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Fehlstart für das Teilzeitauto 2.0

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Nach der aktuellen Carsharing Debatte im Münchner Stadtrat, ließ Green City Experten und Anbieter in der Veranstaltungsreihe Münchner Mobilitätskultur über Chancen und Gefahren diskutieren. Im Mittelpunkt der Debatte stand die Definition eines neuen Carsharing-Konzepts, der Kampf von David gegen Goliath und die Frage, ob das Start-Up Zebramobil und der Großkonzern BMW in München mit dem Teilzeitauto starten dürfen.

Ähnlich wie Car2Go in Ulm, stehen nun auch in München Anbieter in den Startlöchern, die ein Geschäft mit dem Autotausch wittern. Man will auf die mobilen Nutzerbedürfnisse eingehen und das Abstellen und Abholen eines Autos im gesamten Stadtgebiet ermöglichen.

Doch bei Zebramobil und BMW/Sixt gibt es Startschwierigkeiten in der bayrischen Landeshauptstadt. Grundsätzliche Bedenken aus den Reihen der Bürgermeister führten zu einer Absage des für 1.3. geplanten Projektstarts. Die abgesagte Stadtratsdebatte über Carsharing-Modelle, die nicht an Stationen gebunden sind, sondern auf öffentlichen Parkplätzen angemietet werden sollen, zeigt, welche Brisanz das Thema in der Öffentlichkeit und Politik besitzt.

Damit verschiebt sich der Beginn der geplanten vierjährigen Testphase zweier Modellvarianten in zentralen Parklizenzbereichen und somit der Start von Zebramobil und BMW/Sixt auf bisher unbestimmte Zeit. Die nächste Stadtratssitzung dazu findet am 15. März 2011 statt.

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Auf dem Foto: Andreas Leo von der Daimler-Tochter Car2Go, Moderator Marco Eisenack, Willi Loose (Geschäftsführer des CarSharing-Bundesverbades) und StattAuto-Chef Olaf Rau.

Gleichzeitig wird von Seiten der alteingesessenen Anbieter in Frage gestellt, ob die neuen Nutzungsmodelle überhaupt unter dem Label Carsharing laufen dürfen. “Car2go ist kein Carsharing, bestenfalls etwas ähnliches”, sagt Willi Loose vom Bundesverband Carsharing (bcs).

Unter der Federführung des bcs haben Carsharing-Anbieter einen Kriterienkatalog aufgestellt, der ein modernes Carsharing-Angebot definiert und sich an den Zielsetzungen eines umweltentlastenden Mobilitätsangebotes orientiert. Diese ökologischen Anforderungen sieht Loose bei Car2Go nicht erfüllt. Loose fehlt ein kilometerbasiertes Tarifsystem, das Anreiz zur sparsamen Nutzung gibt, sowie eine Einbindung an das öffentliche Verkehrsnetz.

Kai Sonntag, Mobilitätsexperte bei Green City, erklärt: „Die in den letzten 20 Jahren gewachsene Carsharing-Szene besteht überwiegend aus kleinen, idealistischen Anbietern. Mit dem Auftreten der neuen Anbieter vollzieht sich ein Wandel.“ Ganz bewusst sprechen diese neue Zielgruppen an, insbesondere die Altersklasse der 20- bis 40-jährigen.

Hier besteht eine große Offenheit für das Teilen von Autos anstelle des Besitzes. Im Gegensatz zum klassischen Carsharing sind für diese Kunden allerdings ein einfacher Zugang und flexible Nutzung, wie bei stationsungebundene Systeme angeboten, besonders wichtig. Aufgrund bisher fehlender wissenschaftlicher Erkenntnisse lassen sich die Wirkungen der neuen Systeme auf die Umwelt und das Mobilitätsverhalten nicht sicher abschätzen.

Erstaunt waren wohl viele Besucher über die Gelassenheit des ältesten Münchner CarSharing-Anbieters. Mit dem langsamen Wachstum zeigt man sich bei StattAuto München zufrieden. Mehr als 9.000 Kunden nutzen derzeit den vor 19 Jahren eingeführten Autotauscher. Der Markt bietet ein viel größeres Potential als bisher erschlossen werden konnte, glaubt Geschäftsführer Olaf  Rau.

Der Einstieg von Automobilkonzernen und Autovermietern intensiviert derweil auch die politische  Debatte über die Nutzung des öffentlichen Raums. Die weitere Entwicklung bleibt spannend, welche Carsharing-Anbieter können sich dauerhaft behaupten? Sind es die großen Konkurrenten wie Mercedes (Car2Go), BMW und Sixt oder auch kleinere Anbieter wie ZebraMobil?

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Viele Fragen zum Thema gab es aus dem Publikum, in dem sehr viele StattAuto-Nutzer saßen.

Nach Beseitigung der Startschwierigkeiten bleibt also die Frage, wer beim Wettbewerb der Carsharing-Anbieter gewinnt: David oder Goliath? Dies werden vor allem die Nutzer mit der Wahl ihres Anbieters beantworten. Womöglich läuft es darauf hinaus, dass viele Münchner Kunden mehrerer CarSharing-Anbieter sein werden.

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