Kultur, Nach(t)kritik

Flucht aus dem Großstadtjungel

Lena von Holt

 

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Wie unsere Ellenbogengesellschaft „Jungle“ zur Musik inspirierte und warum BUSY EARNIN’ ein Plädoyer gegen die Leistungsgesellschaft ist.

Ein kleines Mädchen von ungefähr 9 Jahren versteckt ihre Hände super lässig in ihren Hosentaschen. Als die Musik beginnt, fängt sie an, ihren Kopf und später den ganzen Körper zu deren Beat zu bewegen.Das ist der Beginn des Videos zu „Platoon“, mit dem Jungle in 2013 erste Aufmerksamkeit erhielten.

Es ist noch gar nicht lange her, als Jungle aus einer jahrelangen Freundschaft zwischen den Briten Josh Lloyd-Watson und Tom McFarland entstand, dessen Erfolgsgeschichte ein wenig an den American Dream erinnert und als eine Art Rebellion gegen unsere Leistungs- und Ellenbogengesellschaft gesehen werden kann.

Jungle, damit ist der Großstadtjungel gemeint, in dem wir uns täglich zurechtfinden müssen. Überall lauern Gefahren: Konkurrenz, Leistungsdruck und Egoismus. Das kann einen schon mal ganz schön aus der Bahn werfen – so erging es auch Josh, der im Spiegel-Online Interview von einem „Panikschub“ berichtete, der erst nach Gründung von Jungle wieder verschwand. “In jedem unserer Songs steckt Paranoia”, sagt Josh. Die menschliche Kälte im Großstadtjungel ist das, was sie zu ihren Songs inspiriert und zum Nachdenken bringt.

Der Song „Busy Earnin’“ handelt von unserer Gesellschaft, in der der Einzelne nie genug zu bekommen scheint: Er strebt nach immer mehr und kommt nie an den Punkt, an dem er mit sich selbst zufrieden sein kann – Was für ein langweiliges Leben, findet Jungle.

You think that all your time is used
To BUSY EARNIN’
You can’t get enough

And I get always
But I bet it won’t change, no
Damn, that’s a boring life
It’s quite busy earnin’
You can’t get enough

„Busy Earnin’“ ist wie die anderen Songs in ihrem Album vor allem von R&B, Pop und HipHop beeinflusst. Obwohl Jungle gerade mal ein halbes Jahr unter dem Namen bestehen und sich J und T, wie sie im Interesse ihrer eigenen Anonymität genannt werden wollen, den Rest ihrer Bühnen-Gang mehr oder weniger zusammen gecastet haben, gehen sie jetzt schon durch die Decke und trauten sich mit ihrem Debut-Album direkt auf Welt-Tournee. Doch was macht ihren Erfolg aus? Selbst überrascht von ihrem plötzlichen Durchbruch, sehen sie den Verdienst in der Einfachheit der Pop-Beats, die sich in all ihren Songs wiederfinden lassen.

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Am Montagabend, als Jungle nach München in die Muffathalle kamen und eine großartige Live-Show lieferten, standen sie mit einer 7-köpfigen Crew auf der Bühne, sodass die beiden Hauptverantwortlichen des Projekts nicht mal wirklich auffielen. Genau das scheint auch ihre Absicht zu sein: Dem Spiegel verrieten sie, dass sie als Kollektiv wahrgenommen werden wollen, welches für Werte wie Ehrlichkeit und Freundschaft steht und für ein gemeinsames Ziel kämpft. Man muss sich das wohl in etwa wie bei einem Fußballspiel vorstellen – ohne Teamgeist kein Erfolg. Und genau wie Fußball keine Einzelgänger braucht, wollen sich auch J und T nicht in den Vordergrund stellen, schließlich gehe es um die Musik – fürs Erste sehr bodenständig und sympathisch.

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Wenn die Sieben die Bühne betreten und unverwechselbare Songs zum Besten geben, die etwas an den englischen Modern Soul der frühen 70er Jahre erinnern, gehe es vor allem darum, Spaß zu haben, mit sich selbst zufrieden zu sein und sich nicht von anderen Menschen beeinflussen zu lassen. Es gilt, so die beiden im Interview mit Pigeons&Planes, die Bestätigung nicht bei anderen Menschen zu suchen und sich darüber im Klaren zu sein, wenn man auf der Bühne steht – das Einzige, was dann noch zählt, ist gemeinsam eine gute Zeit zu haben.

Doch das Musik-Projekt Jungle scheint für sie noch viel mehr zu sein als nur Spaß – es ist ein Weg, zu sich selbst und weg von gesellschaftlichen Zwängen, die wir alle nur zu gut kennen:

„With Jungle we grew and realized that self-satisfaction and happiness actually comes from within. Once you’re happy with who you are and happy with what you’re doing you actually create something that’s personal and means something. And when music means something it’s much more powerful.“

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