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Stracke & Seibt: Der Fall K.

Sie sind ein wiederkehrendes Thema in Literatur, Film und Kunst, das viele Gesichter hat: Naturkatastrophen und andere Ausnahmezustände, die eine existentielle Bedrohung darstellen. Doch welche Rolle nimmt die Kunst ein, wenn das Leben aus den Fugen gerät und der Boden unter den Fußen verloren zu gehen droht; wenn die Not so groß ist, das sich im Kopf Endzeitszenarien abspielen? Geht die Kunst dann klanglos unter, oder trägt sie sich selbst?  Kann man sich sowohl im wörtlichen als auch übertragenen Sinn mit Kunst „zudecken“ oder sollte dann die„Überflüssigkeit alles Kunstbesitzes“ gelten?

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Für ihre aktuelle Ausstellung „Der Fall K.“ bei Esther Donatz inszenieren Clea Stracke & Verena Seibt einen Mikrokosmos aus Dysbalancen: Neben einer umfassenden Installation, die die bestehende Raumordnung der Galerie außer Kraft setzt, nähern sich Clea Stracke & Verena Seibt Momenten des Kollapses und Ungleichgewichts nicht nur in Fotografien und Papierarbeiten an, sondern loten diese auch filmisch aus: So entpuppt sich in dem Video „Der Fall K.“ ein gewöhnlicher Museumsbesuch als surreale Stolperfalle. Boden und Wände geraten plötzlich ins Wanken; der Protagonist verliert den Halt und stürzt mehrfach. Illusion und Realität verschwimmen miteinander; die eigene Wahrnehmung wird auf die
Probe gestellt.

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Nachdem Stracke & Seibt bereits in ihrer vorherigen Soloschau „Holde Kunst“ Veränderungen des Kunstbegriffs und die Instrumentalisierung von Kunst anhand einer Komposition aus der Romantik beleuchtet haben, führen sie diesen Diskurs in der aktuellen Ausstellung konsequent fort. Auch das Motiv der Schifffahrt, das in Kombination mit dem Schiffbruch als Metapher für Aufbruch und Wagnis, Erlebnis und Risiko, Naturgewalt, menschliches Versagen und Hoffnung steht, griffen die Künstlerinnen bereits in dem Video „Und das Schiff fährt“ (2009) auf: Hier symbolisiert es nicht zuletzt die Unsicherheiten künstlerischer Existenz und die Unberechenbarkeit des Kunstbetriebs. So wie die Betrachtenden eine auf Leinwand gebannte Katastrophe aus der Distanz beobachten können, verfolgen sie nicht nur, wer in der Kunstwelt scheitert und wer Erfolg hat, sondern tragen aktiv dazu bei.
Die Zukunft ist ungewiss.

Galerie Esther Donatz
Amalienstr. 45 Mgb.
80799 München

Clea Stracke & Verena Seibt: Der Fall K.

Eröffnung: Donnerstag, 27. März 2014, 19-21 Uhr
Ausstellungsdauer: 28. März bis 10. Mai 2014
Reguläre Öffnungszeiten: Mi/Fr 13-18 Uhr, Do 13-19 Uhr, Sa 12-16 Uhr
Weitere Infos unter www.galeriedonatz.de

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