Kultur, Nach(t)kritik

„MFG- Mit freundlichen Grüßen…“

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„…bevor wir fallen, fallen wir lieber auf!“ und das taten die Fantastischen Vier zu genüge. Am gestrigen Samstag lieferten die vier Schwaben eine eindrucksvolle Show in der Olympiahalle. Von einem halbnackten Thomas D, über Klassikinstrumenteinlage, bishin zum Gitarrensolo von Michi Beck. Rockstars oder alter Stuttgart Rap?

Die gewaltige Bühnenkonstruktion und eine knallige Lichtshow, von der man noch einen Tag danach Augenflimmern hat, bilden den Rahmen für den Auftritt der Fantas. Egal ob mit Liveübertragung, riesiger Diskokugel oder Nebelschleier ist die Show ein Hingucker. Teilweise an ein UFO erinnernd begreift man nun den Zusammenhang zur Vorgruppe, die aussah wie die Crew um Captain Kirk.

„Guten Abend Monaco…äh München“, begrüßt Smudo die Fans. Doch die meisten sind wohl eher damit beschäftigt, sich mit dem verschleierten Etwas zu beschäftigen, dass sich Rundbühne nennt. Niemand hat an dem Abend einen schlechten Platz? Naja, trifft nur teilweise zu, denn die Vorgruppe muss sich mit einer kleiner Bühne am Rande begnügen. Die Menschen auf der anderen Seite bekamen ein schlechtes Beamerbild zu sehen.

Alle sind gespannt auf Senkrechtstarter Marteria, der mit „Verstrahlt“ den Ohrwurm des Jahres lieferte. Doch was ist das? Eine Gruppe fremdartiger Wesen betritt die Bühne. Eine Mischung aus Darth Vader und den Power Rangers bildet also die Band des Rappers. Passend heißt die Formation auch noch „Band Of Robots“ und die unterstützt mit dementsprechenden Bewegungen und Leuchtstäben, die man vom Flughaufen kennt, den Berliner. Leider ist der Sound ziemlich mies. Extremer Hall, Ausfall der Mikros und die Lautstärke spielt nicht so mit wie erwünscht. Die Einlage von Marteria wird leider zum Reinfall. „Die letzten zwanzig Sekunden“ dauern fünf Minuten, in der der Rapper dann nochmal versucht das Publikum zu animieren.

Nach dem enttäuschenden Anfang machen die Fantastischen Vier alles wieder wett und sorgen für Chorgesänge des spontan ernannten bayrischen Gospelchors – dem Publikum – und für offensichtlich überschwänglichen Damen, die es sich nicht nehmen lassen, ihre Slips auf die Bühne zu werfen. Alles in allem erinnert die gut zweieinhalbstündige Show schon eher an Rockstars, als an Deutschrap, vor allem als Michi Beck seine verstimmte Gitarre auspackt und ein Solo hinlegt. Die einen nennen es charismatische Stimmungsmache, die anderen einstudierte Routine.

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Langeweile kommt jedenfalls nicht auf. Mit Hebebühnen, die die Akteure verschwinden und wieder auftauchen lassen und einer kleinen klassischen Soundeinlage ist der Abend wie ein Überraschungsei: Spiel, Spaß und Spannung ist die Devise. Trotz allem Spektakel scheinen die Vier aus dem Ländle, auch nach über zwanzig Jahren, auf dem Boden geblieben zu sein. Sie erinnern sich an frühe Auftritte in München, als das Backstage noch Schauplatz war.

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Diese sympathische Art und die Stetigkeit ihrer Musik machen den Erfolg aus. Deutlich wird dies an der Reaktion der Fans, wenn Hits wie „MFG“ oder „Sie ist weg“ trotz ihres Alters von allen mitgesungen werden. Auch neues Material wie „Danke“ oder „Gebt uns ruhig die Schuld (den Rest könnt ihr behalten)“ ist dabei und sorgt für schunkelnde Ränge.

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Zusammenfassend ein spannender, aber auch lustiger Konzertabend mit symphatischen Akteuren, aber leider teilweise schlechtem Sound und enttäuschendem Marteria. Trotzdem jederzeit wieder!

Fotos: (c) Charlotte Frey

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