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Albrecht Fuchs über Martin Fengel #24

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Heute ist wieder Zeit für ein neues Foto des Künstlers Martin Fengel – an der Wand unseres Foyers und in unserem Blog. Kommentator der Woche ist der Fotograf Albrecht Fuchs. Er selber hat gerne Künstler wie Fatih Akin, Christoph Schlingensief und Iggy Pop vor der Linse. „Indem er mit der Kamera eine respektvolle räumliche Distanz zu seinen Modellen einhält, schafft er Bilderwelten, die über das Konzept eines normalen Portraits hinausgehen“, schreibt Julia Schmitz auf kunst-magazin.de. Seine Gedanken zu dem nicht minder normalen Stilleben von Martin Fengel betitelt er mit „Left Leg“.

Left Leg

Martin Fengels Liebe zu Naturkundemuseen ist bekannt. Seit langen Jahren besucht er sie regelmäßig, stets ausgerüstet mit einer kleinen Kamera, um auf etwaige Unstimmigkeiten und Missstände aufmerksam zu machen.

Im vorliegenden Bild sieht man, an einer grob verputzten schmutzigrosa Wand hängend die Darstellung eines menschlichen Skelettes und eines linken Beines, welches von hinten zu sehen ist und mit der englischen Beschriftung „Left Leg“ versehen ist. Alles unter Einbeziehung von Venen (blau) und Arterien (rot) in Form einer Zeichnung von J. Tech.

Am linken Bildrand zu erahnen ist eine ähnliche Zeichnung, von der man nur einen Unterarm und den Teil eines Beines sieht, und welche zu tief hängt. Im Vordergrund, das rechte Bein des Skeletts verdeckend, der in seiner offenkundigen Fehlplatzierung wohl eigentliche Anlass der Aufnahme, das Modell eines Blütenaufbaus in großer Vergrößerung aus Porzellan, auf einem blauen angestaubten Sockel.

Oben, zentral in der Mitte an Kronblatt und Staubblatt lehnend, eine verknickter und mit Tesafilm in Form gehaltenen schematische Darstellung eines Fruchtknotens aus Pappe, die mit kleinen, schwer erkennbaren weiß-rote Gesichtsaufklebern versehen ist. So zumindest sieht es aus. Rechts unten in der Ecke befindet sich ein Gegenstand, der wie eine rosa Kartoffel aussieht. Darüber, schräg unter die Zeichnung reichend, lehnt etwas, das wie eine Armierungsstange aussieht.

Der einleitende Satz ist nicht wahr. Warum das Bild entstanden ist (und wo und wie) ist natürlich völlig egal. Schaut man es sich länger an, wird man in eine seltsame Welt gezogen. In eine Welt, in der kopflose Skelette mit huldvoll geöffneten Armen, auf verdrehten linken Beinen den Gott der Blume anbeten, zum Beispiel.

Ein Begleitblog zum Projekt “Wachs” von Martin Fengel:
Martin Fengel schickt jede Woche einem Künstler, Autor und anderen Menschen, dessen Arbeit oder Werk er besonders schätzt, ein Foto mit der Bitte, dies zu betrachten und ein paar Zeilen über die einströmenden Assoziationen aufzuschreiben. So entsteht zu dem optischen auch ein textliches Kompendium, was sowohl die Möglichkeit der Interpretation oder einfach nur der Beschreibung birgt.

Auf mucbook und im Blog der Villa Stuck zeigen wir jeden Montag – wenn das neue Bild aufgehängt wird – was sich eine Person dazu dachte.

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