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Laura Goudkamp

Sie lebt, liebt und leidet in Schwabing und studiert trotz enormen Zukunftsängsten leidenschaftlich gerne Politikwissenschaft.
Laura Goudkamp

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Der Geschwister-Scholl-Preis geht dieses Jahr an Liao Yiwu für sein Buch „Für ein Lied und hundert Lieder“. Liao Yiwu, der 1958 im Sechuan geboren wurde, ist bekannt als Dichter und Romanautor. Er wuchs in der großen Hungersnot der 60er Jahre auf und schlug sich jahrelang mit verschiedensten Tagelöhner-Jobs durch. 1989 publizierte er das Gedicht »Massaker«, in dem er das Blutbad auf dem Platz des Himmlischen Friedens anprangerte. Das zog eine vierjährige Haftstrafe nach sich. 2009 das Buch »Fräulein Hallo und der Bauernkaiser – Chinas Gesellschaft von unten«, das in Deutschland von Kritikern euphorisch gefeiert wurden.
Im Mai 2011 wurde Liao durch die Behörden verboten, seine Werke im Ausland vorzutragen oder zu veröffentlichen.

Jurybegründung:

„Der Geschwister-Scholl-Preis wird Liao Yiwu für sein Buch „Für ein Lied und hundert Lieder. Ein Zeugenbericht aus chinesischen Gefängnissen“ verliehen. Das Manuskript dieses erschütternden, wilden und mitreißenden Buches wurde von den chinesischen Behörden mehrmals beschlagnahmt – und so musste Liao es mehrmals schreiben. Im Juni dieses Jahres hat er sich ins Exil nach Deutschland absetzen können, wo das Buch nun auch erschienen ist. Geschildert werden darin die vier Jahre der Inhaftierung des Autors von 1990 bis 1994. Liao hatte am Vorabend des Massakers auf dem Platz des Himmlischen Friedens am 4. Juni 1989 in Peking ein prophetisches Gedicht geschrieben, für das er ins Gefängnis geworfen wurde. Sein epischer, drastischer Bericht handelt von der Brutalität und Absurdität willkürlicher staatlicher Repression. Er gilt aber nicht allein dem persönlichen Schicksal des Autors, der wie andere verfolgte Künstler seines Landes vielfach einer existentiellen Unterdrückung ausgesetzt war. Vielmehr unternimmt es Liao Yiwu in seiner starken, mal illusionslosen, mal bildreichen Sprache, allen Erniedrigten Chinas eine Stimme zu geben. Der Schriftsteller kämpft einen literarischen Kampf für die Wiederherstellung der Menschenwürde – er ist ein großer Künstler und ein mutiger Chronist zugleich. Liao Yiwu hat seinen eigenen Kopf und seinen eigenen Ton. Gerade damit ist er im Sinne des Vermächtnisses der Geschwister Scholl ein Vorbild für alle, die gegen Ungerechtigkeit und Diktatur aufbegehren. Sein Werk steht in besonderer Weise für moralischen und intellektuellen Mut. Mit der Auszeichnung von Liao Yiwu verbindet sich die mahnende Hoffnung, dass er einmal in ein freies, demokratisches China zurückkehren möge.“

Die Verleihung des Preises findet im Rahmen des Literaturfests München (10. bis 27. November) am Montag, 14. November, um 19 Uhr in der Großen Aula der Ludwig-Maximilians-Universität München
statt (geschlossene Veranstaltung). Nähere Infos gibt´s hier!

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