Aktuell, Stadt
Wenn Hitze gefährlich wird: Was in München fehlt
- Wenn Hitze gefährlich wird: Was in München fehlt - 21. Juli 2026
- Sicherer Hafen oder Abschiebe-Zentrum? Münchens Streit um das neue Flughafen-Terminal - 9. Juli 2026
- Neuer Wind im Rathaus: So will Krause München verändern - 23. März 2026
Es ist heiß in Deutschland. Und es wird immer heißer. Mit der jüngsten Hitzewelle fiel der deutschlandweite Temperaturrekord seit Beginn der Wetteraufzeichnung. Er liegt jetzt (Stand 27. Juni 2026) bei 41,8 Grad. Doch nach der Hitzewelle ist vor der Hitzewelle. Schließlich werden mit dem Klimawandel Hitzeperioden häufiger und länger. Höchste Zeit also, dass wir uns für immer heißere Sommer wappnen. Denn Hitze kann tödlich sein.
Laut Schätzungen des Robert-Koch-Instituts starben allein 2025 circa 2500 Menschen direkt oder indirekt an den Folgen extremer Hitze. Tatsächlich gilt Hitze in Europa im Vergleich zu anderen Naturkatastrophen wie Hochwasser mit deutlichem Abstand als das tödlichste Extremwetter.
Besonders für ältere und kranke Menschen, Kleinkinder und Schwangere sind die hohen Temperaturen gefährlich. Daher braucht es gezielte Maßnahmen, um diese Gruppen zu schützen. Und das gilt insbesondere für Städte wie München, die sich deutlich stärker aufheizen als ihr grünes Umland.
So wappnet sich München
Man kann der Stadtregierung nicht vorwerfen, das Thema zu verschlafen. Der Koalitionsvertrag der neuen Stadtregierung enthält viele klimapolitische Vorschläge. So soll die Verwaltung bis 2030 klimaneutral werden, die gesamte Stadt bis 2035. Auch der Beschluss „klimaresilientes München 2050“ soll weiter umgesetzt werden. Der Fokus liegt dabei auf mehr Grünflächen, Flächenentsiegelung und einer konsequenten Freihaltung von Kaltluftschneisen, um die Landeshauptstadt angesichts des Klimawandels fit für die Zukunft zu machen. Und das ist dringend nötig. Denn München ist die am dichtesten besiedelte Stadt Deutschland und leidet schon heute massiv unter den Folgen der Erderwärmung. Durch die enge Bebauung entstehen urbane Hitzeinseln, die sich tagsüber extrem aufheizen und nachts kaum noch abkühlen.
Angesichts der wachsenden Gefahr steuert die Stadtverwaltung auch mit akuten Schutzkonzepten gegen. Seit 2024 informiert ein Hitzewarnsystem, Institutionen mit vulnerablen Personengruppen wie Pflegeheime und Kindergärten, wenn es besonders heiß ist und gibt Hitze-Leitfäden für medizinisches Personal, Pflegepersonal und Angehörige heraus.
Zusätzlich dazu gibt es eine interaktive München-Karte, die Trinkbrunnen und kühle Orte wie Freibäder, Kirchen oder Einkaufzentrum auflistet. Auch über eine eigene Website informiert die Stadt über das Thema und gibt Verhaltenstipps bei Hitzewellen.
Das Problem dabei: Sowohl die Online-Karte als auch die Website sind Angebote, die gerade für viele ältere Menschen eine große Barriere darstellen. Wer online nicht fit ist, wird von diesen Maßnahmen nicht erreicht.
Deshalb reichen all diese Ansätze nach Meinung einiger Experten nicht aus, um Hitzetote zu vermeiden. Was fehlt sind Angebote, die vulnerable Menschen im Fall von Hitze erreichen und vor tödlichen Folgen schützen. Wie das funktionieren kann, zeigen andere Städte und Länder.
Köln: Hitzeschutz per Telefon wird von 3.600 Senior:innen genutzt
In Köln gibt es zum Beispiel seit Sommer 2023 das sogenannte Hitzetelefon. Schon vor dem Sommer können sich Menschen vor dem Hintergrund der individuellen Gesundheits- und Lebenssituation beraten lassen. Teil der Beratung sind unter anderem Tipps dazu, wie man richtig trinkt und isst, wie man die Wohnung und den eigenen Körper am besten kühlt und wie man den Tagesablauf sowie sportliche Aktivitäten anpasst. Außerdem geht es darum, wie bestimmte Medikamente richtig gelagert und eingenommen werden und wie man körperliche oder geistige Veränderungen durch die Hitze erkennt und richtig darauf reagiert. Sobald eine offizielle Hitzewarnung für die Stadt Köln vorliegt, werden die registrierten Personen kontaktiert und sich nach ihrem Befinden erkundigt.
Dieses Jahr haben sich bisher knapp 3.600 Personen für das Hitzetelefon registrieren lassen. Der Altersdurchschnitt aus den Vorjahren liegt bei etwa 83 Jahren. Das zeigt, dass das Angebot genau bei der Zielgruppe ankommt, die online sonst nicht erreicht wird, und wie groß der Bedarf an dieser direkten Unterstützung ist.
Frankreich: Ein Register für den Ernstfall
In Frankreich gibt es mit dem Hitzewellen-Register ein ähnliches Konzept. Das ist ein kostenloses Angebot der Gemeinden, um besonders gefährdete Menschen zu schützen. Konkret richtet sich das Angebot an Senioren, chronisch Kranke oder Menschen mit einer Behinderung, die alleine zu Hause leben und deshalb bei Hitze besonders gefährdet sind. Die Anmeldung für diese Liste funktioniert online, per Post oder telefonisch beim Rathaus. Das können entweder die Betroffenen selbst oder auch Angehörige, Nachbarn und Pflegedienste erledigen.
Das Register kommt immer dann zum Einsatz, wenn im Sommer eine offizielle Hitzewarnung ausgerufen wird. Sobald diese Warnstufe aktiv ist, kontaktieren Mitarbeiter der Stadt oder der sozialen Dienste die registrierten Personen regelmäßig per Telefon. Sie erkundigen sich gezielt nach dem Wohlbefinden, erinnern an das richtige Trinkverhalten und geben Tipps zum Kühlen der Wohnung. Sollte jemand einmal nicht erreichbar sein oder sich der gesundheitliche Zustand am Telefon kritisch anhören, werden Notfallkontakte verständigt oder direkt Hilfskräfte nach Hause geschickt werden. Nach dem Sommer werden die Daten zum Schutz der Privatsphäre wieder gelöscht.
Der nächste Schritt für München
Die Beispiele aus Köln und Frankreich zeigen, worauf es beim Hitzeschutz auch ankommt. Die Hilfe muss aktiv zu den Menschen nach Hause kommen.
Für München wäre ein Telefon oder ein Register eine Möglichkeit, diese Lücke zu schließen. Damit ließe sich sicherstellen, dass gefährdete Menschen bei der nächsten Hitzewelle direkt erreicht werden und Hitzeschutz nicht an der digitalen Hürde scheitert.
Foto oben: pexels | Bence Szemerey