Kultur, Nach(t)kritik

„The Kills“ calling

Laura Goudkamp

Sie lebt, liebt und leidet in Schwabing und studiert trotz enormen Zukunftsängsten leidenschaftlich gerne Politikwissenschaft.
Laura Goudkamp

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Kills

Mit einem knappen „Good Evening“ begrüßt Jamie Hince, die eine Hälfte von „The Kills“, das Münchner Publikum, bevor er sich seine Gitarre umhängt. Endlich haben es die beiden adretten Musiker des britisch-amerikanischen Rockduos auch in die bayerische Hauptstadt geschafft und dort ordentlich Glamour und Gitarrenriffs versprüht.

„The Kills“ touren zurzeit mit ihrem neuen Album „Blood Pressure“ durch ganz Deutschland. Hohen Blutdruck haben die Fans gestern Abend in der Tonhalle auf jeden Fall gehabt, spätestens als Alison Mosshart, die finstere Rockröhre mit rot-schwarzer Haarpracht, auf die Bühne tritt. Die amerikanische Sängerin macht das Publikum mit einer einmaligen Performance atemlos. Im Takt zu den harten, abgehakt wirkenden Gitarren-Riffs krümmt und verbiegt sich ihr schlanker Körper wie in Trance. Zu den Klängen wirbelt sie ihre Mähne wild durch die Gegend, sodass man ihr Gesicht kaum sieht. Im Hintergrund begleiten jeweils zwei Trommler die rauen Takte der Kills.

Hince dagegen scheint das komplette Gegenteil seiner Bandkollegin zu sein. Kühl und kontrolliert steht er auf der Bühne, höchst konzentriert auf die jeweilige E-Gitarre. Hin und wieder wirft er Mosshart einen wohlwollenden Blick zu und das ein oder andere Mal kann er sich ein schiefes Lächeln seiner sonst bewegungslosen Miene nicht verkneifen. Zwischenzeitlich bringt er das Publikum mit einem Gitarrensolo zum Toben.

Die beiden bilden eine ganz einmalige Symbiose. Die Spannung zwischen den zwei Musikern ist die ganze Zeit deutlich spürbar. Auf der Bühne nähern und entfernen sie sich und spielen so auch mit dem Publikum.
Die Songs des neuen Albums, wie „Satellite“ oder„Future stats slow“ erinnern zwar an frühere Kompositionen, trotzdem kann man davon nicht genug kriegen. Natürlich werden auch die älteren Hits feierlich zelebriert. Alison mit ihrer rauchigen Stimme wechselt zwischen den Klangfarben wie die Bühnenbeleuchtung. Zwischen teilweise ruhigen Phasen kreischt sie auch mal ins Mikrofon. Jamie Hince´ Stimme ist trotzdem immer im Hintergrund als Kontrast zu hören. Bei „Cheap and Cheerful“ kennt die Sängerin kein Erbarmen mehr. Provozierend geht sie auf das Publikum zu, um dann in einem Kniefall ihren letzten Song zu beenden und enthusiastisch zu schreien „It´s allright to be mean!“ Natürlich fordert das Publikum eine Zugabe.

Diese beginnt mit dem ruhigen und wenig rockigen Song „ The Last Goodbye“ – Jamie Hince nun am Piano. Eine kleine Pause, um den Blutdruck wieder auf normale Werte sinken zu lassen, aber nicht für lange. Mit einem fulminanten Finale beenden „The Kills“ das Konzert, um anschließend Hand in Hand die Bühne zu verlassen.

Goodbye Jamie und Alison, München loves you!

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