Fashion-Ding, Leben

Stilkolumne: Aus Pilz mach‘ Stoff.

Rosi Offenbach

Fotografien aus der Hölle. www.rosioffenbach.de
Rosi Offenbach

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Nina Riedl ist 24 Jahre alt und hat dieses Jahr ihren Abschluss an der Esmod-Modeschule in München gemacht. Den Stoff, aus dem die Kleider ihrer Abschlusskollektion sind, züchtete sie aus Pilz. Wie sie dazu kam und warum in ihren Händen mindestens 1.000 Nadeln durchbrachen, erzählt sie uns im Interview.


 

MUCBOOK: Nina, du hast die Stoffe für deine Abschlusskollektion aus Pilz gezüchtet. Wie bist Du auf diese Idee gekommen?

Nina: Ich war auf der Suche nach einem Stoff, der besonders und ungewöhnlich aussieht, gleichzeitig aber auch nachhaltig und vegan ist. Stoff aus Pilz erfüllt beides. Er hat eine besondere Erscheinung, leuchtet fast von sich aus. Andererseits ist er frei von Chemikalien und tierischen Bestandteilen sowie biologisch abbaubar.

Was waren die besonderen Herausforderungen bei der Herstellung des Stoffes?

IMG_9588cDie größte Herausforderung war eigentlich, die Kleider in kürzester Zeit zu machen. Ich hatte drei Monate Zeit von der Idee zum fertigen Produkt. Der Prozess des „Wachsens“ dauert mindestens drei Wochen. Danach muss der Stoff getrocknet werden. Das dauert, bis man mal ein fertiges Kleidungsstück in den Händen hält. Der Fertigungsprozess ist außerdem durch den Geruch und die anfallende Flüssigkeit äußerst unangenehm. An dieser Stelle ist

auch nochmal meinen Eltern zu danken, die mich den Stoff in meinem alten Kinderzimmer haben machen lassen.

Und wie verarbeitet sich der Stoff, wenn er mal fertig gewachsen ist?

Ähnlich wie Leder. Aber er ist nicht sehr strapazierfähig und er reißt sehr schnell. Außerdem wird er nach einer Zeit sehr klebrig, weshalb mir mindestens 1.000 Nadeln und meine Nerven abgebrochen sind. (lacht)

Die Modeschule hast Du jetzt erfolgreich abgeschlossen. Wie geht es mit Dir weiter?

Ich möchte den Pilzstoff weiterentwickeln und ausbauen in Hinsicht auf Geruch und Stabilität. Er passt super zu meinen Ansichten auf das Fashiongeschäft, denn er ist umweltfreundlich und eben ohne tierische Bestandteile. Auf meinem weiteren Weg muss er aber erst mal auf der Strecke bleiben, da ich jetzt in Mailand ein Praktikum bei Neil Barrett mache. Aber wenn ich genügend Erfahrungen gesammelt habe, werde ich wieder Mäntel wachsen lassen, da bin ich mir sicher.

 

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Fotocredit: Rosi Offenbach (Anna Pentzlin)
Hair&MakeUp: Sabrina Reuschl
Model: Lucas Haase

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