Kultur, Nach(t)kritik

A7X – das war wohl nix

Letzte Artikel von Annina Blum (Alle anzeigen)

Avenged Sevenfold war da – oder eben auch nicht. Pfiffe, Schlachtrufe, Fangesang. So stellt man sich das perfekte Ambiente für ein Metalkonzert vor. Leider alles nur Theorie, denn das Problem war, dass das Publikum am vergangenen Samstag nicht in, sondern vor der Münchner Tonhalle tobte.

Das lang ersehnte Konzert der kalifornischen Band Avenged Sevenfold war schon Monate im Voraus ausverkauft und wegen enorm großer Nachfrage von der Theaterfabrik in die größere Tonhalle verlegt worden. A7X, wie die Band von Fans genannt wird, war überwältigt von dem Ansturm auf die Tickets und kündigte auf deren Homepage eine bombastische Tournee an, auf der jede Show ein Erlebnis werden würde. Nur leider nicht für die Fans, die zahlreich in München erschienen sind, dem einzigen Halt in Süddeutschland.

18.30 Uhr : Ankunft

An der Kultfabrik angekommen, ist die große Menschentraube, die sich vor dem Eingang der Tonhalle drängelt, weder zu übersehen, noch zu überhören. Das Publikum, vertreten in allen Altersklassen und Szenenfarben, heizt sich selbst schon mal damit ein, Songs der Band und A7X-Schlachtrufe durch die Luft schallen zu lassen. In welche Richtung man auch schaut – glückliche und erwartungsvolle Gesichter, gespannt auf die Show der Amerikaner. Apropos Amerikaner, auch die Landsleute des Mainacts sind scharenweise angereist. Einige der in Deutschland stationierten Soldaten sind schon gut bei der Sache und feuern die Band schon vor der Halle mächtig an. „In Amerika sind Avenged Sevenfold schon alte Hasen im Medienzirkus. Sie sind schon einige Jahre sehr erfolgreich mit ihrer Musik und nun wollten wir sehen ob sie Deutschland genauso rocken können, wie die USA. Zudem bringen sie uns ein Stück Heimat mit. Wir freuen uns total auf die Show!“, lacht Steve, 35, ursprünglich aus San Diego. Neben Fans aus Baden-Württemberg und Hessen, fanden auch einige Österreicher, Holländer, Franzosen und sogar Slowenen den Weg in die bayrische Hauptstadt, um ihre Lieblingsband zu sehen, die unter Anderem auch schon im Vorprogramm von Metallica spielte.

19.00 Uhr: Einlasszeit

Eigentlich, denn die Tore bleiben zu. Auch zwanzig Minuten später stehen die Fans immer noch wartend vor der Halle. Auch lustig gemeinter Applaus für die Securities, die, allem Anschein nach endlich aufmachen würden, ändert die Situation nicht. Im Gegenteil. Unter den Wartenden wird schon gewitzelt, um sich die Zeit zu vertreiben: “Der Sänger sitzt bestimmt noch auf dem Klo” oder “Die sind alle noch kurz zum Burger King gegangen, was Essen.” Doch um halb acht, macht immer noch keiner der Sicherheitskräfte, Anstalten, die Fans hineinzulassen. Die Menge wird zunehmend unruhig und protestiert lauthals. Die anfängliche Gelassenheit schwenkt um in Wut, nicht länger in der Kälte herumstehen zu wollen und endlich das Konzert zu sehen.

19.45 Uhr: Das Chaos ist peferkt

Wütende Fans, ratlose Gesichter. Niemand weiß, warum sich die Türen nicht öffnen, obwohl die Show offiziell in Kürze beginnen soll. Was ist passiert? Plötzlich bemerken ein paar Wartende, auf dem Balkon über ihren Köpfen, einen Mann, offensichtlich vom Security-Team, der verzweifelt versucht, den Leuten irgendetwas zuzurufen. Gegen Zweitausend aufgebrachte Fans kommt er natürlich nicht an – so ganz ohne Megaphon. Als er dies begreift, kommt er zehn Minuten später mit einem DIN-A4(!)-Blatt zurück, mit welchem er wild herumwedelt. Darauf konnten die Vornstehenden entziffern:

„Sänger krank. Karten können bei VVK zurückgegeben werden.“

Bis diese Hiobsbotschaft auch den Letzten erreicht, dauert es eine geschätzte Ewigkeit. Einige machen sich bereits auf den Heimweg, während Andere einen schlechten Scherz vermuten und lauthals protestieren. „What the fuck!!!“, schallt es von den Amerikanern. „Das is jetzt net woar oda?!“ von den Österreichern.

20.15 Uhr : „The Wicked End“ eines turbulenten Abends

Marco (21), Linz: „Wir sind extra aus Österreich angereist um die Band zu sehen. Einer von uns hat sich sogar freigenommen. Nun war der Weg für die Katz und das ganze Geld für Unterkunft und Anreise ist futsch. Ich bin verdammt enttäuscht.“

Lynn (18), Marseilles: „Ich habe das Konzert mit einem Kurzurlaub in München verbinden wollen und habe mich sehr darauf gefreut. Ich habe stundenlang vor der Konzerthalle gewartet, alles umsonst. Warum haben die uns nicht vorher Bescheid gesagt? Sonder erst kurz vor knapp? Ich finde, dass das eine Frechheit ist. Trotz allem wünsche ich Matt (Sänger der Band, Anm. d. Verf.) gute Besserung und dass er bald wieder auf die Beine kommt.“

Nicole (37), Aschaffenburg: „Der Ausfall ärgert mich tierisch, aber besser so, als ein Konzert, dass bei der Hälfte abgebrochen wird und qualitativ zu wünschen übrig lässt.“

20.50 Uhr: Message to German fans…

Auf facebook teilt die Band mit, dass die Entscheidung, das Konzert abzusagen, wegen plötzlicher und unvorhersehbarer Erkrankung, kurzfristig getroffen wurde. Es täte ihnen sehr Leid und sie würden es wieder gutmachen… Abschließend ist zu sagen, dass die Wut der Fans verständlich und nachvollziehbar ist, eine Krankheit aber jederzeit auftauchen und die Tour – im wahrsten Sinne des Wortes – vermasseln kann, dies aber dennoch in den meisten Fällen absehbar ist.

Die Art und Weise, wie dies den Fans mitgeteilt wurde war unprofessionell und viel zu kurzfristig. Die Karten können an den Vorverkaufsstellen zurückgegeben werden, tröstet aber wenig, vor allem diejenigen, die mehrere hundert Kilometer weit gefahren sind, um Avenged Sevenfold live zu sehen. Es ist auch fraglich ob das Konzert nachgeholt wird. Man darf also gespannt sein, wie die Band die Sache „wieder gutmachen will“.