Kultur, Was machen wir heute?

„Formen informellen Forschens“ im kunstraum muenchen

Laura Goudkamp

Sie lebt, liebt und leidet in Schwabing und studiert trotz enormen Zukunftsängsten leidenschaftlich gerne Politikwissenschaft.
Laura Goudkamp

Letzte Artikel von Laura Goudkamp (Alle anzeigen)

kunstraum

„Formen informellen Forschens“ ist das Leitthema der Sommerakademie im kunstraum muenchen. Das Projekt findet zwischen dem 02. – 11. September 2011 statt. Die Abendvorträge sowie mehrere Film- und Vinyl Lectures in Kooperation mit der Favorit Bar stehen als öffentliche Veranstaltung jedem offen.
Gürsoy Dogtas, Künstler, Kurator und Herausgeber des Artistzines Matt Magazine, der außerdem Vorstandsmitglieder des Kunstverein München ist, erklärt uns das Projekt.

Herr Dogtas: Was ist der Kunstraum Muenchen und warum wurde er gegründet?
Der kunstraum muenchen wurde 1973 als gemeinnütziger Kunstverein gegründet und versteht sich als Plattform für junge zeitgenössische Kunst. Er reagierte 1973 konkret auf die Situation in München kurz nach den 68ern und stellte künstlerische Position aus, die von den Münchner Institutionen damals übersehen wurden. Die erste Ausstellung war dann gleich Richard Tuttle und setzte sich weiter fort mit Künstlern wie Arnulf Rainer, Blinky Palermo, Hans Peter Feldmann, Rosemarie Trockel usw. Heute Künstler deren Namen sich wie das Who is Who der zeitgenössischen Kunst lesen lassen.

Formen informellen Forschens ist das Leitthema der Sommerakademie. Können Sie das Projekt beschreiben?
Wie sind Sie und Ihre Kollegen auf diese Thema gekommen?

Uns war eine Kluft aufgefallen, sowohl aus unseren eigenen Studienjahren, als auch von Studenten aus unserem Bekanntenkreis, zwischen der offiziellen Bildungssituation und ihrem pädagogischen Programm, ihren Lehrinhalten und den Orten, Begegnungen, Veranstaltungen in der „Subkultur“ aus denen wir uns Anregungen, Inspirationen geholt und diese auch gleich dort ausgelebt haben.
Rückblickend stellten wir fest, wie wertvoll, ergiebig die Wissenserlebnisse aus diesen informellen Situationen waren.
Mit der kunstraum Akademie wollen wir eben eine ähnliche Situation gestalten und uns mit dieser Form der Wissensbildung und seinem Potential auseinandersetzten.

Forschen, so schreiben Sie auf der Website des Kunstraums selbst, hat immer einen Wettbewerbscharakter. Was stört Sie daran? Wettbewerb beflügelt doch auch!
Unter dem Versprechen der Hochschuloptimierung (Bologna-Prozess) fanden
in den letzten Jahren die grundlegendsten und folgenreichsten Umstrukturierungen an europäischen Universitäten und Akademien statt. Die Diskurse hierüber waren von einem wirtschaftswissenschaftlichen Idiom durchtränkt. Wir haben angefangen nach Lernsituationen Ausschau zu halten, die sich so einer Verwertungslogik entziehen können.

Sie bedienen sich Alltagspraktiken: Musik auflegen, Spazieren gehen und Kochen. Was fasziniert Sie an eben diesen drei Fächern?
In der Musik interessiert uns besonders der geschichtliche Augenblick, die subversiven Momente der Musik, ihre radikale Gesellschaftkritik. Andreas Neumeister, einer unserer DJ-Dozenten, interessiert sich für die „German Charts“, die sich um einschlägige Themen der deutschen Geschichte drehen. Mirko Hecktor, von der Performance Kunst kommend, geht wiederum in einer Lecture-Performance der Historie des Plattenauflegens nach.
Spazieren gehen, scheint der Inbegriff des Müßiggangs zu sein, aber die Informationen, die wir aus diesen Spaziergängen beziehen können, liegen im Grenzbereich zwischen Urbanismus-Theorie, Stadtplanung und Soziologie.
Wir glauben, dass in dem gemeinsamen Essen immer ein Potential steckt, wie in dem Gastmahl von Platon, man kommt zusammen und im Verlauf des Essens ergeben sich Erkenntnisse. Wir können im Vorfeld nicht abschätzen welche Natur diese Erkenntnisse haben werden…

Für alle dieser Einheiten haben Sie tolle Gäste gewinnen können. Waren diese leicht zu gewinnen oder waren sie vielleicht sogar kritische gegenüber dem Projekt eingestellt?
Vielen Dank! Zum größten Teil sind die Dozenten selbst Kulturproduzenten, die sich nicht eindeutig einordnen lassen, z.B. macht die Ayzit Bostan Mode, aber auch Kunst wie Videos und Objekte, legt Musik auf. Also innerhalb einer Akademie oder einer Hochschulsituation könnten ihre diversen Tätigkeiten gar nicht insgesamt erfasst werden, sondern nur spezialisiert in verschiedenen Disziplinen. Die Idee der kunstraum Akademie lebt sie und die anderen Dozenten täglich, also könnte man eher sagen, dass die Akademie sich an solche Lebensmodelle anlehnt.

In Zusammenarbeit mit der Favorit-Bar werden auch Film-Lectures präsentiert. Was muss man sich darunter vorstellen?
Mit filmwissenschaftlichen Methoden werden zum besseren Verständnis Entwicklungen und Konzeption von Filmen analysiert. Der Dozent Didi Neidhart erweitert diese Analysen auf Videoclips und stellt sie Formaten wie Dokumentarfilmen gegenüber.

Musik auflegen ist sehr populär geworden, besonders unter jungen Menschen. DJs werden wie Rockstars verehrt. Woher glauben Sie kommt dieser Boom?
Man verehrt doch immer die Leute, die einen glücklich machen.

Warum sollte man Ihr Projekt auf keinen Fall verpassen?
Weil sie eine einfache Anleitung und Ermunterung zur Selbstorganisation ist, die zum Nachahmen einen Kreis von Personen mit gemeinsamen Leidenschaften braucht.

Der erste Vortrag findet am 3. September um 20.30 Uhr im kunstraum muenchen statt!
Uli Aigner: Ghost Academy

Weitere Veranstaltungstermine unter : www.kunstraum-muenchen.de

Ähnliche Artikel

No Comments

Post A Comment

Simple Share Buttons
Simple Share Buttons