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Stadt, Wohnen trotz München

Städtische Wohnungsgesellschaft wirft digital-analog-Festival raus

Josephine Musil-Gutsch

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Digitalanalog ist ein „weitverwurzeltes Szenegewächs“, das die „Lust am Medienmix“ die „Kreativwirtschaft unsere Stadt vereint“, schrieben wir letztes Jahr auf MUCBOOK. Jetzt müssen die Macher des Festivals einen herben Rückschlag einstecken: die Kündigung ihrer Lagerräume. Wir haben mit der Vorstandsvorsitzenden von digitalanalog, Clauda Holmeier, über den Mietwahnsinn in München gesprochen.

Digitalanalog ist eine Veranstaltung, die vor Kreativität nur so übersprudelt. Letztes Jahr wurde auf dem Festival im Gasteig eine Mischung aus Musik, Performance, Visuals, Literatur, Modedesign, Designkultur und Clubwelt präsentiert, wie sie in München selten zu finden ist. Aus unterschiedlichen Szenen und Genres laden die Macher jedes Jahr zu Lesungen, Konzerten und Diskussionen und fahren dabei ein breites Band an Künstlern und Akteuren der Subkultur auf. Eine schöne Sache, die die Kultur unserer Stadt bereichert, finden wir von mucbook.

München ist eine schöne Stadt, aber keine schöne Stadt wenn es um ihren Mietraum geht. Umso trauriger ist die Neuigkeit, die die Macher von digitalanalog nun verkünden müssen: Nach langem Hin und Her wurde ihnen jetzt der Mietvertrag für ihre Lagerräume im Keller und ihr Büro und Tonstudio gekündigt.

Schon 28 Jahre hat Claudia Holmeier die Räume in der Klenzestraße gemietet, vormals als Designfirma, seit 2002 für die Festivalreihe digitalanalog. Es war ein Schock für sie, als sie vergangenes Jahr von einer Nachbarin darüber informiert wurde, dass eine umfangreiche Wärmesanierung von Seiten der GWG geplant sei und die Kellerräume geräumt werden müssten. Nach einer Zentralisierung der Hausverwaltungen der GWG seien sie als Gewerbeflächenmieter wohl einfach untergegangen und hätten deshalb nicht direkt von der Sanierung erfahren, sagt Claudia Holmeier. Nach einer Nachfrage bei der GWG wurden dann ein Vororttermin mit der Architektin vereinbart. „Das allererste was sie zu uns gesagt hat, war: „Sie sind hier ja sowieso illegal…“, erzählt Holmeier. Nach Klärung der Rechtslage stand laut Holmeier allerdings schon bald fest, dass der Vertrag ein richtiger Gewerbemietvertrag war.

Was nun folgt, klingt wie eine nervenaufreibendes Hin und Her. Nach weiteren Besprechungen mit dem Sachbearbeiter, sei im Dezember letzten Jahres schließlich die fristlose Kündigung für die Räume von digitalanalog in Holmeiers Briefkasten gelandet. An die Begründung des Sachbearbeiters erinnert sich Holmeier wie folgt: Dadurch, dass digitalanalog einen Rechtsanwalt eingeschaltet habe, seien sie für die GWG als Mieter nicht mehr akzeptabel. Solange er bei der GWG ist, würden digitalanalog nie wieder einen Mietvertrag dort bekommen.

Aus der gemeinnütziger Tätigkeit zusammen mit den Stadträten aus den vergangenen Jahren und weil das Festival teilweise von Stadtratszuschüssen unterhalten wird, war es den Machern nun möglich mit Stadträtin und Vorsitzenden der GWG Claudia Tausend über ihr Problem zu sprechen. Die Stadträtin sicherte ihnen zu, dass sie einen neuen Mietvertrag für die Lagerräume und einen geänderten Vertrag für Büro und Tonstudio erhalten würden. Nach einer weiteren Besprechung mit der GWG gingen Holmeier und ihr Team nun davon aus, einen neuen Mietvertrag zu bekommen.

„Aber so gingen die Monate ins Land und Ende Juni kam dann die Klage von der GWG, weil wir unsere Räume seit der ersten Aufforderung nicht geräumt haben“, so Holmeier. Ein weiteres Problem sei zudem, dass man mit einem Gewerbemietvertrag praktisch keine Rechte habe und nicht dagegen vorgehen könne. Einem anderer Gewerbemieter im Hof gehe es auch nicht besser, er würde ebenfalls stark eingeschüchtert. „Es ist schon ein starkes Stück für die Gesellschaft der Stadt, dass sie solche Praktiken anwendet wie Miethaie.“, stellt Holmeier fest.

Auf Hilfe von oben hoffen die Macher vergebens: „Wir haben uns an das Referat für Arbeit und Wirtschaft gewandt, aber wir haben nicht den Eindruck, dass man Interesse an uns und unserer Situation hat.“
Holmeier zieht daraus eine haarsträubende Bilanz. „Ich finde es schlimm, wie von einer städtischen Institution mit Mietern umgegangen wird. Es traut sich auch keiner mehr was zu sagen, alle haben Angst um ihre Wohnmöglichkeiten.“, fügt sie hinzu.

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