest. Für das München Forum konnten wir im Rahmen des Jane’s Walk Festival eine Tour zum Thema Parken anbieten, an dem vor allem Mitglieder der Bezirksausschüsse teilgenommen haben. Berichterstattung in der Presse, vor allem regelmäßige Erwähnungen in der SZ, verschaffte uns zusätzlich Bekanntheit.
Aber wir sind bei Weitem nicht am Ziel. Zwar setzt langsam ein Umdenken ein, doch solange Parken im öffentlichen Raum fast nichts kostet, wird es unmöglich sein, eine Mehrheit zum Handeln zu bringen. Deshalb werden wir weiterhin unsere Freizeit dafür nutzen, das zu ändern.
Autorin: Sigrid Eck
Über Sigrid Eck
Sigrd Eck gründete zusammen mit Wiebke Hederich und Heiko Bielinski die Initiative Parkraumwende. Ihr Ziel ist die Verlagerung des ruhenden PKW-Verkehrs auf private Flächen wie Tiefgaragen oder private Stellplätze.
Sigrid Eck setzt sich für eine Mobilität ein, in der der Mensch im Mittelpunkt steht und nicht das Auto. Dafür engagierte sie sich auch im Bezirksausschuss Maxvorstadt, wo sie sechs Jahre den Unterausschuss Mobilität und öffentlicher Raum leitete.
Als PR-Beraterin entwickelt sie Kommunikationsstrategien für Unternehmen, verantwortet Medien- und Öffentlichkeitsarbeit und unterstützt Führungskräfte bei ihrer Positionierung. Vor ihrer Beratungstätigkeit verantwortete sie als Pressesprecherin die Kommunikation von internationalen Medienhäusern. Bis 2011 arbeitete sie als Journalistin für die Medienwirtschaft.
Seit (Monat) 2026 schreibt Sigrid Eck als Autorin bei MUCBOOK im „Kreis der Kolumnisten“.