Stadt

Bis zum Morgen, und noch viel weiter

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Es ist 06:30, Samstagmorgen. Das Licht geht an, die Musik hört plötzlich auf, das Barpersonal wischt die Theke ab, da geht die Tür auf, und von draußen kommt das Tageslicht herein. Gerade eben haben noch Menschen in der Dunkelheit getanzt, und in Wahrheit geht gerade die Sonne auf.

Niklas Klein hat eine Party gemacht und ganz passend endet sie nun mit dem Sonnenaufgang. Passend deshalb, weil mit diesem beschäftigt sich der 26-jährige Münchner intensiv für seine Bachelorarbeit. Der Kommunikationsdesignstudent versucht unter dem Namen „Farbe am Morgen“, den Sonnenaufgang in Gestaltungselemente zu übersetzen und auf alle möglichen Bereiche zu übertragen. Dabei organisiert er Parties, öffentliche Frühstückstreffen, gestaltet Plakate, versucht sich in der Mode und macht ein Buch über all das – eine Designgeschichte.

„Sich mit dem Sonnenaufgang zu beschäftigen mag sich ein wenig banal anhören“, greift Niklas vor, „aber es ist noch viel leichter ihn jeden Morgen einfach zu verschlafen.“

Als einer der in die Schule pendeln musste, war er es gewohnt sehr früh aufzustehen, dann fing er an Kommunikationsdesign zu studieren und arbeitete vor den Vorlesungen beim Bäcker. Später dann, im Sommer 2012, hat er den Sonnenaufgang ganz anders erlebt, dieser Sommer war durchzogen von Nächten mit Freunden, die dann erst morgens ihr Ende fanden.Als es darum ging, ein Thema für seine Bachelorarbeit zu finden und der ausgelassene Sommer vorbei war, hat er genau darüber nachgedacht.

„In der Nacht tritt die Farbigkeit der Dinge in den Hintergrund, die Welt erscheint in Grautönen und hin und wieder wird dieses Grau durch künstliches Licht eingefärbt. Wenn nach so einer Nacht, in der die Wahrnehmung durch Alkohol zusätzlich reduziert wird, sich Grau zu Schwarz verdunkelt, die Sonne aufgeht, erscheint der Sonnenaufgang mit all seinen gelben, roten und Lila Farbtönen umso intensiver. Und in einem ganz anderem Licht, als wenn man zuvor schlief!“

Er fand schnell die Kernelemente: die schwarze Nacht steht vor dem farbigen Himmel. Licht im Allgemeinen besteht aus Wellenlängen, Morgens kommt überwiegend das langwellige rote Licht durch. Und die Exponentialfunktion, denn die Sonne geht exponentiell auf, die Helligkeit verdoppelt sich alle 5 Minuten. Jetzt ging es darum, aus dieser Erkenntnis etwas zu gestalten. Er wollte diese Elemente grafisch, in andere Formen übertragen.

„Es war wie ein Spaziergang im Wald, in dem es unglaublich viele verschiedene Wege gibt und man gar nicht weiss, wo man hingeht oder hingehen möchte. Manchmal versuchte ich einen Weg, kam nicht weiter, lernte daraus und musste manchmal wieder zurück und einen anderen nehmen, um weiterzukommen.“

Ein Weg den er einschlug, waren Treffen um 6 Uhr morgens um gemeinsam bei Tagesanbruch zu frühstücken, den Sonnenaufgang zu zelebrieren oder Parties, die dazu einladen bis zum Sonnenaufgang zu verweilen. Bisher fanden eine Party im Pathos und eine im Kong statt, die nächste ist bereits geplant, Frühstück gab es am Königsplatz. Für diese Veranstaltungen gestaltet er das Erscheinungsbild, welches sich komplett vom Sonnenaufgang ableiten lässt. Nicht nur in den Farben, die verwendet werden und den Farbverläufen, auch durch die Ebenen auf dem Plakat. Eine Wolkendecke wird durchbrochen und die Farben werden immer satter.

Dass ihn die Nachtmenschen so faszinieren, hat einen Grund. Niklas musste sich irgendwann einfach entscheiden, mit welchen Menschen er sich beschäftigen möchte. Mit denen, die zu dieser Tageszeit arbeiten, oder in die Arbeit gehen oder mit denen, die noch freiwillig wach sind. Aus persönlichen Gründen und der eigenen Erfahrung aus dem Sommer hat er sich für die letztere Gruppe entschieden. Abgesehen davon, recherchierte er und schrieb eine wissenschaftliche Arbeit, begann bei der Antike, und setzte sich mit unserer kulturellen Geschichte und Entwicklung auseinander, befasste sich mit griechischen Sagen und Gottheiten und näherte sich dem Thema auch von der physikalischen Seite, behandelte den Sonnenaufgang in der Romantik. Seit jeher also beschäftigen sich Menschen damit, wenn er auch heute extrem romantisch aufgeladen oder gar verkitscht wird.

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Diese Arbeit und auch alle Wege die er auf seinem so genannten Waldspaziergang ausprobierte, werden in einem Buch veröffentlicht, was viel mehr eine Dokumentation seiner Experimente ist. Da drin finden sich auch die ersten Teile seiner Kollektion. Mittlerweile gibt es zumindest Stoffbeutel mit sorgfältig handgefärbten Verläufen und T-Shirts wurden produziert. Aber auch hier will er die geometrischen Formen konsequent auf die Kleidung übertragen. Diese unisex Kollektion soll beispielsweise ein Cape beinhalten, welches, wie die Sonne, nur aus einem grossen Kreis besteht. Die Klamotten sollen in dunklen Farben gehalten sein, wie die Nacht, und werden mit eingefärbten Linien versehen, welche sowohl den Horizont als auch den Bruch repräsentiert, der morgens entsteht. Niklas ist zwar bereits am Herstellen, aber die Kollektion noch bis zur Bachelorausstellung ende Februar im ZkMax fertig zu stellen ist nun ausgeschlossen. Bis dahin, hat er sich für einen anderen Pfad entschieden, das Erscheinungsbild für die Veranstalungen Farbe am Morgen, Flyer, Plakate, Stempel, Vinyle, CDs, Aufkleber…

„Ja klar, wozu das alles.“, greift er vor, „aber genau das ist eine klassische Design-Aufgabe. Und ich wollte etwas verarbeiten, was mich nun schon so lange begleitet hat und vor allem, worauf ich lange gar nicht wirklich geachtet habe.“

Den Sonnenaufgang interessanter an sich zu machen oder in ein anderes Licht zu rücken, möchte er mit seiner Arbeit nicht. Dieses Komplettparket konnte man am 22. – 23. Februar im ZkMax (Maximilansforum), neben anderen Abschlussarbeiten, die unter Prof. Dam an der Hochschule München entstanden sind, begutachten.

Schaut doch mal rein: http://www.facebook.com/FarbeAmMorgen

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Fotos: Conny Mirbach

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