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Deine, meine, unsere Jurte

Jan Rauschning-Vits

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So jung wie das neue Jahr ist auch die Kulturjurte.
Über einen schlammigen Weg findet man in direkter Tiergarten Nähe eine Reihe verlassener Hallen, die aussehen als wäre hier die Industrialisierung erfunden worden. Hohe Backsteinmauern mit für die Ewigkeit gemauerten mannshohen Fensterbögen. Es haut einen erst einmal um, dass es solche Gebäude überhaupt noch in München gibt. In dieser Stadt, in der sich Immobilienfonds um jeden Quadratmeter bekriegen.

Eine Feuerschale beleuchtet eine große eiserne Tür. Gerne würde man sie mal kräftig zuwerfen, um das laute Quietschen und den dumpfen Hall zu hören die sie verursachen würde. Dahinter liegt eine bestimmt 6 Meter hohe Halle, die von Baustrahlern an den Wänden indirekt beleuchtet wird. Auf dem Boden verlaufen Schienen quer durch den Raum. Die großen Fenster sind mit Brettern verschlossen, von den Mauern bröckelt der Putz.
Links neben dem Eingang steht die Jurte. Das Herz und Hirn von allem hier.

Das bizarre Wort ‘Jurte’ bezeichnet ein mongolisches Rundzelt,in diesem Fall mit etwa 1,60m hohen senkrechten Wänden, die in runder Form von einem spitz zulaufenden Zeltdach gekrönt werden. Die ganze Jurte hat ca. 8 Meter Durchmesser. So viel zu den geometrischen und räumlichen Kategorien. Ansonsten hat die Kulturjurte wenig mit Kategorien zu tun. So denkt man hier nicht.

Alles soll radikal frei sein. Nur eines will sie auf jeden Fall sein. Ein kooperativer Freiraum für zivile Initiativen und Engagement. Es wird sich geduzt. In einer provisorischen Küche in einer Ecke der Halle bereiten Leute, die sich erst seit wenigen Minuten kennen, spontan gemeinsam einen Eintopf zu. Die Lebensmittel hat ein örtlicher Supermarkt gespendet. Ein überschaubares Regal dient der Initiative ‘Foodsharing’ als Verteiler für die Nahrungsmittel, die sie vor der Vernichtung gerettet hat. An den Wänden bieten die Malereien einer Initiative von minderjährigen Asylsuchender farbige Kontrastpunkte.

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Ich treffe Emanuel Eitle, den guten Geist der Jurte. Die mehreren tausend Euro die sie gekostet hat, finanzierte er selber. Trotzdem stellt er keine Ansprüche und lässt die Jurte vor allem durch die Kreativität und Wünsche der Besucher leben. Ganz offen lädt er alle ein in die Jurte zu kommen und hier zu wirken.

‘Es ist mega was hier passiert’, jubelt er.

Vorträge, Workshops und Diskussionsrunden gibt es hier genauso wie akustische Konzerte. Die höhlenartige Gemütlichkeit der Jute bietet für vieles eine angenehme und private Atmosphäre, obwohl sie ohne Probleme 60 Leute fassen kann. So hilft jeder mit, alle sind ein echter Teil und bringen sich kreativ ein. Die Initiativen kommen zu ihm. Emanuel vergibt nur noch das Datum und lässt die Jurte laufen. Wohin das sein wird weiß er nicht und das freut ihn sichtlich. Dieser Idee folgend soll die Jurte, wie ihre Verwandten in der mongolischen Steppe, wandern. Ganz München soll etwas davon haben. Ab 18. Januar werden noch die erfahrenen Künstler von ‘Kunst im Bau’ das kulturelle Feuerwerk in den denkmalgeschützten alten Isartalbahnwerken ergänzen. Man munkelt etwas von eindrucksvollen Installationen in den restlichen 3 Hallen des Geländes.
Mucbook wird das natürlich noch für euch ankündigen.

‘Ich habe das Gefühl, dass ist was München gewollt, gefühlt, gebraucht hat.’

Recht könnte er haben. Die für Publicity immer so wichtigen Facebook Likes klettern rasant. Die Anfragen von Initiativen werden mehr. Sogar die ersten Unterstützer im Münchener Stadtrat sind gefunden. Was er denn macht wenn nicht mehr alle Besucher in seine Hütte passen frage ich Ihn?

‘Dann bauen wir einfach eine zweite und verbinden die beiden zu einer Acht!’, lacht er.

Bis Mitte März findet man die beiden noch in den alten Lokhallen bei Thalkirchen, dann soll es in den Münchner Norden gehen. In die kulturarme Steppe Münchens.

Klickt hier für die Facebook-Seite der Kulturjurte

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