Kultur, Live

Son of Old – Enttäuschung ist nicht das Ende einer Täuschung

Sebastian Gierke
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Er hat das alles schon erlebt: Auf der Bühne zu stehen, vor tausenden Menschen. Begeisterten Menschen. Den Endorphinschub, das flüchtige Gefühl, unsterblich zu sein, in diesem einen Moment: larger than life. Und das genaue Gegenteil. Am Samstag stellt Nic Olson, Kopf des Duos Son of Old im Babalus eine neue EP vor. Nachdrücklichste Empfehlung!

Zu Beginn dieses Jahrtausends waren Perez eine der erfolgreichsten Rockbands in Südafrika. Mit Nic Olsen als Frontmann. Olsen ist damals 20 Jahre alt und er will: mehr. Er will raus aus Südafrika. Er will nach Europa. Er geht nach München. „In Südafrika ist die Indie-Szene nicht besonders vielfältig. Das ist meist Bayern3-Rock. Die Möglichkeiten hier sind größer.“ Nic Olsen überlegt, erinnert sich, ergänzt dann: „Dachte ich.“ Das hat er mir vor einiger Zeit erzählt.

Olsen muss 2003 in München ganz von vorne anfangen, sucht Musiker mit Anzeigen in Musikmagazinen. Und wie an Geld kommen? Olsen hat das Jazz-Studium an der Universität seiner Heimatstadt Durban abgebrochen. Wegen Perez. In München findet er einen Job als Putzmann bei der Stadt. Danach führt er Touristen durch die KZ-Gedenkstätte Dachau. Nic Olsen macht Nebenjobs nur, um Musik zu machen. „Ich bin zum Musiker geboren. Es gibt nichts anderes, das ich tun kann und will.“

Mit dieser Einstellung hat er auch einige harte Jahre durchgestanden. Jahre, in denen er als Songwriter kaum weiter gekommen ist. Musiker fand er zwar schließlich und gründete mit ihnen die Band Go Panic!. Er steckte auch viel Energie in die Band. Doch dann kam es zum Streit mit dem Label. Das Label machte kaum Werbung. „Fünf Jahre meines Lebens wurden mir gestohlen“, sagt Olson dazu.

Es ging danach wieder ganz von vorne los, weil Olsen die Enttäuschung nicht als Ende einer Täuschung akzeptiert hat. Einer Täuschung darüber, auch in München Musiker sein zu können. Er nimmt das nicht hin, ist nicht zynisch geworden, verkauft nicht jede verlorene Illusion als gewonnene Erfahrung, sondern hält an seinen Zielen fest. Und hat damit natürlich völlig zu Recht.

Deshalb hat er das Soloprojekt Son of Old begonnen und gleich zu Beginn zwei Alben aufgenommen erschienen 2008 auf Little Teddy Recordings. Zwei Alben auch deshalb, weil das alte Label einen Anteil an den Einnahmen seiner nächsten zwei Platten bekam. „3% Baby“ hieß eines der beiden Alben.

Aus Ratlosigkeit und Melancholie, hat Olsen die beiden Singer-Songwriter-Alben destilliert. Mit Perez und Go Panic! spielte er gängigen, dichten Alternative-Rock. Als Son of Old hat er bereits gelerntes wieder vergessen und zu einer neuen, wunderbaren Naivität gefunden. Und so klingt auch die neue EP „Poison Rain“, die Son of Old, mittlerweile durch den Schlagzeuger Florian Schanze zum Duo angewachsen, heute  im Babalu vorstellen.

Melodien von unverkitschter Klarheit. Olsen ist ein Romantiker. Er glaubt daran, dass er eigentlich nur ein Instrument ist, um Empfangenes weiterzugeben, dass die Musik irgendwo da draußen ist und sich in ihm ein Medium sucht, das sie zum klingen bringt. Das ist großartiges Songwriting, immer überraschend, mit wunderbaren Melodien.

Das Debütalbum des Duos Son of Old folgt auch bald.

Ach ja: Die ersten 100 Besucher im Babalu am Samstag bekommen eine limitiertes, farbiges Vinylexemplar der EP geschenkt.

Son of Old, Samstag, 29. Mai, 22 Uhr im Babalu, Leopoldstraße 27, U-Bahn Giselastraße

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