Aktuell, Kultur

Various Others: Mit diversen anderen in die Kunstszene eintauchen

Heike Dempster
Letzte Artikel von Heike Dempster (Alle anzeigen)

Zehn Tage lang zelebriert München Kunst mit einem hervorragenden Angebot an Ausstellungen, Performances, internationalen Begegnungen, und mehr. Various Others bringt lokale und globale Kunstakteur:innen zusammen – und lädt dazu ein, in Kunst einzutauchen und sich auf Entdeckungsreise zu begeben. Wer wissen will, wie lebendig und vielschichtig die Münchner Kunstszene wirklich ist, sollte sich dieses Festival nicht entgehen lassen.

© Cindy Sherman, Unetled #275, 1993, © the arest, Courtesy Sammlung Goetz, München

© Cindy Sherman, Untitled #275, 1993, © the artist, Courtesy Sammlung Goetz, München

Eintauchen in einen temporären Kunstkosmos

Vom 14. bis 24. Mai 2026 wird München erneut zum Hotspot für zeitgenössische Kunst: Various Others (VO) lädt dazu ein, die Stadt als offenen Ausstellungsraum zu erleben. Hinter der Initiative steht ein starkes Netzwerk aus Galerien, Institutionen und Artist-Run-Spaces, die gemeinsam ein Festival auf die Beine stellen, das weit über klassische Ausstellungskonzepte hinausgeht.

Ob große Institutionen wie das Haus der Kunst, das Museum Brandhorst oder das Lenbachhaus, etablierte Galerien wie Max Goelitz, Britta Rettberg, Deborah Schamoni oder Walter Storms – oder unabhängige Projekträume: Im inzwischen siebten VO-Jahr bringt das Team von Christian Ganzenberg wieder alle zusammen. In Kooperation mit internationalen Partnern entsteht ein dichtes Programm, das München für zehn Tage zu einem Ort intensiven künstlerischen Austauschs macht.

Leyla Yenirce Courtesy the arYst and Capitain Petzel, Berlin, Foto: Gunter Lepkowski Leyla Yenirce, 28.01.2026, 2025

© Leyla Yenirce Courtesy the arYst and Capitain Petzel, Berlin, Foto: Gunter Lepkowski / Leyla Yenirce, 28.01.2026, 2025

„Ich hoffe, dass so etwas wie Magie entsteht”

„Eine Ausstellung braucht viel Planung und Koordination, aber das Entscheidende passiert immer erst im Moment – in der Begegnung zwischen Arbeit, Raum und Publikum. Various Others bringt jedes Jahr eine besondere Energie in die Stadt, und viele Galerien zeigen sehr anspruchsvolle Projekte”, sagt Galerist Johannes Sperling und wirkt zuversichtlich, wenn er sagt: „Ich hoffe, dass so etwas wie Magie entsteht.”

Getragen wird das Festival vom VFAMK e.V., der sich für die Sichtbarkeit Münchens als Kunststandort einsetzt – und damit genau das schafft, was der Szene lange gefehlt hat: internationale Strahlkraft und lokale Vernetzung zugleich.

Anousha Payne, face of light (between the cracks)_ and _a fossil of a hand (in the touch of a cheek), 2025, Courtesy of Anousha Payne and Zeyrek Çinili Hamam, Istanbul, photo: Hadiye Cangökçe

© Anousha Payne, face of light (between the cracks) and a fossil of a hand (in the touch of a cheek), 2025, Courtesy of Anousha Payne and Zeyrek Çinili Hamam, Istanbul, Foto: Hadiye Cangökçe

Was Various Others besonders macht, ist das Prinzip der Zusammenarbeit. Galerien schließen sich mit nationalen und internationalen Partnern zusammen, entwickeln gemeinsame Ausstellungen und erweitern so den Diskurs über Stadtgrenzen hinaus.

„Viel Energie in der Münchner Kunstszene“

Ein Beispiel ist die Behncke Galerie, die gemeinsam mit der Berliner Galerie SEXAUER ihre VO-Premiere feiert. In der Gruppenausstellung „Between Image and Space“ untersuchen Künstler:innen wie Luisa Baldhuber, Ornella Fieres, Alexander Iskin und Louis Wessendorff das Spannungsverhältnis von Bild und Raum. Von digitalen Landschaften über KI-generierte Perspektiven bis hin zu malerischen Traumräumen entsteht ein vielschichtiger Dialog darüber, wie wir Wirklichkeit wahrnehmen und konstruieren.

Wie Künstlerin Luisa Baldhuber anmerkt:  „Bei Various Others dabei zu sein, freut mich sehr, weil ich viel Energie in der Münchner Kunstszene wahrnehme. Ich bin gespannt auf neue Vernetzungen und Austausch die sich durch das international orientierte Programm ergeben.”

