Leben, Nach(t)kritik

Flipflops und Kanarienvögel – so war die ARTMUC 2015

Sarah Weiß

Vom 14. bis zum 17. Mai war die ArtMuc zum zweiten Mal zu Gast auf der Praterinsel München. Organisator Marco Schwalbe stellte die Ausstellung unter das Motto: “You can’t always get what you want. But if you try sometimes you find you get what you need” (Rolling Stones) und kritisiert dadurch die Mechanismen des konventionellen Kunstmarkts: “Hier sehe ich den Kontext im absurden und logisch nicht nachvollziehbaren Kunstmarkt. Die Erwartungen von Künstlern orientieren sich meist an den Idealen der Kunstwelt: viel Geld und Ruhm. Dieses Ziel erreichen aber die wenigsten. Während der ARTMUC bekommen sie aber das Feedback der realen Welt. Das brauchen sie, um sich und ihre Balance realistisch austarieren zu können.”

Als Teil dieser realen Welt besuchte auch ich die ArtMuc und möchte euch einen kleinen Einblick in die Ausstellung geben.

Perlenspiel

Zuerst versteh ich’s gar nicht. Wieso stellt da jemand einen Staubwedel und Gummihandschuhe auf der ArtMuc aus? Erst beim Näherkommen verstehe ich den Witz: Der Staubwedel steckt in einer Eiswaffel, die Handschuhe haben künstliche Fingernägel. Und noch mehr auf den ersten Blick irritierende Gegenstände stellt Toni Spyra auf der ArtMuc aus. Einen Pömpel, der, statt mit einem Stiel, mit einer Flöte bestückt ist. Flipflops, deren Sohlen aus Pflastersteinen sind. Eine Schüssel mit Abfluss. “Toni Spyra gibt den Betrachtern auf unterhaltsame Weise Denkanstöße”, heißt es auf dem Flyer. “Auf den zweiten Blick erschließt sich den Rezipienten, die den Werken inhärente Kritik im Bezug auf allgemeine gesellschaftliche Probleme und Missstände.”

 

Auf ein Problem weisen auch die Künstler des Städtischen Atelierhauses Baumstraße hin. Sie sind auf der Suche nach neuen Räumlichkeiten und haben dafür die Kampagne wir ziehen gemeinsam weiter gestartet. In einem gewächshausartigen Gebäude können die Besucher der ArtMuc verschiedene Videos anschauen, die zeigen, welche Ansprüche die suchenden Künstler an ihre neue Unterkunft haben. Auch Pläne für mobile Atelierräume liegen aus. Diese sollen dann zum Einsatz kommen, wenn den Künstlern eine freie Fläche statt eines Gebäudes angeboten werden sollte.

 

Die beiden Künstler Robert Weissenbacher und Sinan von Stietencron beeindruckten die Besucher mit einer außergewöhnlichen Installation. Sie malten einen etwa vier Meter langen Fisch an die Wand – nur ein Streifen war komplett weiß. Zumindest solange der Betrachter sich nicht bewegte. Ging er entlang der auf dem Boden vorgegebenen Linie, ergänzte ein Projektor den Fisch Farbschicht um Farbschicht. Etwa auf der Hälfte des Weges war das Bild wieder komplett, danach wurde die Farbe im Streifen wieder Schicht um Schicht abgetragen.

Fischinstallation

Andere beeindruckende Videoinstallationen kreierte die Künstlerin Betty Mü. In einem Raum mit bunt gekacheltem Boden präsentierte sie ihre dreidimensionale Installation Replex #2 HORIZONTAL. Die Zuschauer konnten die kreuzartig angeordneten Bildschirme einmal komplett umwandern. Je nach Perspektive änderte sich der optische Eindruck. Zusätzlich gab es Animalisches: fliegende Mäuse, Pudel, Kanarienvögel. Alles unterlegt von einer klanglichen Wolke.

Betty Mü

Für kurze oder längere Pausen zwischen den einzelnen Ausstellungsräumen eignete sich das wundervolle Ambiente der Praterinsel wie immer hervorragend – solange das Wetter mitspielte.

Fotocredits: Bild 1 “Leonie” von Kathinka Willinek

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