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Rauchverbot? Ja! Noch eine Meinung.

Letzte Artikel von Sara Haussleiter (Alle anzeigen)

DSC_1779Noch zwei Tage bis zum Raucherfinale. Ein Kommentar auf mucbook, in dem das Verbot entschieden abgelehnt wurde, hat viel Rauch aufgewirbelt. Nun kommen die Befürworter des Rauchverbots zu Wort.

Klare Verhältnisse schaffen!

Sollte sich am kommenden Sonntag gegen 19 Uhr herausstellen, dass die JA-Sager beim Volksentscheid zum Nichtraucherschutz in der Mehrheit sind, wird sich der weiß-blaue Himmel über Bayern verdunkeln. Es droht der Untergang des Abendlandes, die Proklamation des totalen Verbotsstaats, als nächster Schritt sicherlich die Ächtung von Bier und Schweinebraten. Diesen Eindruck zumindest bekommt man angesichts der aktuellen Kampagne der Initiative „Bayern sagt Nein“.

Die Realität sieht anders aus: Selbstverständlich könnten Raucher auch nach einem
JA noch jedes Lokal ihrer Wahl besuchen. Sie dürften auch weiterhin rauchen, so viel sie wollen. Nur müssten sie dazu eben in Zukunft einfach mal eben vor die Tür gehen. Und das überall.

Endet der Volksentscheid mit einem NEIN, bleibt alles, wie es ist. Sprich: Eine Ansammlung schwammig formulierter Ausnahmen (was bedeutet eigentlich „getränkegeprägt“?) sorgt für Durcheinander und bewirkt letztlich, dass der grundsätzlich begrüßenswerte Kompromiss umgangen,
unterwandert und ausgehöhlt wird.

Die oft zitierte Zahl von 15 Prozent Raucherlokalen in Bayern bedeutet nur 15 Prozent legale und als solche auch gemeldete Raucherlokale. Dazu kommen kleine Restaurants unter 75qm, Diskotheken und Clubs, die meinen, entgegen der bestehenden Regelung das Rauchen erlauben zu dürfen. Und zahlreiche Lokale, die einfach ab einer bestimmten Uhrzeit „Feuer frei“ geben.

Der Nichtraucher, der auch nicht passiv mitrauchen will, hat hier das Nachsehen und darf sich anderweitig umschauen – oder eben um 21h nach Hause gehen, denn der Nichtraucher, das wissen wir ja inzwischen, ist ein spaßfeindlicher, gesetzestreuer Spießer, dem das mit Sicherheit nichts ausmacht.

Es hat sich also gezeigt, dass es mit der vielgepriesenen Toleranz nicht weit her ist und weder gegenseitige Rücksichtnahme noch ein gesetzlich geregelter Kompromiss funktionieren. Gerade abseits der großen Städte haben Nichtraucher oft keine Wahlmöglichkeit und müssen sich ins Raucherlokal begeben, wenn sie nicht zu Hause sitzen wollen. Auch in München kann man an jedem Wochenende ein paar neue der bekannten blauen Schilder entdecken und es wird immer schwieriger,
rauchfrei wegzugehen. Der Nichtraucher kann aber zum Atmen im Raucherlokal nicht mal eben vor die Tür gehen wie der Raucher im Nichtraucherlokal zum Rauchen.

Ein Kompromiss, der dazu führt, dass eine Mehrheit sich dem schädlichen Verhalten einer Minderheit auszusetzen hat, ist kein Kompromiss und hat nichts mit Freiheit und Toleranz zu tun. Eine klare Regelung muss also her, damit die Ausnahmen nicht weiter um sich greifen – und Raucher haben immer noch die Freiheit, abseits öffentlicher geschlossener Räume nach Lust und
Laune zu qualmen.

Mit einem Verbotsstaat hat das wenig zu tun – denn schließlich dürften auch die meisten Anhänger der NEIN-Fraktion an anderer Stelle froh über Gesetze sein, die ihr Leben und ihre Gesundheit schützen. Ein Beispiel: Kein Mensch denkt daran, Alkohol zu verbieten, da ja keiner das Bier des Nachbarn in der Kneipe mittrinken muss. Alkohol am Steuer ist aber zu Recht reglementiert, da hier eben auch andere gefährdet werden. Genauso soll der Raucher bitte rauchen, soviel er will – aber eben nicht den Nachbarn in geschlossenen Räumen zum passiven Mitrauchen zwingen. Es geht nicht um den Schutz vor sich selbst, sondern um den Schutz des Anderen. Vor Qualm in Hals und Augen, vor stinkenden Klamotten und auch vor möglicherweise tödlichen Krebserkrankungen.

Dieser Schutz ist mit der aktuellen Regelung einfach nicht mehr gewährleistet. Doch wo andere geschädigt werden, hören Freiheit und Bequemlichkeit auf. Deswegen gilt es am Sonntag mit
JA zu stimmen.

Foto: „Roman Cieslik“ / www.jugendfotos.de, CC-Lizenz(by)
http://creativecommons.org/licenses/by/3.0/deed.de

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