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Wer kriegt was vom Kuchen? Interview mit Kulturstadtrat Richard Quaas

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Das Audio-visuelle Festival Digitalanalog wird von der Stadt München gefördert. Es passt also offenbar zu den Zielen des Kulturreferates. Wie die Kulturförderung in der Stadt organisiert ist und wer aus welchen Gründen ein Stück vom Kuchen bekommt, darüber hat sich Tine Bura mit CSU-Stadtrat Richard Quaas unterhalten. Er ist einer der ältesten und treusten politischen Unterstützer des Festivals.

Herr Quaas, wie funktioniert das allgemein mit der Kulturförderung in München? Wie viel Geld steht da zur Verfügung und wie wird das aufgeteilt?

Das ist natürlich unterschiedlich, wie viel Geld zur Verfügung steht. Prinzipiell besteht der Kulturhaushalt aus festen Kosten für Institutionen wie Museen, die Philharmoniker, die Kammerspiele oder das Volkstheater und der Rest ist Förderung. (Zahlen s.u.) Gefördert werden alle möglichen Projekte. Angefangen von Theater, über bildende Kunst bis hin zur Musik. Wie viel Geld in welchen Topf geht, darüber entscheidet im Grundsatz der Stadtrat. Die Details bestimmt dann das Kulturreferat.

Wissen Sie aus dem Kopf, welcher Bereich am stärksten gefördert wird?

Meines Erachtens dürfte Musik der im Verhältnis am stärksten geförderte Bereich sein. Aber da sind natürlich die Grenzen auch fließend, zum Beispiel zum Tanz und zur darstellenden Kunst.

In welchem Bereich würden sie das Digitalanalog verorten und was für Summen steckt die Stadt da rein?

Das Digitalanalog läuft letztendlich im Musikbereich. Wobei es ein gutes Beispiel für die fließenden Grenzen ist: Es geht um Medienkunst, es werden aber auch Literatur und alle möglichen anderen Kunstbereiche angeboten.
Die Summe um die es hier geht, spielt sich eher im Bereich von mehreren Tausend Euro ab, nicht in den ganz hohen Beträgen. Wobei die natürlich sehr wünschenswert wären für die, die es veranstalten.

Die können Geld natürlich immer gebrauchen, klar…

Genau. Die können immer was damit machen. Deshalb ist der jährliche Kampf um die Zuschüsse, um die sich ja viele bewerben, immer wieder sehr nervenaufreibend. Da geht es oft um tausend Euro hin oder her, ob etwas gelingt oder nicht, ob etwas angeboten werden kann oder nicht angeboten werden kann.
Und da ist das Digitalanalog für mich ein gutes Beispiel dafür, wie eigentlich nur durch Engagement derjenigen, die das Ganze tragen, das Festival jedes Jahr noch stattfinden kann. Weil sich die Summen, auch was die Konsolidierung im Haushalt betrifft, jährlich irgendwie immer wieder ein Stückchen reduzieren. Die Kosten für das Festival werden dagegen aber immer höher. Auch kostenfreie Überlassungen von Gasteig oder Muffathalle, werden immer schwieriger, weil diese Institutionen ja auch mit ihren Haushaltsmitteln auskommen müssen und deshalb versuchen, auf ihre Weise einzusparen.

Im Fall des Digitalanalogs kümmert sich das Kulturreferat vor allem um die Bereitstellung der Räumlichkeiten – in diesem Fall ist es der Gasteig – ist das richtig?

So ist es. Es gibt eigentlich fürs Programm inzwischen so gut wie gar nichts mehr. Und wenn man dann wiederum sieht, dass andere Bereiche oft Fördermittel sowohl für die Räume, als auch für ein spezielles Programmangebot bekommen, dann hat man natürlich immer wieder seine Probleme: Warum da und dort nicht? Das wird schlichtweg mit der Mittelnot begründet. Für den Kulturhaushalt steht eben nur ein gewisser Teil an Geld zur Verfügung und der kann nicht mehrfach ausgegeben werden.
Städtische Organisationen und Institutionen wie Museen, Theater oder zum Beispiel die Philharmoniker werden natürlich auch nicht billiger. Da hängt natürlich auch wieder was dran. Wobei schon versucht wird, dass eben gerade in diesem Bereich, in dem sich auch das Digitalanalog bewegt, natürlich auch in Zukunft Gelder bereit stehen.

