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#EXIST – Kein Platz für Münchner Künstler*innen

Die News gingen in den letzten Wochen durch alle Medien der Stadt (und auch noch weiter): Das MMA wird schließen müssen, der Club, der immerhin vom britischen Guardian mit Berliner Clubs wie dem Berghain verglichen wird (und der Vergleich mit Berlin scheint uns hier ja außerordentlich wichtig zu sein).

Seit bald zwei Wochen ist der Club nun geschloßen. Ein herber Schlag für die Subkultur in München, die ja sowieso schon wahnsinnig viel wegstecken muss, sei es wegen Luxussanierungen oder weil die Nachbarn keine Lust auf Lärm haben. Auf dem Gelände des ehemaligen Heizkraftwerks sollen Werkswohnungen für die Stadtwerke gebaut werden – also keine Luxuswohnungen – und eine Kindertagesstätte. Neben Raum für Subkultur also auch etwas, was in unserer Stadt zu knapp vorhanden ist. Ein Dilemma, das schwierig zu bewältigen ist.

Was war eigentlich auf dem Gelände in der Katharina-von-Bora-Straße?

Bei all dem Rummel um das MMA fällt eine Sache häufig unter den Tisch: der Club ist nicht die einzige Einrichtung, die dem Umbau zum Opfer fällt. Auf dem Gelände befinden sich auch die Räumlichkeiten des Netzwerks „Empfangshalle“ – und zwar seit fünf Jahren. Die Gruppe aus über 30 Künstler*innen arbeitet dort in gemeinsamen Ateliers an Projekten aus den Bereichen bildende Kunst, Musik und Film.

Außerdem gibt es dort Galerien für Ausstellungen und Herbergen für internationale Künstler*innen. Wer im Netzwerk „Empfangshalle“ arbeitet, hat über die Institution Zugang zur kreativen Infrastruktur und bekommt das künstlerische Arbeiten dadurch extrem erleichtert. Räumlichkeiten wie diese sind für eine aktive Kunstszene wichtig, da dort auch Nachwuchsförderung stattfindet. 

Die Empfangshalle verlässt die Katharina-von-Bora-Straße

#EXIST

Wer sich jetzt fragt, ob eine aktive Kunstszene denn wirklich nötig ist, sollte einmal kurz darüber nachdenken, was genau die Stadt denn zu dem macht, was sie ist. Kulturell ist in München zum Beispiel unter anderem der Blaue Reiter prägend gewesen und die Kunstwerke, die heute im Lenbachhaus zu sehen sind, ziehen nach wie vor zahlreiche Besucher an.

Mit diesem Beispiel startet das Positionspapier, das der Berufsverband Bildender Künstlerinnen und Künstler aufgesetzt hat. Darin wird unter anderem bemängelt, dass trotz intensiver Hilfe der Stadt nach wie vor keine Alternative zu den verschwindenden Ateliers gefunden ist und dass Ateliers und Proberäume generell Mangelware sind. Ziel ist es, wieder adäquate Räumlichkeiten für Kunst in den Münchner Innenstadt zu finden.

Wohin mit der Empfangshalle?

Künstlerduo Empfangshalle: Corbinian Böhm und Michael Gruber

Solche Räumlichkeiten sind auch ein großes Anliegen von Corbinian Böhm und Michael Gruber von der Empfangshalle. Gerade erst musste er mit seinen Kollegen das Gelände in der Katharina-von-Bora-Straße verlassen, aktuell ist die Empfangshalle zwar einerseits im Kreativquartier am Leonrodplatz und andererseits am Frankfurter Ring untergebracht, aber beide Möglichkeiten bieten nicht genügend adäquaten Raum für die nun zerrissene Künstlerschaft. Böhm sieht im Verdrängen von aktuellen Künstlern an den Münchner Stadtrand oder ins Umland einen großen Verlust für die Innenstadt und die Münchner Kultur.

Dennoch sind sie dankbar für die Hilfe der Stadt, dem Kompetenzteam für Kultur- und Kreativwirtschaft, dem Kulturreferat und dem Kommunalreferat, von all denen definitiv Interesse ausgehe, Kulturräume auch in Zentrumsnähe zu erhalten. Das gelingt aber kaum noch, und wenn, dann nur als Zwischennutzung. Es müsse jetzt mehr passieren, denn mittlerweile stellen für viele Künstler andere Städte bereits attraktivere Standorte als München dar. Bestreben, beispielsweise in andere Städte wie Leipzig oder Halle abzuwandern, seien da auf jeden Fall vorhanden.

„Was heute verloren geht, kann morgen nicht mehr da sein.“

Diese direkten Worte verdeutlichen, wie ernst viele Künstler*innen die Lage wahrnehmen, wenn bereits der Wunsch besteht, den Standort an einen anderen Ort zu verlagern. Auch im Feedback und der Teilnahme an der Petition des BBK sieht Böhm, wie brenzlig die Lage für München eigentlich ist.

Unter dem Motto #EXIST positionieren sich Kunst- und Kulturschaffende momentan gegen die Raumnot in München und weisen auf ihre Lage hin. Über mehrere Monate soll in Münchner Projekträumen und Galerien mit Ausstellungen und Aktionen auf die Situation hingewiesen und Partizpiation in der weiteren Stadtplanung gefordert werden, sodass kulturelles Leben ebenfalls mit einbezogen wird. 

Auftakt für #EXIST ist der Traum vom Raum von Esther Zahel, die in ihren Gemälden ihre eigene Geschichte durch die von Alltagsgegenständen erzählt.


In aller Kürze:

Was? „Der Traum vom Raum“ #EXIST-Auftakt mit Esther Zahel

Wann? 25. April, 19 Uhr

Wo? Galerie von Empfangshalle, Theresienstraße 154


Fotos: © Empfangshalle

Sophia Hösi

Obligatorische Redaktionsschwäbin (wir sind überall)
Wahlmünchnerin seit 2013, zu finden irgendwo zwischen Ostbahnhof und Sendlinger Tor, wahrscheinlich an der Isar.
Sophia Hösi
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