Aktuell, Kunst

„… und eine eigene kleine Anarchie entwickeln.“ Über die Ausstellung „Blau Weiß Gold“

Fabian Bross

Flyer_BWG_1.4
Der Münchner Fotograf Julian Schulz stellt ab dem 10. März wieder im
Vereinsheim aus. Wir haben ihn zum Gespräch getroffen.

Blau Weiß Gold – bei dem Ausstellungstitel klingelt bei mir was, hast
Du unter dem Titel nicht schon einmal ausgestellt?

2011 habe ich die Ausstellung „Blau Weiss Gold – Farbfotografien aus
München“ gemacht, die vom Konzept her ähnlich war und die man so gesehen
als ersten Teil einer Serie nehmen kann. Wie auch dieses Jahr waren die
Fotos 2011 mit der Smartphone-Kamera aufgenommen und es ging um eine
bestimmte subjektive Betrachtungsweise von München.

Was ist dieses Mal anders?

Während es damals noch etwas Neues war, Fotos, die mit Handys
aufgenommen waren, außerhalb des privaten Raumes zu zeigen, hat man sich
inzwischen durch Instagram und Co. stärker an diesen Look gewöhnt.
Trotzdem finde ich es spannender denn je mit diesem Medium zu
experimentieren, da es ja immer größere Bedeutung erlangt und manche
Amateure über soziale Medien mit ihren Smartphones eine höhere
Reichweite erreichen als es sich so mancher Profi nur erträumen kann.
Die Frage, in welche Richtung sich die Fotografie in der Gesellschaft
entwickelt, will ich durchaus auch thematisieren – wenn auch nur
nebenbei. In erster Linie geht es mir um das, was auf den Bildern zu
sehen ist.

Der Untertitel der diesjährigen Ausstellung lautet „Anarchie München
Style“. Wo hast Du bitteschön in München Anarchie entdeckt?

Bei der Anarchie, wie ich sie darstelle, handelt es sich in erster Linie
um das Sichnehmen von Freiräumen. München ist sehr dicht, sehr klar,
sehr geregelt. Um einer zu starken Anpassung zu entgehen, muss man
manchmal aus dem Bestehenden ausbrechen, existierende Freiräume finden
oder neue schaffen und eine eigene kleine Anarchie entwickeln. Danach –
wir sind ja schließlich in München – kann man aber wieder zur normalen
Ordnung zurückkehren. Diese Wechselwirkung fange ich in Bildern ein.

Du verknüpfst also zum Beispiel Orte mit ihrem anarchischen Potenzial …

Ich will auch zeigen, dass Anarchie und Freiraum häufig nicht auf einen
Ort beschränkt, sondern ein Lebensgefühl sind. Was also diese Anarchie
ist, ist daher auch sehr stark interpretierbar und an Situationen
gebunden. Auch deshalb habe ich die Ausstellung mit der
Smartphone-Kamera aufgenommen, da diese viel stärker unmittelbare
Aufnahmen und damit auch eine höhere Subjektivität ermöglicht.

Kannst Du mir zwei Motive nennen, auf die ich mich jetzt schon freuen kann?

Insgesamt habe ich recht umfassende Bildserien gemacht, da es mir viel
um die Wechselwirkung zwischen den Motiven geht. Zwei Motive
auszuwählen, ist daher gar nicht so einfach. Erwähnenswert finde ich
aber dennoch das eine Foto, auf dem ein Teller mit Käsekuchen nebst
Hähnchenkeulen zu sehen ist. Das finde ich ein schönes Beispiel von
Mikro-Anarchie, einem kurzen Ausbruch aus den gewöhnlichen Konventionen
des kulinarischen Verzehrs. Auf einem anderen Bild sieht man die Band
Moop Mama“, die vor picknickenden Leuten am Flaucher ein spontanes
Konzert gibt. Ich glaube das steht sehr beispielhaft dafür, was ich an
München so schätze und welche Art des Lebensgefühls ich mit der
Ausstellung ausdrücken möchte.


 

In aller Kürze:

Was? Ausstellung „Blau Weiß Gold. Anarchie München Style“

Wann: 10. bis 24. März

Wo? Vereinsheim, Occamstraße 8

Und sonst? Die Vernissage ist am 10. März um 18.30 Uhr

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