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Track’n’Field: Kostenlos Songs aufnehmen im Gasteig

Die Möglichkeiten, Musik selbst zu produzieren, demokratisieren sich immer mehr und ein Laptop macht inzwischen vieles möglich, dennoch sind professionelle Studioaufnahmen nach wie vor sehr teuer. Gerade junge Bands können sich das kaum leisten. Zugleich sind brauchbare Aufnahmen eine wichtige Visitenkarte, um mit Konzert-Promotern und Plattenlabels in Kontakt zu treten. Ein Glück, dass es Initiativen wie das „Track’n’Field“ gibt.

Bands können sich bis zum 20. September bewerben

Ein mobiles Aufnahmestudio der Stadtbibliothek München verwandelt den Gasteig zwischen dem 03. und dem 06. Oktober wieder in ein Aufnahmestudio – ganze 96 Stunden lang! Bis zum 20. September können sich junge Bands noch per Mail bewerben (stb.musikbibliothek.kult@muenchen.de). Wer zu den auserkorenen Musiker*innen gehört, darf kostenlos einen Song einspielen. Pro Tag ist Zeit für drei Slots à drei Stunden inklusive Auf- und Abbau. Zwölf Acts dürfen sich somit zu den glücklichen Gewinnern zählen. Gefilmt werden die Aufnahmesessions mit einer 3D-Cam.

Wir haben mit Karina Fink von der Stadtbibliothek München gesprochen, die das Projekt gemeinsam mit ihrem Kollegen Florian Antonov und in Kooperation mit dem Medienzentrum München und der Feierwerk Fachstelle Pop betreut.

Hallo Karina, woher kommt der Name eures Projekts? Und was bedeutet er?

Der Name kombiniert unsere Konzeptidee – wir bieten jungen Künstler*innen die Chance, ein professionell geschnittenes Video in Ton (track) und Bild (field) aufzunehmen. Das können sie dann für Promozwecke, Contests etc. nutzen. Der Plan: Instrumente, Schaufensteratmosphäre und drei Stunden Zeit für eine richtig gute live Recording Session.

An wen richtet sich euer Angebot speziell?

Das Angebot wurde für Münchner Musiker*innen konzipiert, die noch nicht viele oder keine Studioerfahrung gemacht haben. Bekanntermaßen sind öffentliche Räume in München rar und nicht gerade günstig. Bei Track‘n‘Field können die Musiker*innen daher einen eigenen Song in unserem mobilen Tonstudio aufnehmen. Um professionelles Video- und Recording-Equipment kümmern wir uns – den richtigen Song wählen die Musiker*innen aus. Nur ihre Instrumente (bis auf ein Schlagzeug und E-Piano, welche von uns gestellt werden) sollten die Musiker*innen selber mitbringen.

Was ist neu, anders und einzigartig an Track’n’Field?

Das Besondere an unserem Angebot ist die Möglichkeit, kostenfrei und mit professioneller Unterstützung einen eigenen Song aufzunehmen, der den Musiker*innen dann als fertig geschnittenes Video überlassen wird.

Wir als Bibliothek stehen per Definition für kommerzfreie Räume und niederschwellige Angebote zur kulturellen Teilhabe. Das Medienzentrum fokussiert sich auf medienpädagogische Partizipation, daher sind unsere Kameraleute und Cutter*innen selbst Studierende, Praktikant*innen oder Azubis. Die Fachstelle Pop ist die Anlaufstelle zur Förderung, Vernetzung und Interessenvertretung der popkulturellen Szenen in München.

Wo findet man euch?

Ort der Aufnahme ist das Pixel am Gasteig, der Backstage-Bereich für die Musiker*innen ist in der Bibliothek am Gasteig.

Wie kann ich meine Chancen steigern, beim Wettbewerb genommen zu werden?

Das Durchschnittsalter sollte die 30 nicht überschreiten. Stil und Bandzusammensetzung sind offen, wir versuchen, bei den ausgewählten Bands eine bunte Mischung aus Genre, Geschlecht, Nationalität zu haben. Wir freuen uns umso mehr, wenn wir die Band trotz email-only schon ein bisschen kennen lernen: Wer seid ihr? Was ist eure musikalische Botschaft? Warum ist eure Musik außergewöhnlich / anders / progressiv / goodoldclassic … ?

Welches Feedback und welche Erfahrungen hattet ihr mit den Teilnehmer*innen von der letzte Session?

Alex von vanGoy sagte über die Session: „Wir haben ein live Recording in der Form noch nicht gemacht und wussten nicht, wie es so werden wird, den gleichen Song wieder und wieder zu spielen. Da aber das ganze Team total nett, unterstützend und vor allem sehr humorvoll war, haben wir – wenn wir nicht grad Vollgas gegeben haben – einfach sehr viel gelacht! (…) Ansonsten waren alle ganz professionell, sehr gut vorbereitet und wenn es nur um das Ergebnis ginge, hätten wir wahrscheinlich nach 45 min aufhören können – hat aber, wie gesagt, so großen Spaß gemacht!“

Wie war es für die Bands, gefilmt zu werden? Welche Erfahrungen habt ihr und die Musiker*innen dabei gemacht?

Anfangs war es etwas befremdlich, weil wir drei Frontal- und eine eine 360°-Deckenkamera hatten. Aber nachdem die Stimmung im Studio sehr kuschelig war, waren die Kameras schnell vergessen.

In den ersten beiden Takes hatten wir schon das Gefühl, besonders „visuell“ zu performen und doch „total natürlich“ zu bleiben – aber dadurch dass das Team so auflockernd und nett war, hat sich das Ganze tatsächlich schnell zu einem lockeren, natürlichen Setting ergeben.“ (Alex von vanGoy)

Eine witzige Anekdote vom letzten Mal?

Wir hatten eine Hiphop Crew im Studio, Ultrapluskonzentrat. Weil wir auch Friends und Maskottchen begrüßen, hatten die Jungs einen „zeichnenden Statisten“ dabei, der eine halbe Bananenplantage mit ins Studio brachte. In der Bananengeruch-geschwängerten Luft wurde er formidabelst in die Raps mit eingebunden…

In diesem Sinne – wir freuen uns auf eure Bewerbungen!

Danke für das Gespräch.


Das Interview wurde geführt mit Karina Fink, Referentin für update.jung&erwachsen bei der Münchner Stadtbibliothek.
Fotos: © Stadtbibliothek München

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