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Ein wenig Widerstand gebildet

Letzte Artikel von Manuel Liebig (Alle anzeigen)

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Bei blauem Himmel und Sonnenschein fand gestern der Bildungsstreik 2011 in München unter dem Motto „Widerstand bilden“ statt. Bis zu 2000 Menschen (nach Polizeiangaben 1500) nahmen an der Demonstration im Rahmen einer bundesweiten Aktion teil. Nach der Abschlusskundgebung am Odeonsplatz besetzten einige Dutzend Demoteilnehmer kurzzeitig einen Hörsaal im Hauptgebäude der LMU.

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Der Veranstalter, das Bildungsstreik Bündnis München, hatte zu Kreativität der Teilnehmer aufgefordert. Kreativ und bunt sah die Versammlung dann auch aus, die nach einer Auftaktkundgebung am Geschwister-Scholl-Platz über die Arcisstrasse und Königsplatz unter anderem vorbei an der Technischen Universität, der Musikhochschule und dem Luisengymnasium bis zum Odeonsplatz ging.

Viele selbstgemalte Plakate und Transparente schmückten den Demozug. „Weg mit G8“, „Systemfehler Studiengebühren“ oder „In der Rüstung seid ihr fix, für die Bildung tut ihr nix!“ war darauf zu lesen.

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Auffällig war die hohe Anzahl an jungen Schülern, die sich über Repressalien ihrer Schulleitungen hinweggesetzt hatten und ihr Demonstrationsrecht wahrnahmen. Der von den Veranstaltern erhoffte gesamtgesellschaftliche Protest blieb aber aus. So waren zwar einige Studenten in den Reihen der Demonstranten zu finden, gemessen an der Gesamtzahl der Studierenden in München die Teilnahme aber sehr gering. Auszubildende, Lehrer und Eltern waren kaum sichtbar.

Die Piratenpartei und die Jusos sammelten Unterschriften für ihre jeweils eigene Petiton gegen Studiengebühren. Neben diesen nahmen auch andere Organisationen wie Die Linke, der DGB und linksradikale Gruppierungen wie SDAJ, RIO oder Aktivisten der Antifa an dem Bildungsstreik teil.

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Die Redner auf dem Lautsprecherwagen kritisierten wie bei vorangegangenen Bildungsstreiks in den letzten Jahren die hohen Kosten für den ÖPNV für junge Menschen in München, die Studiengebühren, den Leistungsdruck und die Selektion in der Schule oder die Einführung des Bachelor-Systems an den Universitäten. Sonst heizten die Moderatoren die Stimmung durch Parolen wie „Bildung für alle und zwar umsonst“ oder „Hoch mit der Bildung – Runter mit der Rüstung“ an.

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Im Laufe der Demonstration kam es immer wieder zu spontanen Aktionen. So blockierten einige Demonstranten für kurze Zeit die viel befahrenen Kreuzungen Gabelsbergerstraße/Arcisstraße sowie Elisenstraße/Luisenstraße, indem sie sich auf die Fahrbahn setzten. Auf den Stufen der Musikhochschule gaben einige Studierende ein OpenAir-Konzert und unterhielten den Demozug mit live gespieltem Balkan-Sound.

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Die Demonstration endete am Odeonsplatz. Im Anschluss begaben sich einige Dutzend Teilnehmer zunächst in die Akademie der Bildenden Künste. Kurz darauf zogen sie für eine Vollversammlung in das Hauptgebäude der LMU in Raum B101 um. Sie verließen den Hörsaal allerdings nach einer Räumungsandrohung bald wieder.

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Die Bildungsstreik in München war einer der größten Deutschlands. Nichtsdestotrotz ist nur ein Bruchteil der Betroffenen auf die Straße gegangen. Vor allem die Unterstützung aus den Reihen der Studierenden ist nach dem Höhepunkt der Audimax-Besetzung 2009 enorm zurückgegangen. Es sieht nicht so aus, dass die Organisatoren genug Druck aufbauen konnten, um ihre Forderungen zumindest in eine weiter gefasste Diskussion um unser Bildungssystem einzubringen. Vielleicht im nächsten Jahr…

Vorberichterstattung auf mucbook: https://www.mucbook.de/2011/11/15/streik-mal-wieder/

Fotos: Manuel Liebig

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