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Wie ist das Leben als Altenpfleger?

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Daniele Montanelli arbeitet in einem Münchner Altenheim in der gerontopsychiatrischen Abteilung. Als er nach der Schule nicht wusste, was er tun soll, machte er ein Freiwilliges Soziales Jahr im Pflegebereich und hängte später eine dreieinhalbjährige Ausbildung zum Gesundheits-, Krankenund Altenpfleger dran. Ein Beitrag aus der Rubrik „berufen“ im aktuellen mucs-Magazin.

Das Interview hat unser mucs Autor Markus Kukkonen geführt!

Gab es bei der Arbeit Ãœberraschungen, mit denen du nicht gerechnet hattest?
Am Anfang weiß man wirklich nicht, worauf man sich einlässt. Doch ich hatte schon zwei Jahre Erfahrung, weil ich ein Freiwilliges Soziales Jahr gemacht habe und eine Ausbildung zum Altenpfleger. Deswegen gab es nicht so viele
Ãœberraschungen.

Was sind die schönen Aspekte des Berufes?
Man kann mit den alten Leuten Späße machen. Allerdings ist es auch sehr interessant, die Erfahrungen der alten Menschen zu hören, weil sie schon so viel erlebt haben.

Was nervt manchmal?
Es gibt Heimbewohner, die eine ziemlich starke Demenz haben und sich nicht kontrollieren können.

Spürst du dadurch eine seelische oder körperliche Belastung?
Auf jeden Fall! Es kommt darauf an, wie die Heimbewohner gelaunt sind, was oft vom Wetter abhängt, aber auch, wie die Kollegen drauf sind. Es gibt stressige und weniger stressige Tage.

Was verdient man eigentlich als Altenpfleger?
Meiner Meinung nachist es ein bisschen unterbezahlt und wird nicht genug anerkannt. Vielleicht ist es durch diese fehlende Anerkennung ein bisschen unterbezahlt. Es ist irgendwo auch nicht ganz fair, weil es Kollegen gibt, die haben weniger Ausbildungen als ich und verdienen trotzdem mehr. Ich verdiene so 1.500 Netto monatlich.

Wie eng oder emotional ist das Verhältnis zu den Heimbewohnern?
Man braucht eine gewisse Professionalität, um den Job machen zu können. Man darf nicht zu viel darüber nachdenken, dass
der eine jetzt diese Krankheit hat und der andere hat das. Du musst das auch irgendwo zur Seite legen können und eine bestimmte Kälte oder Abgebrühtheit haben. Natürlich fühlst du dich zu manchen Heimbewohnern mehr hingezogen, aber du
musst immer gucken, dass du alle gleich behandelst.

Liegt dein Schwerpunkt bei persönlicher Zuwendung oder eher bei medizinischer Betreuung?
Wir müssen hier alles machen. Wir haben medizinische Betreuung, aber auch den sozialen Betreuungsaspekt, der leider etwas vernachlässigt wird, weil wir sehr viel Bürokratie erledigen müssen. Das nimmt wirklich sehr viel Zeit weg.

Was war dein einprägsamstes Erlebnis im Heim?
(überlegt)…Man erlebtso viel.

Wie hoch ist der Flirtfaktor?
Hmm… der Flirtfaktor. Naja, wenn eine andere Kollegin in deinem Alter auf der gleichen Station ist, dann werden schon manchmal Sprüche losgelassen.

Wie lange hast du gebraucht, um dich an die Körperpflege der Bewohner zu gewöhnen?
Ich hatte keine Berührungsängste, also nicht so lange. Aber wenn man Berührungsängste hat, sollte man nicht Altenpfleger werden.

Lebenslänglich Altenpfleger – kannst du dir das vorstellen?
Nein.

Foto: Christin Büttner

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