Die Förderung für das Digitalanalog ist in den vergangenen Jahren gesunken. Wie erklärt man so eine Entwicklung den Veranstaltern?

Naja, es wird erklärt, dass sich die Gesamtsumme reduziert hat. Da beginnen dann manchmal die Zweifel. Es gibt nämlich Institutionen und Organisationen, die bekommen trotzdem höhere Fördermittel als in den vergangenen Jahren oder bekommen sie für bestimmte Projekte zum ersten Mal. Gleichzeitig leiden andere und werden dann etwas überproportional runtergekürzt.

Was können Sie als Politiker für Projekte tun, hinter denen Sie stehen?

Die Vergabe bei kleineren Projekten läuft ja eher von Amtswegen. Da ist es ab und zu ganz hilfreich, wenn man sich in die Projekte reinkniet und auch bei der Verwaltung klar macht, was für Arbeit gelreistet wird. Ab und an kann man ein bisschen was bewegen, aber das ist eher marginal. Es gibt ja auch viele gute Projekte. Gerade auch im Bereich der Bildenden Kunst hast du als Kulturpolitiker praktisch jede Woche jemanden auf der Matte stehen, auf gut Deutsch, der kein Geld vom Kulturreferat bekommen hat.

Und was raten Sie den Leuten?

Das ist schwierig, jemandem zu erklären. Zum Einen muss man natürlich die Fachreferenten überzeugen, dass das Projekt über das ganz enge Umfeld hinauswirkt. Zum anderen müssen aber auch Eigenmittel vorhanden sein, damit man eine Förderung begründen kann. Das versteht nicht jeder.
Übrigens haben auch viele Probleme, die früher relativ hohe Förderungen bekommen haben, die zurückgefahren wurden. Gerade bei Theaterprojekten kommt das immer wieder vor.

Die Kulturförderung ist natürlich sehr begehrt. Immerhin hat das Digitalanalog es in den Fördertopf geschafft. Wie war das damals und warum hat sich die Stadt dafür entscheiden, diese Veranstaltung zu unterstützen?

In der Medienkunst hat sich, sagen wir mal vor knapp 10 Jahren, sehr viel Neues abgespielt. Das war auch ein gewisser Schwerpunkt, der sich da gebildet hat Anfang der 2000er Jahre. Und München hat eben auch versucht, auf diesem Feld irgendwo mit dabei zu sein. Da war dann eben dieses Angebot von Digitalanalog doch ein herausragendes. Im Verhältnis zu vielen anderen war es gut strukturiert. Die Organisatoren wussten, was sie wollten, haben ein tolles Angebot gemacht und konnten auch ein Programm bieten. Das hat damals den Ausschlag gegeben, dass man gesagt hat, eine Förderung des Digitalanalog ist im Bereich dessen, was auch Ziel der Kulturpolitik in München ist und dass man auf diesem Gebiet eben etwas tun kann. Damals hat das aber noch nicht im Gasteig stattgefunden. Der Umzug kam dann erst, als die Zahl der Besucher deutlich angestiegen ist. Das war auf den Erfolg der ersten Veranstaltungen zurückzuführen. Naja und um diesen Rahmen zu halten braucht es natürlich viele Mühen und viel Geld. Das ist jetzt der tägliche Kampf der Organisatoren. Zwischen dem was möglich wäre und dem, was finanziert werden kann, klafft natürlich eine gewisse Lücke. Durch das große Engagement vor allem von Claudia Holmeier wird aber viel wett gemacht.

Sie waren ja einer der Ersten, die sich für das Digitalanalog stark gemacht haben und setzen sich auch für die Förderung der Medienkunst ein. Warum?

