Stadt, Wohnen trotz München

Bestellerprinzip – Was das neue Maklergesetz für Mieter und Makler bedeutet

Jan Rauschning-Vits

Jan Rauschning-Vits

Don't worry, look shabby!
Trägt seit kurzem Schnauzer
Jan Rauschning-Vits

And here we go again: Ein neuer Artikel über den Münchner Wohnungsmarkt und nicht der letzte! Viele Interviews habe ich geführt, um die Auswirkungen der zwei größten Gesetzesänderungen der vergangenen Jahre auf dem Wohnungsmarkt genau zu porträtieren: Seit dem 1. August ist die Mietpreisbremse in München in Kraft und schon seitdem 1. Juni gilt das so genannte Bestellerprinzip für Wohnungsmakler.

Beginnen werde ich mit der Reform im Maklergesetz und deren Auswirkung auf Makler und Mieter.

Das Bestellerprinzip dreht den Maklerberuf um. Er wird nun vom Besteller, dem Vermieter, bezahlt und nicht mehr vom Wohnungssuchenden. So sollen die Kosten für die Mieter gesenkt werden. Das klingt doch mal wie ein richtig dickes Geschenk an alle, die wie ich jung, mittellos und ohne Sicherheiten in der harten Wirklichkeit des Wohnungsmarkts immer ganz zum Schluss kommen.

Doch ist es das wirklich oder haben die Vermieter längst Tricks und Kniffe gefunden, um die Mehrkosten, die ihnen die Reform nun aufs Auge drückt, direkt an uns Mieter weiterzuleiten?

Das Maklersterben

Dazu habe ich Christoph Rodenhausen befragt. Er ist Makler. Nach seiner Ausbildung bei einem der größten Mietmakler der Stadt, machte er sich mit einem Partner selbstständig. Er weiß durch seine drei Jahre als Azubi genau, was nun von einem Makler verlangt wird. Das Konzept seines Büros war von Beginn an mit dem neuen Gesetz im Hinterkopf geplant:

„Bereits vor der Gesetzesänderung haben wir nur eine Monatsmiete verlangt, als noch der Mieter die Provision zahlen musste“, erzählt er mir im Interview.

Die maximalen 2,38 Nettokaltmieten, die gesetzlich festgelegt waren, wurden so gut wie immer ausgereizt.

Man geht zum KVR, beantragt seine Maklererlaubnis, bezahlt seine 500 – 600 Euro, meldet sein Gewerbe an und ist Makler. Man braucht keine Vorkenntnisse, keine Ausbildung. Nur über 18 Jahre muss man sein und darf keine Vorstrafen haben. Das ist ein großes Problem.„, sagt Christoph Rodenhausen.

Die Goldgräberstimmung ist vorbei in München. Früher konnte, wer beispielsweise einen Bekannten hatte, dessen Wohnung gerade frei geworden war, für wenige hundert Euro Kosten beim KVR, schnell ein Vielfaches an Provision einnehmen. Das große Maklersterben wird es laut Christoph in München nicht geben. Bei Vermietungen ist ohnehin nicht das meiste Geld zu verdienen. In einer Stadt, in der das durchschnittliche Ein-Familien-Haus fast eine Millionen Euro kostet, lässt sich wesentlich mehr Gewinn mit Immobilienverkäufen erzielen.

Um Immobilienmakler zu sein braucht es nicht viel. Jedenfalls auf dem Papier. Schnell bei der Behörde angemeldet und schon kann das „Maklern“ beginnen. Eine Ausbildung ist nicht erforderlich. Diese Regelung hat dazu beigetragen, dass es in München viel zu viele Makler gibt. Für diese könnte es jetzt eng werden.

„Meine Maklerkollegen jammern alle“, meint Christoph und lächelt dabei leicht.

Er macht es besser. Rechtzeitig hat er geplant, wie er auf das Bestellerprinzip reagieren wird.

So langsam begreifen’s auch die Großen. Fast jeder Makler entwickelt jetzt ein Geschäftsmodell. Entweder sie gehen komplett weg von der Vermietung oder mit dem Preis runter. Für mich ist das der Beweis, dass die Provisionen davor einfach zu hoch waren.

Durch die gestiegenen Kosten für die Wohnungsbesitzer, werden viele nun ihre Wohnung einfach selbst vermieten. Gerade wer nur wenige Objekte besitzt, kann bei der derzeitigen Lage am Wohnungsmarkt jedes Kämmerchen ganz einfach über das Internet vermieten.

Doch was bedeutet das für die Wohnungssuchenden?

Vielleicht werden nun noch mehr E-Mails unbeantwortet bleiben oder seltener Massenbesichtigungen durchgeführt. Und die schlechte Nachricht für „Zuagroaste“: Vitamin B wird wahrscheinlich auch noch viel wichtiger werden.

Wen kennt wen, wer zieht wo aus, wer hat noch was frei? Wer viele Leute kennt, ist bei der Wohnungssuche klar im Vorteil.

Die Abzocke

Das klassische Abzockmodell vergangener Tage war, ein Familienmitglied oder die eigene Briefkastenfirma als Makler zu bestellen und so als Vermieter auch die satte Provision einzustreichen. Wie verdienen nach der Reform die Abzocker ihre Extrawurst?

Wer eine Wohnung gefunden hat, beschwert sich nicht als erstes über eine zu hohe Küchenablöse oder eine dubiose Vertragsabschlussgebühr„, meint Maximilian Heisler, Lichtgestalt des „Bündnis Bezahlbares Wohnen“.

Denn genau mit solchen versteckten Extrakosten oder überhöhten Gebühren lässt sich immer noch leicht abkassieren. Die Beweisführung ist schwierig. Doch schon wenn die Küche 50% mehr kosten soll, als sie eigentlich wert ist, kann man rechtlich dagegen vorgehen. Bei Vertragsabschlussgebühren oder sonstigen Extrakosten im Mietvertrag ist man sogar noch besser geschützt.

Da läuft es ähnlich, wie früher bei den Provisionen: Wer nicht bereit ist zu zahlen, ist halt raus aus dem Rennen um die Wohnung.

Das Problem ist, dass viele Betrugsfälle nie angezeigt werden, da man als neuer Mieter natürlich nicht sofort gegen seinen Vermieter ins Feld ziehen möchte. Hier hilft es, erstmal eine kompetente Beratungsstelle aufzusuchen, die einen über seine rechtliche Situation informiert. Das Sozialreferat hat hierfür eine Beratungsstelle eingerichtet. Der Münchner Mieterverein ist einer der größten in Deutschland und gibt auch Rechtsberatung für seine Mitglieder.

Hier findet ihr eine Liste der vielen Beratungsstellen zum Thema Wohnen in München.

Fazit: Den Betrug wird es immer geben. Leider kann auch das Bestellerprinzip an der katastrophalen Lage am Wohnungsmarkt nichts ändern. Entspannung kann es nur durch viele, viele neue Wohnungen geben. Wer sich jedoch betrogen fühlt, kann sich gut beraten lassen und hat oft das Recht auf seiner Seite.

So lange der Druck da ist, werden Betrüger diese Situation ausnutzen. Jedoch ist der Mieter relativ gut geschützt. Ist man erstmal drin in der Wohnung, bekommt der Vermieter einen nicht mehr so schnell raus. Dass nun die Makler nicht mehr in dem Maße schröpfen können, ist eine gute Sache!

Aber man muss sich die Grenzen des Bestellerprinzips klarmachen. Wirklich besser kann es nur mit mehr Wohnraum werden!

 

Fotocredit: (1) Pixelio/fanty (2) Pixelio/I-vista

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