© Daniel Kraus Behncke Gallery Klenze Palais am Odeonsplatz Ludwigstraße 7

© Daniel Kraus, Behncke Gallery, Klenze Palais am Odeonsplatz, Ludwigstraße 7

Auch Artist-Run Spaces nutzen VO gezielt für langfristige Kooperationen: Nebyula etwa arbeitet mit der Galerie Feiertag aus Kassel zusammen – ein Austausch, der bereits in gemeinsame Ausstellungen mündete und 2027 fortgesetzt wird. In der Schau „Aufzucht und (Un-)Ordnung“ setzen sich Vincent Brod und Janosch Feiertag mit dem Bild der klassischen Kernfamilie auseinander und bringen gesellschaftliche Normen ins Wanken.

Und, wie uns Alexander Scharf, Künstler, und Vorstand und Künstlerischer Leiter von Nebyula mitteilt, wird auch zusätzlich die  Gruppenausstellung META FLESH im Zirka Space präsentiert. Sein extra Tipp:  Auch ein Blick Wert ist die Ausstellung der Frankfurter Hauptschule kuratiert vom Kollektiv pip.”

Zwischen Mythos, Körper und gesellschaftlichen Narrativen

Inhaltlich zeigt sich das Festival so vielfältig wie die Szene selbst. Viele Projekte beschäftigen sich mit Fragen von Identität, Körperlichkeit und gesellschaftlichen Strukturen.

Bei nouveau deuxdeux etwa präsentiert Paola Siri Renard Skulpturen, die das Motiv des Pferdes als Symbol von Macht und politischer Repräsentation aufgreifen. Ihre Arbeiten verbinden anatomische Präzision mit ornamentalen Brüchen und werfen Fragen nach Geschichte, Hierarchie und Alterität auf.

Auch bei Sperling steht die Verbindung unterschiedlicher künstlerischer Positionen im Mittelpunkt: Die Ausstellung „Triangle reshapes the O of my mouth“ von Anousha Payne entsteht in enger Zusammenarbeit mit der Soundkünstlerin Ushara sowie unter Einbeziehung konkreter Poesie von Kitty Doherty. Payne nutzt die Struktur eines Hauses als erzählerisches Gerüst – ein Raum, der zugleich Schutz und Begrenzung symbolisiert. Im Zentrum steht eine Figur, die sich in eine Motte verwandelt – als Metapher für Transformation und Befreiung.

Die begleitende Performance von Ushara erweitert diese Erzählung in den Raum: Zwischen Oper, Ritual und experimentellem Theater verschmelzen Stimme, Klang und Körper zu einer immersiven Erfahrung.

Künstlerin Anousha Payne „möchte Besucher:innen dazu einladen, Übergänge wahrzunehmen: zwischen Menschlichem und Nicht-Menschlichem, zwischen Innen und Außen, zwischen Realität und Imagination.” Sie erklärt: „Die Arbeiten schlagen keine eindeutigen Antworten vor, sondern öffnen einen Raum, in dem Transformation möglich wird – auch im Sinne eines Loslösens von festgelegten Rollen oder Grenzen.”

Frankfurter Hauptschule

© †KUNST† in collaboraYon with Frankfurter Hauptschule, Frankfurter Hauptschule

Kunst erleben: Talks, Performances und Begegnungen

Transformation und das öffnen von Räumen spielt auch erweitert beim Festival eine Rolle. Neben Ausstellungen bietet Various Others ein umfangreiches Rahmenprogramm: Künstler:innengespräche, Panels, Workshops und Screenings laden dazu ein, tiefer in die Themen einzutauchen und mit Akteur:innen ins Gespräch zu kommen.

Eines der vielen Highlights dieses Jahr  ist die Dialogführung mit der Sammlerin Ingvild Goetz, die gemeinsam mit Kurator Karsten Löckemann über ihre langjährige Beschäftigung mit Cindy Sherman spricht. Im Fokus stehen Shermans ikonische fotografische Selbstporträts, die stereotype Frauenbilder inszenieren und zugleich hinterfragen – ein Gespräch, das persönliche Einblicke mit kunsthistorischer Perspektive verbindet.

Tipps für den perfekten VO-Besuch

Wer Various Others zum ersten Mal besucht, sollte sich mit offenem Herz und Geist auf die Kunst einlassen und sich auf Inspiration, Dialoge und neue Gedankenansätze freuen. Und sich auch vielleicht einfach etwas treiben lassen. Die Stärke des Festivals liegt in seiner Dezentralität – verteilt über die ganze Stadt warten unterschiedlichste Orte darauf, entdeckt zu werden. Wer allerdings gerne im Voraus plant, kann sich mit der VO-Website bestens vorbereiten und Routen kreieren.

Ein Tipp von Galerist Johannes Sperling: „Plan schnappen und losziehen! Gerade die Vielfalt macht den Reiz aus – und oft entstehen die spannendsten Momente genau dort, wo man sie nicht erwartet.”

Und noch ein weiterer Tipp: Nicht nur das Eröffnungswochenende zählt. Viele Ausstellungen entfalten ihre Wirkung erst mit etwas Zeit – und laden dazu ein, München auch nach dem ersten Trubel weiter als Kunstlandschaft zu erkunden.

Was, wann, wo?

Was: Various Others – Festival für zeitgenössische Kunst
Wann: 14. – 24. Mai 2026
Wo: Diverse Locations in ganz München
Mehr Infos: variousothers.com

Titelfoto: Ushara / Galerie Sperling