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Supergeil! Der „beliebteste Vollbart der Nation“ singt in der Milla

Anna-Elena Knerich

ist francophil und Europtimistin. Denkt (zu) viel und schreibt deshalb. Am liebsten über Kultur, die Helden des Alltags und das Thema mit dem "Zuhause".
Anna-Elena Knerich

In der DDR war er Puppenspieler, nach der Wende machte er Theater, war viel in Berliner Clubs unterwegs und kam so zu seinen ersten Auftritten als Popmusiker. Wirklich viel Geld verdiente der extravagante Künstler damit aber nicht. Um keine Miete zahlen zu müssen, lebte er deshalb lange Zeit als sogenannter „Schmuck-Eremit“ in einer Berliner Brillengalerie, wo er quasi zur Ausstellung gehörte: Er war damit nicht nur Künstler, sondern selbst ein Kunstwerk – und so gut wie jeder in Berlin Mitte kannte das vollbärtige Original mit der Sonnenbrille, den goldenen Fingernägeln und den Lackschuhen.

Dann wurde er, Anfang 2014, schlagartig auch im Rest Deutschlands berühmt: In Bio-Milch und Müsli badend, „supergeil“ singend und tanzend wurde er zum „Mann aus der Edeka-Werbung“. Dank seiner Stimme, seines Styles und seines Humors ging die Werbekampagne des Supermarkts durch die Decke, die Videos wurden millionenfach angeklickt. Seitdem ist Friedrich Liechtenstein in der ganzen Republik beliebt und wird von selfiewütigen Fans belagert – und das, obwohl er selbst eigentlich nicht viel mit Konsum am Hut hat.

Dabei ist Friedrich Liechtenstein viel mehr als nur der „supergeile Werbe-Typ“, er kann tanzen, Geschichten erzählen, singen, mehrere Instrumente spielen – kurz: Er ist Entertainer, Performer und Musiker. Der Kulturkanal ARTE hat das längst begriffen und widmete der Stilikone eine zehnteilige  Dokumentationsreihe, in der Liechtenstein in einem – natürlich – goldenen Oldtimer durch Europa fährt, an den skurrilsten Tankstellen singt und spannende Begegnungen an diesen „Nicht-Orten“ macht. In dazugehörigen Web-Tutorials gibt er zudem das Geheimnis seines gepflegten Bartes preis und eine Anleitung zum Tanzen des „Electric Slides“ – denn für Liechtenstein ist Tanzen „ein Gemütszustand, dem man nur durch Tanzen Herr wird“.
Nachdem er bereits eine Autobiografie über sein facettenreiches Künstlerleben geschrieben hat, verrät er in seinem neuen Buch „SELFIE MAN“ nun sein Geheimnis der Leichtigkeit.

Foto1_copyright_Tomaso Baldessarini

Außerdem hat er, um von seinem „Supergeil“-Image wegzukommen, in einer spektakulären Studio-Session noch einmal seine frühen Songs aufgenommen – und zwar 100 Prozent analog auf Vinyl, mit dem Friedrich Liechtenstein Trio: Sein langjähriger Pianist Arnold Kasar interpretiert die poetischen Stücke behutsam und mit sparsamer Elektronik auf dem Flügel und Sebastian Borkowski akzentuiert mit sehnsuchtsvollen Saxophon-, Querflöten- und Bassklarinetten-Tönen die Melancholie der Lieder.

Das Besondere an diesem Album: Das Trio hat es live vor Publikum eingespielt, teilweise improvisiert und ohne Postproduktion. In diesen Liedern singt Friedrich Liechtenstein von terrestrischen Wellen, flüstert poetische Lebensweisheiten, erstaunt mit präzisen Pfeif-Soli und quietscht in „Delphinmann“  gekonnt wie ein stolzer Delfin.

Im November kommt das Friedrich Liechtenstein Trio in die Milla nach München und gibt die Songs des neuen Vinyl-Albums „Schönes Boot aus Klang“ zum Besten. Neben musikalischem Genuss wird dabei sicherlich auch der humoristische Teil an diesem Abend nicht zu kurz kommen, denn seinen Sinn für Humor hat der einstige Puppenspieler nie abgelegt. So ist eines sicher: Das Konzert wird supergeil.


In aller Kürze:

Was? Konzert mit dem Friedrich Liechtenstein Trio
Wann? Mittwoch, 23. November 2016, 20.30 Uhr
Wo? In der Milla
Wie viel? 28,50 € – Karten gibt’s hier.


Fotocredits: © Tomaso Baldessarini

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