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Schallplattenliebe: Die Munich Sessions auf Vinyl

Anna-Elena Knerich

ist francophil und Europtimistin. Denkt (zu) viel und schreibt deshalb. Am liebsten über Kultur, die Helden des Alltags und das Thema mit dem "Zuhause".
Anna-Elena Knerich

Heutzutage werden Filme online bei Netflix geschaut und Musik bei Spotify gehört. Viele junge Menschen kaufen darum auch gar keine Musik mehr, sondern streamen nur noch. Und wie das immer so ist bei solchen Entwicklungen, entsteht irgendwo auch wieder eine Gegenbewegung.

Das Comeback der Schallplatten

Mittlerweile fahren aber nicht mehr nur Berliner Hipster auf Schallplatten ab, auch immer mehr Musiker produzieren wieder Vinyl-Alben. Die Gründer der Munich Sessions hingegen, Patrick Thompson und Jackson Lynch, sind schon lange Schallplattenfans – das bestätigt Jacksons beachtliche Plattensammlung, die ich im Rahmen der zweiten Home Story bestaunen durfte.

Ein Traum wird wahr

Stolz präsentierten Jackson und Patrick im Lost Weekend eine in München gepresste Schallplatte – mit Songs von Musikern, die schon einmal bei den Munich Sessions aufgetreten sind. Als sie vor anderthalb Jahren erstmals Musiker anfragten, ob sie bei einem Vinyl-Projekt mitmachen würden, sagten über 30 Künstler sofort zu, erzählte Jackson: „Darum mussten wir am Ende auswählen, schließlich ist der Platz auf einer Schallplatte nur begrenzt.“ Doch auf dieses Volume 1 soll auch noch ein zweites folgen, versicherte er.

Ihr Dank gilt besonders den Künstlern, die ihnen ihre Tracks alle kostenlos zur Verfügung gestellt haben. Dadurch konnten sie die Kosten für die GEMA-Rechte, Produktion und die Pressung aufbringen. „Wir hoffen, dass wir mit dem Plattenverkauf die Produktionskosten decken können – sollten wir Gewinn machen, geht der natürlich an die Künstler“, sagte Patrick bei der Release-Party.

„International and local artists – overwhelming!“

vinyl

Stolze Plattenmacher: Die Red Blood Cells mit Patrick (rechts) und Jackson (unten)

Zu hören sind auf der Platte 14 Songs von internationalen und deutschen Künstlern – von den recht bekannten „Buffalo Skinners“ bis hin zu den gerade mal 17-jährigen  „The Ocelots“, die zuvor weder auf Spotify noch auf iTunes einen Song veröffentlich hatten.

Insgesamt sind sechs bis sieben Tracks der Platte noch komplett unveröffentlicht, sagte Jackson, so auch der Song „Fire“ von der Münchner Band „Red Blood Cells“.

Auf Volume 1 ist dies aber der einzige Song, der von Münchnern stammt. Trotzdem sind bei der Release-Party auch andere lokale Bands anwesend – etwa die Jungs von „Sound Injection“ oder „The Living“, die auch schon bei den Munich Sessions gespielt haben und sich durchaus vorstellen können, einen Song für die nächste Schallplatte beizusteuern.

Vinyl-Debüt für eine Münchner Band

Im Lost Weekend habe ich mit den „Red Blood Cells“-Jungs über ihr Schallplatten-Debüt gesprochen:

MUCBOOK: Eure Band gibt es ja schon seit fast zehn Jahren, wenn auch in unterschiedlicher Besetzung. Wo und wie habt Ihr Euren ersten Song veröffentlicht?
Red Blood Cells:
Auf MySpace! Einen Song, den wir bei einem Bekannten im Keller aufgenommen haben.

Euer erstes Album gab’s dann aber auf CD, oder?
Genau. Wir haben es aber auch auf allen digitalen Kanälen veröffentlicht. Wir machen immer alles selbst – von Songwriting, über Aufnahme, Artwork, Produktion und Website bis hin zu den Musikvideos.

Hört Ihr denn selbst überhaupt Schallplatten?
Definitiv! Eigentlich hören wir nur Schallplatten, außer im Auto. Und Vinyl ist ja gerade echt wieder im Kommen.

Wie kam es dazu, dass Ihr als einzige Münchner Band auf der ersten Munich-Sessions-Schallplatte gelandet seid?
Das wussten wir bis gerade eben auch noch nicht, aber es freut uns sehr! Jackson und Patrick haben und vor etwa vier Monaten nach einem Song für die Platte gefragt. Wir wollten dafür unbedingt was Neues – also haben wir innerhalb von drei Tagen einen Song geschrieben, aufgenommen und den beiden zur Platten-Pressung geschickt. Bald erscheint „Fire“ auch im Netz.

Habt Ihr überlegt, selbst ein Album auf Vinyl herauszubringen?
Ja. Unser zweites Album, an dem wir zur Zeit arbeiten, soll nur auf Vinyl und digital erscheinen: Die Menschen, die bei Konzerten überhaupt noch Musik kaufen, die sind ja richtige Liebhaber und mögen Schallplatten sowieso lieber als CDs.

Noch kurz zu Euch als „Münchner Band“: Gerade wird wieder viel darüber diskutiert, dass München nicht künstlerfreundlich ist – zu teure Proberäume, zu wenig Auftrittsmöglichkeiten, zu wenig Förderung. Wieso seid Ihr noch hier?
Wir haben Glück mit unserem Proberaum in Moosach, den wir uns mit einer anderen Band teilen: Er ist sehr gut ausgestattet und auch echt bezahlbar. Nach Berlin zu gehen, stand für uns nie zur Debatte, auch wegen unserer Berufe. Uns gfoid’s hier einfach sau guad!


In aller Kürze:
Was? 1. Vinylplatte der Munich Sessions
Wo? Im Lost Weekend, im Maoz Vinyl & Kaffee oder hier bestellen
Wie viel? 15 Euro


Fotocredits: Bandfoto © Blake R. Lewis / Beitragsbild © Anna-Elena Knerich

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