Kultur, Nach(t)kritik

Das kolumnistische Manifest

Sarah Weiß

Sie konnte auch nach mehreren Semestern Studium der Literaturwissenschaft nicht davon überzeugt werden, ihren Wohnsitz auf dem Land aufzugeben und in die Stadt zu ziehen. Das hält sie aber nicht davon ab, frei nach dem Motto »Sarah Weiß Bescheid« trotzdem über München zu schreiben.
Sarah Weiß

Axel Hacke liest im Lustspielhaus unter anderem aus seinem neuen Buch „Das kolumnistische Manifest“ und beschreibt die Berufsprobleme eines Orang-Utan-Urinsammlers.

Aus Perspektive einer 22-jährigen sitzt da ein freundlicher, älterer Herr auf der Bühne. Das Haar schon etwas dünn, die Erscheinung absolut unauffällig: Jeans, Hemd, Sakko. Der freundliche Herr Hacke von nebenan, der manchmal etwas zu ernst dreinschaut. Vor allem, weil sich alle anderen fast in die Hose machen vor Lachen. Denn Axel Hacke hat Erfahrung. Er hat Erfahrung mit den Kuriositäten des Lebens: Kanarienvögel, Heino, Großmütter, Christbaumkugeln, Malagaeis. Und mit Kolumnen. Mit Kolumnen hat er soviel Erfahrung, dass er nach eigenen Angaben schon längere Zeit in seinem Leben Kolumnen schreibt, als er keine schreibt.

„Ich habe mich sozusagen selbst überholt, was mir sehr wichtig ist. Jeder sollte sich mindestens einmal im Leben selbst überholen, es ist ein tolles Gefühl, sich aus dem Seitenfenster zuzuwinken, zuzuschauen, wie man zurückbleibt, und dann mit Höchstgeschwindigkeit abzurauschen.“

Mit Höchstgeschwindigkeit geht es auch durch den Abend: Gerade noch über das Eincremen von Rattenpenissen gelacht, schon geht es weiter über das Verhören in Liedtexten, das Verhören in der DDR und die Sprache in ausländischen Speisekarten oder den Texten Herbert Grönemeyers. Die Leute sitzen vornübergebeugt in den roten Räumlichkeiten des Lustspielhauses und halten sich die Bäuche. Der nette Herr Hacke sitzt da ganz alleine auf einem Holzstuhl auf der Bühne und nur ab und an huscht ein kleines, amüsiertes Schmunzeln über seine Mundwinkel, wenn er sich dem Witz einer eben erzählten Anekdote doch ergeben muss.

Dann das Ende. Nach einer Erzählung über die drei faulsten Mitbewohner in seinem Haushalt (Jemand, Man und Einer, die ganz viel „mal machen“ sollten) steht er auf und greift nach der Stuhllehne als wäre das hölzerne Sitzgestell sein Partner für diesen Abend gewesen. Und das ist irgendwie schön. Denn es braucht wirklich nicht mehr für einen unterhaltsamen Abend, als den netten Herrn Hacke von nebenan, der sich mit drei, vier Büchern auf diesen Stuhl setzt und Geschichten erzählt.

 

Fotocredit: Thomas Dashuber

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