Kultur, Nach(t)kritik

„Cool Kids“ in der Stadt

Gloria Grünwald

Die US-Amerikaner von ECHOSMITH bringen ihr Publikum mit viel Fröhlichkeit und positiver Energie zum Tanzen. Die vier Geschwister sind eben wahre „Cool Kids“. Und die Vorband eine grandiose Entdeckung!

Wegen Terminschwierigkeiten im internationalen Schedule der Band musste das Konzert von Anfang Mai auf Freitag, den 17. April, vorverlegt und mit dem Hansa39 im Feierwerk eine neue Location gefunden werden. Dies konnte die Nachfrage nach den Chartstürmern aus L.A. aber kein bisschen mindern: das Konzert war weit im Voraus ausverkauft.

Ein gemischtes Publikum aus Jung und Alt füllt den Raum des Hansa39, wobei vorwiegend Teenie Fans in Begleitung ihrer Eltern direkt vor der kleinen Bühne Schulter an Schulter kleben, die meisten erwachsenen Begleitpersonen sich dagegen weiter hinten an den umliegenden Wänden oder seitlich neben der Bühne positioniert haben. Als es dann endlich losgeht, ist so manch einer erstaunt, denn auf der Bühne, das sind ja gar nicht die ECHOSMITH, das ist ja eine Vorband! Doch dazu später mehr.

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Als Sydney, Noah, Jamie und Graham Sierota dann ca. 100 Minuten nach offiziellem Konzertbeginn – hinter mir echauffiert sich eine Mutter – auf der Bühne erscheinen, strahlt das Publikum und beginnt gleich beim ersten Song „Let’s Love“ aus vollem Halse mitzusingen.

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Es scheint, als habe man den vier bereits in jungen Jahren eingetrichtert: „Ohne Performance geht nix!“ und so wirft Sydney wild ihre Haare mal nach links, mal nach rechts, tanzt auf der Bühne vor und zurück, wirbelt mit einem asiatischen Papiersonnenschirmchen durch die Luft während Bruder Noah neben ihr sein Bassspiel mit theatralischen Bewegungen untermalt.

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„Ach, das sind ja bloß ein paar amerikanische Kids, die da ein bisschen auf der Bühne herumhampeln…“. Bei wem sich gerade ein ähnlicher Gedanke formt, dem soll hier sogleich widersprochen werden! In einem Künstlerhaushalt aufgewachsen, machen die vier bereits seit sieben Jahren als Band gemeinsam Musik, ihre Instrumente beherrschen sie aber schon deutlich länger. Und die jahrelange Übung hat sich ausgezahlt – besonders der Jüngste der Truppe, Drummer Graham, beeindruckt mit seinen gerademal sechzehn Jahren und außergewöhnlichen trommlerischen Fähigkeiten.

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Für Sängerin Sydney scheint ihre Choreographie zwischen Mikrofon, Tambourin und Keyboard zu Beginn so vereinnahmend, dass sie beim Gesang Abstriche machen muss. Später aber haben die vier sich gut eingespielt und auch Sydneys Stimme kommt besonders in der zweiten Hälfte des Konzerts schön zur Geltung. Ob es am weggelegten Schirmchen oder an der Tracklist liegt, vermag niemand zu sagen. Diese anfänglichen Schwierigkeiten sind aber eigentlich auch nebensächlich, denn bei ECHOSMITH passt ansonsten alles zusammen: die jugendliche Unbeschwertheit und positive Energie der Songs ihres Debut-Albums sind auch bei ihrem Live-Auftritt deutlich zu spüren. Spätestens als „Bright“ angestimmt wird, überträgt sich diese Stimmung wie von selbst auf das Publikum. Für ihren sogenannten „ECHOSMITH Match-Maker“ bittet die Band später zwei Fans – one boy and one girl – auf die Bühne zum gemeinsamen Tanz, um sie sozusagen direkt miteinander zu verkuppeln, und die Auserwählten können ihr Glück kaum fassen.

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Nach dem Konzert bestätigt sich, was die Band bereits im Interview mit MUCBOOK betont hat, nämlich dass die Nähe zu und der direkte Austausch mit ihren Fans außerordentlich wichtig sei. Vor einer neben dem Merchandising-Stand aufgestellten Fotowand, auf der die Geschwister in Lebensgröße abgebildet sind, bildet sich nach dem Konzert eine lange Schlange, um Fotos zu machen. Dass die Band sich dann aus dem Backstage-Bereich zum Meet&Greet dazugesellt und sich geduldig mit jedem, der möchte, ablichten lässt, ist für viele der Höhepunkt des Abends.

Was war noch? Ach ja, die Vorband: eröffnen durften den Abend die Britrocker Alvarez Kings, eine echte Entdeckung für Freunde britischer Indie Musik. Die vier Jungs aus South Yorkshire bezeichnen ihren Stil als progressive Indie und haben auf der Insel und in den USA und Kanada bereits Erfolge wie Auftritte beim Isle of Wight Festival oder der Vans Warped Tour vorzuweisen. Was der Bandname eigentlich bedeutet und mehr in einem kurzen Interview mit Simon von Alvarez Kings findet ihr hier.

Fotocredit: Gloria Grünwald

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