Kultur, Live, Nach(t)kritik

Beirut auf dem Tollwood oder: Der kürzeste Roadtrip, den wir uns hätten vorstellen können.

Anika Landsteiner

Anika Landsteiner

Autorin und Bloggerin. Man kann mich locken mit Rotwein, Jazz und die drei ???, am liebsten bin ich jedoch barfuß am Strand, irgendwo in fernen Ländern und mit einem Buch in der Hand.
www.anidenkt.de
Anika Landsteiner

Es war ein bisschen arg heiß. 32 Grad im Zelt, Menschen mit roten Gesichtern, die sich schon vor dem Konzert das kalte Helle an die Wangen pressten. Und trotzdem, oder vielleicht eben weil die Hitze kaum auszuhalten war, dauerte es nur Sekunden, bis wir alle in Beirut waren. Und in Santa Fe. Und in Nantes.
Ein musikalischer Sommer, eine Reise um die Welt, mit der unverwechselbaren Musik der Band im Gepäck – denn sie sind wieder da. Und Zach Condon, der konnte endlich wieder lachen, und das zu sehen, tat richtig gut.

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Die sechsköpfige Band um den Frontman Condon kam, schwitzte, machte mit Posaune, Trompete, Ukulele, Keyboard, Akkordeon, Schlagzeug (die Liste geht noch weiter) unglaublich schöne Musik, schwitzte, ging. Das Konzert im Schnelldurchlauf, den es eigentlich gar nicht braucht, denn das war es gewesen. Der kürzeste Roadtrip, den wir uns hätten vorstellen können, und doch war er so vielfältig.
Die alten Stücke, an osteuropäische Folklore angelehnt, machten Spaß, also tanzten wir über den Balkan, in Nantes verbrachten wir melancholische Sommernächte und schunkelten das bisschen Wehmut davon, in Italien schrieben wir Postkarten an Zuhausegebliebene. Zwischendurch gab es einige Instrumentalstücke, die mindestens genauso stark waren wie die Songs, in denen Zack Condon nicht nur zu Ukulele oder Trompete greift, sondern mit seiner Stimme ein unstillbares Fernweh erzeugt.

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Doch nach einer guten Stunde verabschiedeten sich die Jungs und nach knapp zwanzig Minuten Zugabe war dann wirklich alles vorbei. Ob das am EM-Finale oder der schweißtreibenden Atmosphäre lag, bleibt offen, doch zu viel Sehnsucht blieb zurück, zu wenig wurde mit dem Publikum interagiert. Es war eine Aneinanderreihung schöner Momentaufnahmen, wie Postcards from Italy, die so viel Lust auf mee(h)r machten.
Es heißt, man solle gehen, wenn es am Schönsten ist. Und das hat Beirut dann auch gemacht.

 

Fotocredit: Ispaylar-Photography.com

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