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Essbares München

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In unserer Stadt gärtnern über 11.000 Pächter*innen in Kleingärten (Schrebergärten), über 1.600 in Krautgärten (auf den Feldern im Münchner Grüngürtel) und weitere Tausende Münchner*innen in Gemeinschaftsgärten (gemeinschaftlich organisiert, meist öffentlich zugänglich).

Kann München also behaupten, eine „Essbare Stadt“ zu sein?

Vorreiter bei öffentlichen Grünanlagen

In Andernach bei Koblenz lässt die Stadt seit 2010 öffentliche Grünflächen und Beete mit Gemüsesorten anbauen, die dann von allen Bürgern verkostet werden können. Es werden somit Elemente der urbanen Landwirtschaft in den städtischen Grünraum integriert. Das urbane Grün gewinnt dadurch eine zusätzliche Funktion als Lebensmittelerzeuger und nicht selten an optischer Aufwertung. In Andernach spielt die Artenvielfalt zudem eine große Rolle. Im sogenannten Tomatenjahr wurden über 100 verschiedene Tomatensorten angebaut und beschildert.

Durch den Wegfall der Wechselbepflanzungen, wie in Pflanzkübeln von Fußgängerzonen üblich, reduzieren sich zudem die Kosten pro Quadratmeter Pflege. Anbau und Pflege der Gemüseflächen erfolgen durch eine Beschäftigung- und Qualifizierungsgesellschaft, die den örtlichen Langzeitarbeitslosen eine gärtnerische Ausbildung anbietet.

Münchens Versuch

Anlässlich einer Anfrage der ehemaligen Stadträtin Sabine Krieger prüfte der Münchner Stadtrat 2014, ob ein vergleichbares Projekt auch in München umsetzbar sein könnte, und beauftragte das Baureferat Abteilung Gartenbau, eine geeignete Fläche für eine Pilotierung auszuweisen. In der Baumschule Bischweiler neben dem Rosengarten in Untergiesing wurde 2014 eine 300 m2 große Fläche gefunden. Das Projekt hat sich eher zu einem Gemeinschaftsgarten entwickelt, bei dem ausschließlich die ca. 200 beteiligten Gärtner*innen das Gemüse ernteten. Als erster Gemeinschaftsgarten in einer öffentlichen Grünanlage ist dies einmalig für München und ein wichtiger Schritt in Richtung „Essbare Stadt“.

In München gibt es über 25 Gemeinschaftsgärten, 100 Kleingartenanlagen und 27 Krautgartenanlagen, zahlreiche Schulgärten, Hochschulgärten, Firmengärten, Bewohnergärten etc. In einer Essbaren Stadt geht es aber um ein flächendeckendes Konzept, bei dem Nutzpflanzen nicht nur in Gärten angebaut werden. Genauso wie in Andernach könnten in München Nutzpflanzen an Grünstreifen, Seitenstreifen, Parkanlagen, an der Nymphenburger Schlossmauer oder in den Kübeln der Altstadt angebaut werden.

Es geht nicht nur um Gemüse. Auch Kräuter, Beeren- und Holundersträucher und Obstbäume könnten vermehrt in Restflächen überall in der Stadt angebaut werden. Schon über 450 Spots mit Bärlauch, Kräutern, Holundersträuchern, Beeren und Obstbäumen sind für München auf der Plattform mundraub.org gekennzeichnet.

Wo man pflanzen könnte

Trotz Flächenknappheit in München hat die Stadt große Potentiale, Flächen für den Anbau von Nutzpflanzen bzw. für Gemeinschaftsgärten zu finden:

  • Auf den sog. „Eh-da-Flächen“: Das sind kleine Restflächen, die schon da sind und die keine besondere Nutzung haben, zum Beispiel entlang von Bahntrassen. Dort könnte man vermehrt Beeren- und Holundersträucher pflanzen, geschützt durch eine freiwachsende Hecke mit Insektennährgehölzen.
  • Auf Dächern von Schulen, Firmen und Wohngebäuden.
  • Durch die geschickte temporäre Nutzung von Brachen und Abstandsflächen: Den Grünspitz-Garten gibt es schon im 7. Jahr. Durch den Anbau auf Hochbeeten können solche Projekte relativ unkompliziert umgesiedelt werden.
  • Auf versiegelten verlassenen Flächen, wie hier am Beispiel einer ehemaligen Tramwendeschleife am Goldschmiedplatz im Hasenbergl.

Diese Vorteile hat eine „Essbare Stadt“:

  • Die Stadt als Allmende, die Gemeingüter und Teilhabe anbietet.
  • Die Stadt wird von ihren Bürger*innen aktiv mitgestaltet.
  • Die Stadt wird zum Raum der Naturerfahrung und der Biodiversität.
  • Die teilweise Selbstversorgung der Stadt München wird gefördert.
  • Eine bessere CO2-Bilanz in der Lebensmittelproduktion wird erreicht: Transportwege und Stromkosten in der Lagerung werden gespart.
  • Die Stadt wird zum Ort des gemeinsamen Lernens: Stadtmenschen verfolgen das Pflanzenwachstum und werden mit unterschiedlichen Gemüsesorten aus nächster Nähe vertraut, sie erfahren die Bedeutung von Wasser in der Stadt, besonders wenn es eine auch nur kleine Trockenperiode gibt. In Gemeinschaftsgärten lernen zudem die Bürger*innen den Anbau ökologischer, lokaler und saisonaler Lebensmittel kennen.
  • Eine Sensibilisierung für eine zukunftsfähige Landwirtschaft und für hochwertige Lebensmittel findet statt.
  • Umweltschonende Freizeitangebote im Wohnviertel werden geschaffen.
  • Gemeinschaftsgärten sind Orte der kulturellen, sozialen und generationenübergreifenden Vielfalt und des nachbarschaftlichen Miteinanders.

Info

Dieser Artikel stammt aus dem Themenheft “Ernährungswende in München” des Münchner Forums und wurde geschrieben von Silvia Gonzalez, Leiterin des Bereichs Urbanes Grün bei Green City e.V.. Wer sich außerdem zusammen mit Green City e.V. für mehr Urbanes Gärtnern einsetzen möchte: hier geht’s entlang. Und hier gibt es das Netzwerk der urbanen Gärten in München.


Beitragsbild: Unsplash/Markus Spiske

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