Weil ich überzeugt davon bin, dass Medienkunst in München gerade auf dem Gebiet mit dem sich das Digitalanalog beschäftigt, über die ganzen Jahre etwas unterrepräsentiert war. Außerdem hat mich Claudia Holmeier überzeugt, dass man hier ein breites Feld von Interessenten und auch Interpreten hat. Und gerade auch in Bezug auf die jüngere Szene in München hat die Veranstaltung viel zu bieten. Das hat mich wirklich überzeugt und der Einsatz des Digitalanalog-Teams haut mich jedes Jahr wieder um. Ich finde das bewundernswert und deshalb setze ich mich gerne dafür ein. Obwohl ich auch nicht jede Lautstärke vertrage, die auf dem Festival vorkommt. Aber es ist für jeden was geboten und ich finde es insgesamt ein unglaublich dynamisches Feld. Die sind eigentlich ziemlich alleine, obwohl es ein Feld ist, von dem man meinen sollte, dass ihm ein Stück Zukunft gehört. Denn Medienkunst ist ja in permanenter Entwicklung. Ich denke, das wird uns noch viele Jahre begleiten und wichtiger Teil der Münchner Kulturszene sein.

Sie haben gesagt, das Digitalanlog würde zu den Zielen der Kulturpolitik in München passen. Zu welchen denn?

Zu den Zielen, dass man auch junge Kunst fördert, dass man Kunst fördert, die nicht in den Institutionen verhaftet ist und dass man auch versucht, neuen Kunstarten in München eine Heimat zu geben. Es sind ja noch andere Städte durchaus mit dran, Berlin hat da ja auch eine gewisse Szene…Wobei ich sagen muss: durch das Digitalanalog und das Engagement dabei hat München eine relativ herausgehobene Stellung. Wenn man auch sieht, was in Wien, in Zürich und so weiter vor sich geht, ist es etwas, was ganz speziell in München einen guten Platz gefunden hat. Auch in der Zukunft sollte das aus meiner Sicht in der Zielsetzung des Kulturreferats drin sein, dass man diesen Teil der Medienkunst ganz stark fördert, weil wir hier in München mit Digitalanalog fast einen „Cluster“ haben, wie man auf Neudeutsch sagen würde.

Wir werden sehen, was die Zukunft bringt – vielen Dank für das Gespräch.

Hintergrund: Zahlen der Kulturförderung in München

Das zahlungswirksame konsumtive Ausgabenbudget des Kulturreferats 2012 (s.o. feste Kosten) ohne Personalkosten, Bauunterhaltsmittel und Stiftungszuschuss beträgt rd. 115,8 Mio. €.

Diese Summe verteilt sich auf

Stadtbibliothek 11,2 Mio. €
Philharmoniker 11,2 Mio. €
Galerie im Lenbachhaus 5,0 Mio. €
Stadtmuseum 4,1 Mio. €
Jüdisches Museum 0,9 Mio. €
Volkshochschule 11,8 Mio. €
Deutsches Theater 3,8 Mio. €
Volkstheater 6,7 Mio. €
Pasinger Fabrik 0,8 Mio. €
Kammerspiele 31,9 Mio. €
Kernreferat 28,4 Mio. €

Die Summe von 28,4 Mio. € bei den Abteilungen des Kernreferats setzt sich zusammen aus:
17,4 Mio. € Zuschüsse nach den Zuschussrichtlinien (institutionelle und Projektzuschüsse), davon 16,65 Mio. € stadtratspflichtig und 0,75 Mio. € auf dem „Büroweg“ sowie

11,0  Mio. € Programmmittel  (Festivals, z.B. Biennale, Dance, Rodeo; Programmmieten z.B. im Gasteig; sonstige Eigen- und Mitveranstaltungen)
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Förderkriterien des Kulturreferats für Kulturförderung in München

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Weitere Mucbook-Artikel über das Digitalanalog

Geschichte des Digitalanalog im Wiki Sub-Bavaria

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Veranstaltungskalender Facebook /Digitalanalog 10

Lineup des Digitalanalog 10

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