Kultur, Live, Stadt

„Nur so ein bisschen geht hier nicht“

Martin Lorenz

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„Herzmother – Heartmutter – Herzmutter – Heartmother – Ah!“ Candelilla rocken die Stadt, rocken das Land, jederzeit, einmal mehr. Nur heute nicht. Sonntagabend, noch vier Tage bis zum offiziellen Release des neuen Albums “Heart Mutter” im Münchner Milla und drei Viertel der Band liegen ohne Stimme oder vergrippt im Bett. Einzig Schlagzeugerin Sandra Hilpold trotzt den Viren und hat sich in den Proberaum  in der Glockenbachwerkstatt zum Trommeln zurückgezogen, bereit, nebenher auch ein wenig zu plaudern – über die Begegnung mit Steve Albini, die Herausforderung gelebter Basisdemokratie und natürlich auch über München. Die Hoffnung, man würde ihr eine Zigarette anbieten können, muss leider gleich enttäuscht werden – „Sorry, Nichtraucher…“ – „Mist!“ Also los.

Beim ersten Treffen mit Rita hieß es schnell: „Oh, bitte nicht das Frauending!“ – ist das ein Thema, mit dem man der Allgirlband Candelilla nicht mehr kommen sollte?
Ach, das hat sich mittlerweile wieder etwas entspannt. Es gab am Anfang natürlich schon Phasen, da war es verkrampft und anstrengend, oft auch ein wenig langweilig, darauf ständig angesprochen zu werden, aber jetzt kommen Dinge wie Sachen wie „Riot Girls“ oder „Feminismus“ nur noch selten um die Ecke. Man muss auch wissen, dass sich die reine Frauenbesetzung bei Candelilla eher zufällig ergeben hat, die Mädels haben in der Zeit, bevor ich dazu gekommen bin, schon mit Jungs gespielt, auch ich war schon in anderen Bands unterwegs. Es gab nicht dieses Zwangsläufige, eben nicht dieses bewusste „Frauending“, sondern es hat sich über gegenseitiges Kennenlernen in der Münchner Musikszene einfach zufällig ergeben.

Gibt es denn musikalische Anknüpfungspunkte, die Ihr als Tradition versteht, Bands eben aus der Riot-Girl-Bewegung, die da maßgeblich waren und sind?
Ja, für die anderen drei schon, ich bin ja nun in der Band die Älteste und komme eher aus dem Pop, bin in den 80ern aufgewachsen – das „Grungige“, da war ich eigentlich schon wieder weg von, fand das aber im Nachhinein ganz spannend, solche Sachen wieder zu hören und dann sagen zu können: Hey, wow, das kenn‘ ich jetzt weniger und doch klingt‘s in der Mischung wieder gut. Genauso ging’s den Dreien wohl auch mit dem Pop, den ich mitbrachte, wo ich dann gesagt habe: Abwarten, vielleicht ergibt sich ja ‘was draus… Nennen wir es also besser einfach Rockmusik, alles andere sollte jetzt nicht mehr vordergründig sein.

Es gibt ja vom Zündfunk die schöne „City Of Pop“-Karte – im Stadtviertel des ‚Rock‘, wo ich Euch jetzt mal wohnen lassen würde, führt da von der Breeders-Entbindungsstation zur Pixies-Promenade die Steve-Albini-Alley. Ihr wart 2011 für „Heart Mutter“ für zwei Wochen mit Steve Albini in Chicago im Studio – wie kam’s?
Das war eigentlich eher Zufall – wir saßen mit unserem Material, das eigentlich schon recht fertig war, zusammen und haben überlegt, was damit tun. Wir wussten eigentlich nur, dass wir einen anderen Sound, mehr Livecharakter, kräftigere Gitarren wollten – Thomas Lechner, der zu der Zeit noch unser Booking gemacht hat, meinte dann: Hey, versucht’s doch mal mit Steve Albini, das müsste Euer Ding sein. Wir haben also einfach hingemailt und zurück kam die Antwort: Okay, Session is booked.

Und er wollte oder musste nichts hören vorher?
Nein, definitiv nicht, er vermeidet das bewusst, will wirklich völlig unvoreingenommen an die Dinge herangehen – er sagt schon auch ab, sicher, aber nach welchen Kriterien er sich dann letzten Endes entscheidet, wissen wir auch nicht. Es hieß dann eben nur noch: Okay, wann? September, passt, fliegen wir mal hin. Was genau uns erwartet, war auch uns bis dahin nicht klar.

Und dann war’s …?
Sehr gemütlich, und riesig, mit unglaublich vielen Zimmern. Die sind normalerweise für seine Katzen reserviert – der Mann hat eine unglaubliche Vorliebe für Katzen, ist ein Freak, überall hängen Bilder und Siebdrucke mit lauter Katzen drauf; wir wussten auch nicht, dass die Katzen jedes einzelne der Zimmer markieren und ich glaube, wie wir hat sich auch keiner getraut, etwas dazu zu sagen. Jedenfalls lief das alles sehr entspannt ab, wir hatten ganze zwei Tage, uns die Instrumente, die wir noch brauchten, zusammenzusuchen, uns im Studio umzuschauen. Und dann kam er, direkt aus dem Urlaub, sehr entspannt im Hawaiihemd und meinte: So, dann können wir anfangen.

Keine große Crew?
Nein, überhaupt nicht – mikrophonieren, verkabeln, da kümmert er sich wirklich selbst drum, nur den Tee lässt er sich bringen. Und er bleibt solange dabei und wach, wie die Band es will und durchhält, wenn wir also gegen zwei oder drei eingeknickt sind, dann ging er auch schlafen. Ansonsten lässt er einen machen, ist auf seine Art angenehm distanziert und kümmert sich eigentlich nur um den Sound, das ist sein Metier – den Rest hat er ganz uns überlassen.

Wie die Stücke in der Band entstehen, wie sich das Publikum deutschsprachiger Bands gewandelt hat und was Candelilla zu einer urigen Münchner Band macht, erfahrt ihr hier – im ganzen Interview!

Das Album „Heart Mutter“ erscheint am 5. Februar bei ZickZack Records

Candelilla live unterwegs:
07.02.  München, Milla
08.02.  Regensburg, W1
09.02.  Passau, Zeughaus
12.02.  Darmstadt, Oettinger Villa
13.02.  Marburg, Trauma
14.02.  Giessen, Ludwigstraße 6
15.02.  Dresden, Ostpol
17.02.  Leipzig, Nullunendlich
18.02.  Jena, Cafe Wagner
mehr Termine….

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